Bevor es kracht, schaukeln sich die Schuldzuweisungen hoch. Dann kommt es fast zwangsläufig zur Scheidung. Beim Palais Besenval sind wir wohl definitiv in der letzten Phase eines Scheidungskriegs angelangt. Die andern machen es nicht recht, darum ist die Ehe zerrüttet. Schade um das einst vielversprechende Konstrukt der Seminarmeile, deren Mentor Markus Graf sich bis zuletzt um eine Lösung, sprich einen neuen Gastro-Vertragspartner bemüht hatte. Es sollte nicht sein, der Verstorbene kann nichts mehr zur Lösung beitragen.

Kein Beitrag ist die stadtpräsidiale Schelte an die Besenval-Betreiber, und keiner auch das Pochen auf einen Vertrag, dessen Inhalt wirtschaftlich nicht erfüllbar ist. Jedenfalls nicht mit dem bisher Gebotenen. Die H-Hotels sind Fachleute im Hotelgeschäft, mit einem A-la-carte-Restaurant neben dem Bankettgeschäft aber klar überfordert – sie stehen ja bereits im Landhaus immer wieder in der Kritik. Entflechtung ist die Devise. Das heisst harte Knochenarbeit. Ein bisschen die Nase in den Vertrag stecken, reicht da nicht aus, das müssen sich der Kanton, die Stadt und – warum eigentlich? – der Tourismusdirektor bewusst sein.

Es ist bezeichnend und traurig genug, dass mit dem Alten Spital ein zweiter «Top Place» am schönen Aarestrand vor sich hin serbelt. Gastro-Profi Roland Furrer hat in dem beim Umbau zu klein geratenen «Alibi-Beizli» Aaregarten den Kochlöffel an den Nagel gehängt. Nun werkelt das Team des Alten Spitals mit einem (zu) grossen sozio-kulturellen Rucksack noch ein wenig gastro-kulinarisch herum. Die Stadt ist gefordert, Profis müssen ran. Denn Aarestrand alleine bringts nicht – im steinharten Wettbewerb um Gast, Umsatz und Rendite.