Schon zum siebten Mal begibt sich Stadtpräsident Kurt Fluri in die Wahlkampfmühle um das Stadtpräsidium. Allerdings ist er erstmals seit 1993 gegen die Sozialdemokratin Franziska Roth echt gefordert. Um einiges mehr wohl auch, als bei seiner Wahl im Sommer 1993 – obwohl schon damals die Linke den Aufstand gegen die damals noch absolut beherrschende FDP probte.

Zuvor hatte der junge, erst 37-jährige Gemeinderat Kurt Fluri parteiintern eine Ausmarchung im Konzertsaal zu bestehen. Mehr als 500 nicht nur freisinnige Solothurnerinnen und Solothurner waren gekommen und füllten den Saal. Auch schon im Rennen war damals eine Frau: Monique Saudan wurde zwar Leuten wie dem damaligen Finanzverwalter Raymond Melly vorgezogen, doch gegen den Juristen Kurt Fluri blieb sie zuletzt völlig chancenlos. So trat dieser für die Nachfolge von Urs Scheidegger, ebnfalls FDP, an, der in Bern beim Bund angeheuert hatte.

Die Linke allerdings verzockte sich ähnlich grundlegend wie Theresa May zuletzt in Grossbritannien: Sowohl die SP wie die Grünen wollten je ihr eigenes Süppchen kochen, womit die linken Stimmen aufgesplittert wurden. Aber auch bei einer Einigung auf eine Kandidatur hätte Fluri klar das Rennen gemacht: Bei 5523 Stimmenden holte er nämlich 3447 Wahlzettel oder 62,4 Prozent. Die grüne Kandidatin Marguerite Misteli brachte es lediglich auf 1037 Stimmen, Klaus Koschmann für die viel stärkere SP erlebte mit nicht einmal 900 Stimmen ein eigentliches Debakel.

Fast wie in der DDR

Vier Jahre später lag zwar die Stimmbeteiligung immer noch bei über 5000 Abstimmenden, obwohl Kurt Fluri allein auf weiter Flur nur eine Bestätigungswahl brauchte. Die erhielt er mit 4374 Stimmen oder 84,8 Prozent denn auch. Beim dritten Wahlgang ums Stadtpräsidium war Fluri 2001 erneut der einzige Kandidat, doch diesmal war das Interesse des Stimmvolks deutlich abgeflaut. Nicht einmal mehr die Hälfte von 1997, nämlich 2505 Personen, gaben ihre Stimme ab, doch das Resultat erinnert an kommunistische DDR-Zeiten: 2420 Stimmberechtigte bestätigten Fluri – das waren 96,6 Prozent!

2005 hatte sich zwar an der Ausgangslage nichts geändert - der Stadtpräsident erhielt bei 4888 Stimmenden zwar «nur» noch 83,1 Prozent, fast genau gleich viel wie 2009 mit 83,9 Prozent von 3044 Personen, die das Ritual einer neuerlichen Einer-Auswahl abspulten.

Ein Koch stellt sich quer

2013 war für einmal alles ein bisschen anders: Der unbekannte junge Koch Jeffrey Murphy trat als parteiloser Kandidat gegen Kurt Fluri an. Nicht dass dieser damit ein echtes Problem gehabt hätte: Denn nur 36,8 Prozent aller Stimmberechtigten interessierten sich für das Duell mit dem Exoten, doch entfielen immerhin 854 Stimmen oder 21 Prozent auf den Herausforderer. Da zusätzlich 386 Wahlzettel leer eingelegt wurden, musste sich der Stadtpräsident mit 2950 Stimmen begnügen – was allerdings immer noch eine komfortable Mehrheit von 71 Prozent bedeutete.

Roth im Aufwärtstrend

Natürlich musste sich Kurt Fluri in den 24 Jahren im selben Turnus alle vier Jahre auch auf der FDP-Liste als Gemeinderat bestätigen lassen. Dies gelang ihm jeweils mit dem Top-Resultat – die Freisinnigen waren immer aber auch die wählerstärkste Partei gewesen. 2005 tauchte erstmals Franziska Roth auf der SP-Liste auf. Dort wurde sie als Siebtplatzierte in die damals schon neunköpfige SP-Fraktion gewählt. Ihre 1432 Stimmen übertraf allerdings Kurt Fluri um exakt 1000 Stimmen.

Vier Jahre später war der Abstand erheblich geschrumpft: Obwohl die SP 2009 zwei Sitze verloren hatte, schaffte Roth das zweitbeste Resultat ihrer Partei mit jetzt 1527 Stimmen und verkürzte damit den Rückstand auf Fluri auf noch 675 Stimmen. 2013 konnte Franziska Roth für die wieder erstarkte SP mit 1714 Stimmen sogar das Top-Resultat holen, Kurt Fluri als erneut bestgewählter FDP-Kandidat lag diesmal mit 2192 Stimmen noch 478 Stimmen vor der SP-Frau.

Auch am 21. Mai, vor gut drei Wochen, legte die SP wieder zu und Franziska Roth schwang in ihrer Partei mit 2407 Stimmen klar obenaus. Das tat allerdings Kurt Fluri FDP intern noch viel deutlicher und mit 2816 Stimmen hielt er sich seine Konkurrentin erneut um über 400 Stimmen vom Leib.

Dass dabei viele Stimmberechtigte ihrer bevorzugten Kandidatur durch fleissiges Kumulieren fürs Stadtpräsidium den Rücken stärken wollten, zeigen die krassen Abstände in der parteiinternen Rangliste: Franziska Roth distanzierte Anna Rüefli um fast 500 Stimmern, Kurt Fluri den zweitplatzierten FDP-ler Urs Unterlerchner sogar um eklatante 1044 Stimmen. Wobei Fluri gegenüber Roth vor allem auch deutlich mehr Panaschierstimmen von anderen Parteilisten oder sich nicht gebunden fühlenden Stimmberechtigten erhalten hatte.