Kapuzinerkloster Solothurn

Schwitzen im Kloster: Wird aus dem christlichen Sakralbau ein türkischer «Hammam»?

Künftig einmal ein Hoteleingang oder der Zugang zu neuen Wohnungen hinter den alten Klostermauern?

Künftig einmal ein Hoteleingang oder der Zugang zu neuen Wohnungen hinter den alten Klostermauern?

Es gibt drei Interessenten für das Solothurner Kapuzinerkloster – einer möchte ein Hotel mit SPA-Bereich einrichten.

Schwitzen im Solothurner Kapuzinerkloster: Beim Beten und Arbeiten dürfte dies für die dort einst wirkenden Brüder durchaus zur Tagesordnung gehört haben. Ins Schwitzen gerät mittlerweile aber der Kanton Solothurn, der als Besitzer der altehrwürdigen Liegenschaften tief in die Taschen greifen muss, um die Bausubstanz wenigstens einigermassen zu erhalten. Unter dem Strich legt der Kanton dafür jährlich rund 150'000 Franken drauf, weil aus Vermietungen und der Zwischennutzung nur rund 20'000 Franken pro Jahr resultieren (Kasten).

Kein Wunder, bemüht sich das zuständige Hochbauamt intensiv darum, die seit dem Auszug der Kapuziner 2003 mehr oder weniger leer stehenden Bauten mit neuem Leben ausfüllen zu lassen. Im Vordergrund steht eine Abgabe im Baurecht, doch auch ein Verkauf wird nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Interessenten kommen und gehen seit Jahren, Projekte lösten sich in Luft auf ‑ meist wegen der fehlenden Finanzen. Denn für Sanierung und Ausbau der weitläufigen Liegenschaften müssten wohl über 20 Mio. Franken investiert werden.

Ein «Türkisches Bad» im Klostergemäuer?

Schwitzen im Kloster könnte nun aber bei einer künftigen Nutzung eine völlig neue Dimension erlangen: dann nämlich, wenn im Kapuzinerkloster tatsächlich «ein Hammam» eingerichtet würde, wie es Gerüchte-Spatzen derzeit von den Solothurner Dächern pfeifen.

Nachfrage bei einem, der es wissen muss: Guido Keune. «Ja, es gibt einen Interessenten, der im Kloster ein Boutique-Hotel einrichten möchte, das auch über einen SPA-Bereich verfügen würde», bestätigt der Solothurner Kantonsbaumeister. Allerdings relativiert er sogleich mit einer Aussage, die seit Jahren stets wiederholt wird: «Es ist immer noch alles völlig offen.»

Neben dem Hotel-Vorhaben gebe es auch noch zwei Interessenten für künftige Wohnnutzungen: Einer davon sei bezüglich des Planungsstandes etwa gleichweit wie jener für das Hotel-Projekt, «der zweite Interessent für eine Wohnnutzung hat sich erst kürzlich neu bei uns gemeldet», berichtet Keune.

Dass es sich beim Interessenten für ein Hotel-Projekt laut hartnäckigen Gerüchten um eine bestimmte namhafte Zürcher Immobilien-Holding handelt, dementiert Keune. Konkrete Angaben zur Identität der drei Interessenten zu machen, sei zur Zeit nicht sinnvoll.
Etliche juristische Hürden müssen genommen werden.

Bis im und rund um das Kapuzinerkloster auch Bauarbeiter so richtig ins Schwitzen kommen, dürfte noch viel Wasser die Aare hinab fliessen. Denn nicht nur die Tatsache, dass die Gebäude unter Denkmalschutz stehen, setzt jedem Vorhaben spezielle Grenzen, sondern auch die geltende Zonenordnung sowie bestehende Nutzungseinschränkungen.

«Bevor etwas passieren kann, müssen zuerst die zonenrechtlichen Fragen geklärt werden», weist Kantonsbaumeister Keune denn auch auf den grössten Stolperstein hin. Tatsächlich lässt die aktuelle Zonenplanung keine der angestrebten Neunutzungen zu. Davon kann der Kanton bereits ein Lied singen: Mit seinem Versuch, die bisherigen Möglichkeiten der Zwischennutzung auszuweiten, ist er hoffnungslos aufgelaufen. Zunächst bei einem Teil der Nachbarschaft und dann erst recht bei der städtischen Baukommission: Diese hat ein entsprechendes Umnutzungsgesuch abgelehnt. Der Kanton zog diesen Entscheid ans Solothurner Verwaltungsgericht weiter ‑ wo der Fall seit nunmehr bald einem Jahr hängig ist.

Wenn nur schon das vom Kanton beabsichtigte «Upgrading für gewisse gewerbliche Nutzungen» (Keune) juristisch gestoppt wird, kann man sich getrost fragen, welche Sperrfeuer dann erst recht auf ein Hotelprojekt samt den entsprechend nötigen Umzonungen warten würden. Einsprachen, Prozesse, Verzögerungen inklusive.

So oder so: «Es wird noch Jahre dauern»

Von diesen Widrigkeiten lässt sich Keune persönlich nicht ins Schwitzen bringen: «Wir sind zuversichtlich, dass eine Lösung zu finden ist.» Im Vordergrund stehe auch weiterhin eine Abgabe der Liegenschaft ‑ die sich im Finanzvermögen des Kantons befindet ‑ im Baurecht. «Das Ziel heisst dabei neue Nutzung, neue Trägerschaft», sagt der Kantonsbaumeister. So oder so werde es aber «Jahre dauern», bis ein Projekt in die Realität umgesetzt werden kann. Keune: «Ein Investor muss viel Kapital, Geduld, langen Schnauf und eine grosse Liebe zu einem historischen Bauwerk mitbringen.»

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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