Ausschreitungen
Sechs Randalierer der unbewilligten Demo vom Freitag werden angezeigt

Gegen sechs Teilnehmende an der gewalttätigen Demonstration in Solothurn hat die Polizei Strafanzeige eingereicht. Die friedlichen Demonstranten und das «Kofmehl» ist empört. Nun wollen die Krawallgegner eine Anti-Demo-Aktion durchführen.

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Einsatzkräfte mussten die Container löschen
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Einsatzkräfte mussten die Container löschen
Ausschreitungen bei einer Demonstration in Solothurn
Container brannten
Es gab Sachschäden
Steine flogen gegen die Polizei

Einsatzkräfte mussten die Container löschen

Lucien Fluri

Noch immer sitzt der Schock tief über die gewalttätigen Ausschreitungen in der Nacht auf Samstag in Solothurn. Bruno Gribi, Sprecher der Kantonpolizei, spricht von «einer aussergewöhnlichen Aggressivität» und «einem enormen Gewaltpotenzial».

Keine Verhaftungen

Zwar habe die Polizei mehrere Personen angehalten und Befragungen durchgeführt, verhaftet worden sei aber niemand. «Wir haben nun gegen sechs Teilnehmende Strafanzeige eingereicht», sagt Gribi. Es handle sich um einen Jugendlichen und fünf Erwachsene im Alter zwischen 16 und 22 Jahren, alle wohnhaft im Kanton Solothurn. Es gehe dabei um Landfriedensbruch, Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration, Trunkenheit und unanständiges Benehmen sowie um Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren weiter, um Verantwortliche für die Organisation der unbewilligten Demonstration und für die Sachbeschädigungen zu finden.

Die vier beim Einsatz, unter anderem durch Wurfgeschosse verletzten Polizisten, seien nach der ambulanten Behandlung im Bürgerspital Solothurn wieder zu Hause. Insgesamt standen 30 bis 40 Polizisten im Einsatz. Genaue Angaben über den Sachschaden konnte Gribi noch nicht machen. Er geht aber von einer Schadensumme in der Höhe von mehreren zehntausend Franken aus.

Aktion gegen Chaoten geplant

Viele junge Solothurnerinnen und Solothurner reagieren empört auf das Geschehene: Während die einen der Polizei die Schuld an der Eskalation geben, distanzieren sich die anderen klar und verurteilen die Ausschreitungen in teils wüstem Wortlaut. Auf Facebook formiert sich Widerstand gegen die Chaoten: «Werdet erwachsen und leistet einen konstruktiven Beitrag! Nur so kommen wir weiter», lautet einer der Kommentare. Viele Junge befürchten, dass mit der gewalttätigen Demo genau das Gegenteil von dem erreicht wird, was man eigentlich wollte.

Friedliche Kofmehl-Aktivisten empört

Dennis Drews, Organisator der letzten friedlichen Demo gegen die früheren Schliessungszeiten, ruft deshalb im Internet zur Aktion «So nicht!» auf: Am Abend des 24. Novembers soll mitten in Solothurn ein friedliches Zeichen gegen die illegale Demo vom vergangenen Wochenende gesetzt werden. Die Solothurner Jugend lasse «sich ihre Bemühungen nicht von einigen wenigen gewaltbereiten Chaoten zunichtemachen». Knapp 1700 Personen wurden zur Aktion eingeladen, bereits gut 100 hatten ihre Teilnahme bis gestern Abend bestätigt.

Die Aktion finde nur mit Bewilligung und nicht als Demo statt, erklärte Drews gestern am Telefon. In einer Stellungnahme schreibt er: «Ich unterstütze jede Aktion, die etwas für die Jugend bewirken kann. Aber es gibt Grenzen und diese wurden leider überschritten. (...) Die Polizei hat sich sehr lang zurückgehalten, selbst als schon ein Polizist verletzt war. Als Autos demoliert und Steine geworfen wurden, musste sie eingreifen. Es schien mir, als haben ein paar Leute nur darauf gewartet. Inwiefern diese Personen Bezug zu Solothurn haben, sei dahingestellt.»

Steine flogen gegen das «Kofmehl»

Die Kulturfabrik Kofmehl, welche mit der Party und der unbewilligten Demonstration gar nichts zu tun hatte, zeigt sich geschockt. Pipo Kofmehl, Leiter der Kulturfabrik, über den Gewaltausbruch nebenan meinte auf Anfrage: «So etwas habe ich noch nie gesehen. Angefangen hat es damit, dass die Leute unter der Westumfahrungsbrücke anfingen, Steine gegen das Kofmehl zu werfen.» Um 2 Uhr sei das drinnen stattfindende «Öufi»-Jubiläumsfest vorschriftsgemäss beendet worden, «doch konnten wir unsere Gäste nicht einfach rausschicken, da die Polizei draussen in diesem Moment Tränengas einsetzte.» Es sei zu Panikerscheinungen gekommen, so Kofmehl, «es war wirklich sehr schade für den Anlass.»

Schon vorher habe er zusammen mit weiteren Helfern der Kofmehl-Crew versucht, auf die ungebetenen Partygäste vor der Kofmehl-Aussenwand einzuwirken und sie zum Leiserstellen der Musik zu bewegen. «Doch es war einfach niemand zuständig, und sie sagten noch, das Ganze ginge nicht gegen das Kofmehl.»

Was Pipo Kofmehl gar nicht so sieht. «Das Schlimmste ist, unsere ganze Arbeit ohne Ende ist jetzt zur Sau. Das ist wirklich eine saublöde Situation.» Für ihn stelle sich die Frage: «Was zieht das Ganze nach?» Natürlich distanziere man sich in aller Form vom Ganzen, «unser Sicherheitsdienst hat auch eng mit der Polizei zusammengearbeitet.» (ww/fs/fup/san)

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