Einsiedelei

Schwester Benedikta: «Ich bin nicht mediengeil!»

«Es sind Tränen geflossen»: Schwester Benedikta spricht im «TalkTäglich» über ihren Leidensweg in der Verenaschlucht

«Es sind Tränen geflossen»: Schwester Benedikta spricht im «TalkTäglich» über ihren Leidensweg in der Verenaschlucht

Sehen Sie die wichtigsten Momente aus der Sendung im Zusammenschnitt.

Eineinhalb Jahre lebte sie in der Verenaschlucht. Nun hat Schwester Benedikta die Einsiedelei verlassen. Am Mittwoch war sie bei «Tele M1» zu Gast und nahm Stellung. Sie sagt, wieso sie gegangen ist, was alles passierte und wie sie ihre Zukunft sieht.

Schwester Benedikta wirkt ruhig, mit ihrer Entscheidung im Reinen, als sie auf die erste Frage von Moderator David Kaufmann antwortet. Wieso sie denn gegangen sei, fragt dieser.

Die ehemalige Einsiedlerin holt aus. Als sie die Klause in der Einsiedelei bezogen hat, habe sie Menschen gesucht nicht Ruhe. «Doch ich musste erkennen, dass ich als geweihte Person nicht dieselben Vorstellungen habe wie die Bürgergemeinde.» Sie habe die Verenaschlucht als Glaubensort verstanden. Ein Glaubensort sei es für sie aber nicht immer gewesen.

«Die vielen Menschen waren manchmal belastend», sagt sie.  Doch das sei nicht das Problem gewesen. Gefehlt habe ihr ein Rückzugsort. Ein Ort, an dem sie zwei, drei Stunden lang alleine im Gebet hätte verweilen können.

Satanisten belästigen Schwester Benedikta in der Verenaschlucht bei Solothurn

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Auch als man ihr diesen gegeben hat, habe sie nicht die Möglichkeit gehabt, sich zurückzuziehen. Einen Tag hätte sie dort verbringen können, aber Stille für längere Zeit habe sie nicht gefunden.

 «Es ging nicht darum, dass eine authentische Glaubensperson wirkt, sondern darum, dass jemand in dem Haus wohnt und Aufgaben erledigt.» Solch klare Worte gegenüber der Bürgergemeinde hört man im Verlaufe des Gespräches nicht mehr oft. Eine Kritik gegenüber dieser schwingt in ihren Stellungsnahmen aber immer wieder mit.

«Ich kam nicht mit dem Vorsatz verändern zu wollen»

Im Verlauf des Gesprächs wird die ehemalige Einsiedlerin auch mit Vorwürfen konfrontiert. Einer dieser Vorwürfe Seitens der Bürgergemeinde war, dass sie die Verenaschlucht Stück für Stück verändern wolle. Dies streitet Schwester Benedikta ab: «Ich kam nicht mit dem Vorsatz verändern zu wollen.» Es habe eine Dynamik gegeben, die zu Bewegung und Veränderung geführt habe. «Das machte manchen Bürgerräten und Rätinnen Angst.»

Sie wirft einigen der Bürgeratmitglieder vor, nicht offen kommuniziert zu haben. Kritiker hätten häufig nicht direkt mit ihr gesprochen. Sie verstehe aber die Skepsis. «Bei mir ist diese Berufung über Jahre gewachsen. Personen werden dann direkt damit konfrontiert.» Das könne schwierig sein.

Kündigung: Schwester Benedikta hat genug vom Leben als Einsiedlerin

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Nach nur eineinhalb Jahren schmeisst Schwester Benedikta hin. Sie hat ihren Job als Einsiedlerin in der Solothurner Verenaschlucht gekündigt.

Auf ihre Medienpräsenz angesprochen, sagt Schwester Benedikta: «Ich bin nicht mediengeil!» Sie finde es schade, wie es herausgekommen sei.  Sie habe nicht alle Medienanfragen angenommen. Und wenn sie Stellung genommen habe, habe sie das mit der Bürgergemeinde besprochen gehabt.

Immer wieder spricht sie während des Talks von ihrer Berufung. Diese Berufung sei es, im Zölibat zu leben, zurückgezogen zu schweigen und zu beten für die Welt und die Menschen.

«Ich habe darum gekämpft, in der Verenaschlucht bleiben zu können.»

Dieser Berufung gehe sie auch weiter nach. «Ich habe darum gekämpft, in der Verenaschlucht bleiben zu können», sagt sie und: «Es sind Tränen geflossen.» Als sie erkannt habe, dass es nicht mehr geht, habe sie sich Gott hingegeben. Durch ihn habe sie verstanden, dass sie gehen darf.

«Nun wohne ich in einem Mehrfamilienhaus im Oberaargau.» Sie nennt es: «Eine Klause mitten unter Menschen.» Sie werde weiterhin als Eremitin wirken und den Menschen helfen. «Ich werde aber mehr Freiheiten haben.»

«Mein Leben ist Gott geweiht, niemandem sonst.» Diesen Satz schrieb Benedikta in einem Lesebrief, der in der Solothurner Zeitung veröffentlicht wurde. Er wird im Gespräch von Reporter David Kaufmann zitiert, als die Beiden auf das Einmischen der Politik in geistigen Angelegenheiten zu sprechen kommen.

Schwester Benedikta findet dazu deutliche Worte: «Wenn es um meine Berufung geht, hat mir eine weltliche Institution, die politisch geführt wird nichts zu sagen.» Über solche Themen spreche sie mit Geistlichen und mit Gott.

Sehen Sie hier die ganze Sendung «TalkTäglich» vom Dienstag, 8.3.2015

Sehen Sie hier die ganze Sendung «TalkTäglich» vom Dienstag, 8.3.2015

Gegen Ende des Gesprächs hin wird die Zukunft der Verenaschlucht ein Thema. Schwester Benedikta findet den Weg, den die Bürgergemeinde nun einschlägt, den Richtigen. «Der Rat muss Eins werden.» Sie sollen zusammen sprechen und ein neues Konzept für die Schlucht finden.

Ob in Zukunft  ein Einsiedler oder eine Einsiedlerin in der Verenaschlucht für längere Zeit verweilen wird? Sie könne nur aus eigener Erfahrung berichten: «Ich habe gekämpft und alles versucht, um bleiben zu können.» Bereuen tut sie allerdings nichts: «Ich hatte viele schöne Begegnungen und habe viel gelernt.» 

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