Was ist mit der guten alten Tageszeitung los? Ist sie ein Auslaufmodell? Zuweilen könnte man es schier meinen. Besonders auffällig: Gar Exponenten innerhalb der Zeitungsbranche werden nicht müde, das bisher so erfolgreiche Geschäftsmodell anzuzweifeln, wenn nicht gar totzureden. Wer liest heute eine klassische Tageszeitung? Sind langjährige Leser, treue Leserinnen tatsächlich allesamt über 50 Jahre alt, wie zuweilen gemunkelt wird? Irrtum! Auch junge Menschen lesen Zeitung. Wenn immer es geht, tun sie es gratis.

Bezugsquellen sind die Zeitungsbox am Bahnhof, das Internet, der Familientisch. Dass Information nichts kosten soll, daran hat sich unser Nachwuchs gewöhnt. Aber er ist interessiert. Man liest. Das ist schon mal erfreulich.

Noch erfreulicher ist die Tatsache, dass selbst Schülerinnen und Schüler zu faszinieren sind, wenn ihnen die Medienwelt auf unverkrampfte Art und Weise nähergebracht wird. Nicht wenige Lehrerinnen und Lehrer machen sich diese Mühe und setzen sich mit dem Thema Medienkunde vertieft auseinander.

So geschehen zum Beispiel im Schulhaus Fegetz der Stadt Solothurn. Michelle Manetsch hat mit ihrer 5. Klasse über Wochen regelmässig die Solothurner Zeitung zur Hand genommen und sich altersgerecht mit dem Inhalt auseinandergesetzt. Zum Abschluss haben die Schüler eine persönliche Gesamtbilanz gezogen. Die Betrachtungsweisen sind zwar wohlwollend, aber durchaus mit differenzierten Ansätzen. Aus allen spricht eine stattliche Portion Neugier und Interesse. So schreibt Diana: «Am Anfang dachte ich, dass Zeitunglesen langweilig ist. Aber als wir mit der Klasse gelesen haben, fand ich es spannend. Und jetzt schaue ich immer mehr in die Zeitung.»

Jana hat entdeckt, dass «die Zeitung ein ganz besonderes Medium ist, weil man da still hinsitzen und darin in Ruhe für sich schnuppern kann.» Anouc hält fest: «Die Zeitungsstunde war immer meine Lieblingsstunde. Ich habe jetzt bemerkt, wie spannend es ist, Zeitung zu lesen.» Ein interessanter Punkt kommt von Sebastian: «Ich finde die Zeitung speziell, weil ja sonst viele Medien elektronisch sind. Heutzutage ist eine Zeitung schon fast gewagt. Ich finde es aber blöd, wenn man am Morgen auf diesen elektronischen Gerätlein Zeitung liest.» Und Max meint: «Ich werde weiterhin Zeitung lesen. Jetzt weiss ich noch mehr über die Zeitung.» Nico doppelt nach: «Ich fand es sehr cool, dass wir jeden Donnerstag die Zeitung lesen durften. Ich schaue jetzt auch viel besser hin. Am coolsten fand ich die Börse.»

Ein weiterer Nico in dieser Klasse: «Spannend finde ich, dass es Berichte aus aller Welt gibt. Ich als Fussballer lese am liebsten den Sport.» Sophie erzählt: «Wir haben viele Zusammenfassungen geschrieben und auch einen Zeitungsartikel. Den mussten wir der Klasse vortragen.» Nilu gibt preis: «Ich bin jetzt besser im Zusammenfassungen schreiben und ich weiss auch mehr über die Zeitungen.» Livia verrät: «Übrigens habe ich mir vorgenommen, künftig noch mehr Zeitung zu lesen.» Ben schreibt: «Ich lese die Zeitung nun aufmerksamer und aktiver als zuvor», und Melina ergänzt: «Ich hätte nie gedacht, dass Zeitung lesen so toll ist.» Sabhitha verrät: «Ich habe viele neue Sachen gelernt», derweil Madeleine feststellt: «Ich finde es toll, wie bei der Zeitung alles organisiert ist. Ich werde auch weiterhin ab und zu Zeitung lesen.» Und schliesslich Gaëlle: «Meine Lieblingssachen sind Sudoku. Manchmal finde ich die Lösung sehr schnell und dann ist es wieder sehr schwierig.» Fast so schwierig, wie jeden Tag eine Zeitung zu produzieren, die möglichst viele Leserinnen und Leser anspricht, anregt, aufregt, oder ganz einfach informiert. (szr)