Da kann der Vater nicht mehr mithalten. Gohar Tamrazyan ist zwar erst neun Jahre alt. Wenn es um Schach geht, können ihr ihre Eltern allerdings nichts vormachen. Bis zu vier Mal die Woche sitzt die Drittklässlerin aus Derendingen hin und löst bis zu vier Stunden lang Übungen. «Am Anfang habe ich noch gegen sie gespielt», sagt ihr Vater. Jetzt hat die Drittklässlerin Privatunterricht und besucht das Training des Schachklubs Solothurn.

Jeden Freitagabend trifft sich Gohar im Solothurner Fegetzschulhaus mit gut einem Dutzend anderer schachbegeisterter Kinder und Jugendlicher zum Training. «Schach fördert das logische Denken und regt beide Hirnhälften an», sagt Astrid Hofer, die nicht nur Juniorenleiterin, sondern auch Präsidentin des Schachklubs Solothurn ist - und damit überhaupt die erste «Dame» im Vorstand des 90-jährigen Vereins.

«Schach ist ein Kriegsspiel»

Trainiert wird mit einem Übungsheft. Für jede gelöste Aufgabe gibt es Punkte, die übers Jahr gezählt werden. Letzten Freitag hat Astrid Hofer die Preise für die fleissigsten Punktesammler vergeben. Den Wanderpokal sicherte sich Samuel Krebs, der sich zuvor nur knapp nicht für die Jugend-Europameisterschaft qualifiziert hatte.

Ein ganz intensives Training gibt es für sieben Solothurner Nachwuchsspieler ab morgen Mittwoch: Sie reisen nach Grächen, wo sie zehn Tage lang trainieren, an der Schweizer Einzelmeisterschaft teilnehmen und wandern. «Nur mit einem stärkeren Gegner kommst du weiter. Es geht nicht um den Sieg, sondern um die Herausforderung», sagt Hofer, die stolz darauf ist, dass in ihrem Club von der Siebenjährigen bis zum 86-Jährigen alle gemeinsam an einem Turnier teilnehmen können.

«Das gibt es sonst in keiner Sportart.»
Vom Computer als Trainingspartner rät Hofer ab. «Schach lebt von Fehlern, die der Computer nicht macht», sagt die Vereinspräsidentin. «Schach ist ein Kriegsspiel, man muss mit allen Wassern gewaschen sein.»

«Schach ist Sport»

Ist Schach denn Sport? Für Astrid Hofer ist die Antwort klar. «Nach drei Stunden Konzentration schmeissen einige ein nasses T-Shirt in die Ecke. Ein Spiel kann unglaublich anstrengend sein. Bei anderen zittert der ganze Körper.» Vereinskassier Anton Meier erzählt von einer unglaublichen Spannung: «Man kann 40 bis 50 geniale Züge machen, aber dann reicht nur ein Fehler».

Kinder und Jugendliche seien besonders gefordert: Es braucht bei jedem Zug eine Entscheidung, die die Kinder selbst treffen müssen. Während des Wettkampfs darf nicht gesprochen werden. Die Aufmerksamkeit ist ganz auf die nächste Aufgabe gerichtet.» Wer spielt, muss vorausdenken und planen.

Darf die Asylbewerberin reisen?

Gohar Tamrazyan spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr Schach. Die Tochter armenischer Eltern lebt erst seit anderthalb Jahren in der Schweiz, spricht aber problemlos Mundart und Hochdeutsch. Eben erst hat sie sich für die Jugend-Europameisterschaft qualifiziert.