Ein schöner Sommertag einmal mehr. Im Sportbecken wird auf abgesperrten Bahnen gekrault, was das Zeug hält. Wasser, so weit das Auge reicht. Doch der Schein trügt. Denn Renzo Wolf als Präsident des Schwimmclubs Solothurn und Romana von Gunten, Fachwartin Synchronschwimmen, umtreibt ständig eins: die Sorge um genügend Wasser.

Bezahlbares Wasser für alle, die es im Verein brauchen. Die grössten Sorgen bereiten Romana von Gunten weniger ihre Synchronschwimmerinnen. Sondern die ebenfalls durch den Verein betriebene Schwimmschule. «Wir betreuen derzeit rund 80 Kinder und führen für viele Eltern den Schwimmunterricht durch, für den eigentlich die Schulen besorgt sein müssten.» Aber diesen aus unterschiedlichen Gründen nicht durchführen können – oder wollen.

Draussen bibbern

Die Kurse am Dienstagabend, Mittwochnachmittag und Samstagvormittag sind sehr gut besucht. Doch schwer wiegt für die Leiterin die Aufgabe des Hallenbades Hermesbühl, das der neuen Doppelturnhalle ersatzlos weichen musste. «Der geeignete Bereich fürs Lernschwimmen ist im Hallenbad der Pädagogischen Hochschule PH sehr klein. Im Hermesbühl hatten wir perfekte Verhältnisse.» 

Perfekt wäre die Situation auch im Lernschwimmbecken der Badi im ehemaligen alten Herren-Bad. «Doch letztes Jahr hatten wir im Juli 15 Grad Luft- und 18 Grad Wassertemperatur», zeigt von Gunten die oft misslichen Bedingungen in der ohnehin kurzen Sommersaison auf.

«Sonst fangen wir gar nicht an»

Die engagierte junge Frau mag aber nicht nur klagen. «Für uns Synchronschwimmerinnen haben wir in der PH sehr gute Verhältnisse.» Und die sind auch nötig. Denn sechsmal in der Woche wird trainiert, «und unter drei Stunden fangen wir gar nicht an», zeigt Romana von Gunten die harte Arbeit auf, die jetzt Christine Fluri wie so manche Kollegin vor ihr mit dem Synchro-Nationalteam an die Weltmeisterschaften in Budapest führt. 

Aber auch die Synchro-Show im Dezember gehört zu den Höhepunkten der jungen Schwimmerinnen, die immer jünger den Zenit ihrer Laufbahn erleben. «Ich hörte mit 23 Jahren auf, heute sind die meisten erst 16, wenn es so weit ist.» Dafür kehren diese Athletinnen dann oft wieder als Leiterinnen oder Trainerinnen zurück. Sehr positiv wirke sich auch aus, dass das PH-Hallenbad jetzt noch bis jeweils zu den Sommerferien fürs Training zur Verfügung stand. «Früher war es vom Muttertag bis zum Bettag geschlossen.»

Guter Draht zu den Behörden

Keineswegs beklagen will sich Schwimmclub-Präsident Renzo Wolf deshalb über die Stadtbehörden. «Die Kontakte zu den Verantwortlichen vom Hochbauamt, zu Chefbadmeister Pascal Pretôt oder auch zur Sportkommission und dem Stadtpräsidium sind sehr gut und wir erhalten jeweils rasch alle Informationen, die wir brauchen.» Auch werde auf Wünsche, sofern sie erfüllbar seien, eingegangen.

Dennoch plagen ihn wie Romana von Gunten Zukunftssorgen. «Das Hallenbad Oberdorf, wo wir auch noch trainieren, soll saniert werden», erklärt der Präsident. Und auch im «Semi», wie das PH-Bad noch heute genannt wird, stehen Sanierungsarbeiten an – man weiss nur noch nicht wann, und ob das Ganze in zwei Etappen oder «in einem Schnutz» von sich gehen wird.

Unterschiedliche Bedürfnisse

Beide Funktionäre hoffen für ihren Verein, dass man trotzdem einigermassen genügend Trainingskapazitäten hat. In der Schwimmsparte ziehen regelmässig 37 Mitglieder ihre Bahnen. Die Schwimmer der Elite, welche unter dem Dach der Swim Regio Solothurn gemeinsam mit den umliegenden Vereinen trainieren und so die Wassersynergien besser nutzen können, verbringen zehn Stunden und mehr pro Woche im Wasser.

Die jetzt angegangene Überdachung des Freibads Zuchwil wertet Renzo Wolf zwar als positiv für die Wettkampfmannschaften, doch ist die Wasserknappheit bei den jüngeren Kindern und den Breitensportlern nicht gelöst – diese absolvieren die Trainings auf der 25-Meter-Bahn. Für die Wettkampfteams bietet die 50-Meter-Bahn eine ideale und dringend notwendige Voraussetzung auf die Langbahn-Wettkämpfe, die vorwiegend draussen stattfinden. Die 50-Meter-Bahnen seien für Synchro nicht nötig, meint Romana von Gunten für ihre Synchronschwimmerinnen. «Und zur Hälfte will uns niemand. Wir sind halt schon sehr speziell», verweist sie auf ganz besondere Bedürfnisse bei der Infrastruktur wie beispielsweise ein Sprungbecken.

Alles hat seine Grenzen

Doch mit den anstehenden Sanierungen befürchtet Renzo Wolf noch ein anderes mögliches Szenario: steigende Benützungsgebühren. «Und solche können wir unmöglich auf unsere Mitglieder und ihre Eltern umwälzen.» Denn Schwimmen ist keine günstige Sportart: Die Mitgliederbeiträge liegen bereits jetzt schon zwischen 675 und 1150 Franken pro Kind, welche die Eltern aus eigenem Sack berappen. «Eine Erhöhung der Gebühren würde da im Verein höhere Wellen schlagen», ist Renzo Wolf überzeugt.