Matthias Glarner «der Schwingerkönig» hält Hof als Stargast am ersten Schwingerstammtisch an der Heso. Ein Bild, an das man sich gewöhnen muss. Erstmals kniete der 30-jährige Meiringer 2003 am Brünig vor die Kranzjungfer. In den folgenden 13 Jahren stand der smarte Haslitaler, dessen Bruder Stefan beim FC Thun in der Super League verteidigt, immer wieder Mal in einem Schlussgang und gewann auch ab und zu.

Immer indes in sicherer Schlagdistanz zum ganz grossen Plattwurf. Im Radsport würde man von einem Edel-Domestiken reden. Ein Star-Helfer also für die Chefs, der selber nicht gut oder «Rampensau» genug ist, um den Thron zu erobern, andererseits jedoch zu stark, um allein im Hintergrund zu wirken. 2013 am Eidgenössischen in Burgdorf wurde Glarner das Bauernopfer schlechthin, als er es war, der auf die eigenen Verbandskollegen Christian Stucki (gestellt) und Matthias Sempach (Niederlage) gehetzt wurde. Dies, weil alle anderen zu schwach waren, die Berner Stars einzubremsen. Dieses Opfer kostete ihn einen Spitzenplatz.

Siegschwinger

Jener «bittere» Moment in Burgdorf war der «Game-Changer» für Glarner. «Ohne diese Erfahrung wäre ich heute nicht hier», sagt er. Genug den Buckel für die anderen hingehalten quasi. «Ich sah ein, dass ich die Besten schlagen muss, wenn ich der Beste sein wollte.» Der 109-fache Kranzgewinner verwandelte sich in einen Siegschwinger. Bis 2013 gewann Glarner in zehn Jahren sieben Berner Gauverbandsfeste. Von 2014 bis 2016 kamen sieben weitere Siege dazu. Darunter 2014 der erste Triumph an einem Teilverbandsfest, dem Nordwestschweizerischen in Zuchwil, 2015 der brillante Erfolg auf der Schwägalp in der Höhle der Nordostschweizer und heuer die Gala am Bernisch-Kantonalen vor seiner Haustür in Meiringen und kurz darauf, am Eidgenössischen in Estavayer. Der Coup in der Romandie war in dem Sinn also absehbar.

Darum sitzt er jetzt da, im Schwingerzelt an der Heso und unterhält sich mit Königs-Moderator Dagobert Cahannes und beweist Entertainer-Qualitäten. Der muskulöse 109-Kilo-Regent im Zwilchhosen-Olymp geniesst die Aufmerksamkeit der vielen Fans im Zelt und blüht in seiner Aufgabe als Chef-Botschafter seiner Zunft auf. Glarner weiss sich als studierter Sportwissenschaftler prima auszudrücken und kennt das schwingerische Hofzeremoniell, das da festlegt, wie man was in der Öffentlichkeit ultradiplomatisch zu formulieren hat aus dem Effeff. Mit Witz, Bodenständigkeit und Charme gewinnt er das Publikum.

Vom Cahannes nach der Vielseitigkeit gefragt, sorgt Glarner für einen Lacher: «Wenn ich eine Spielkonsole wäre, meinen meine Kollegen, bräuchte ich keinen Kontroller. Ein Knopf zum Drücken würde reichen: Einfach kurz, kurz, kurz ...»

Botschafter des Schwingens

Matthias Glarner ist für Talkshows und PR-Auftritte einer der derzeit geeignetsten Schwinger überhaupt. Fast ein programmierten König im boomenden Millionengeschäft. Dies ganz im Gegensatz zum Oberländer Kameraden Kilian Wenger, der den Titel 2010 in Frauenfeld gewann. Damals 20-jährige zerbrach der Naturbursche förmlich an diesem Titel. Wenger wurde seither vor allem reich, blieb sportlich indes viel schuldig. Gut möglich, dass es Glarner diesbezüglich ähnlich ergeht. Das Management ist das gleiche wie jenes von Wenger. Dafür wird der Meiringer bestimmt in jeder Talkshow und Gala eine pfundige Falle machen und als Botschafter der Schwinger glänzen.