Die Erde ist dunkelbraun, steinfrei und fett. «500 Jahre lang haben die Kapuziner in diesem Garten gewirkt. Das merkt man.» Trotz der Zwangspause in den letzten 15 Jahren schwärmt Jürg Hädrich vom «Pflanzplätz», den er südlich der Klosteranlage antrifft. Auf 1000 Quadratmetern in vier Gevierten entsteht hier ein Bildungs- und Sortengarten. Der Geschäftsführer der Firma Artha Samen in Münsingen begleitet das Projekt, das vom Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt und finanziert wird. «Wir sind spezialisiert auf Saatgut und Setzlinge sowie die Samenproduktion.» Vor allem mit raren, alte Sorten kann Hädrich aufwarten. Aktuell mit Saatkartoffeln. «Blaute, rote und gelbe, insgesamt 15 Sorten haben wir dabei», so der Fachmann.

In den Boden bringen sie Schulkinder der Klasse 3 b vom nahegelegenen Schulhaus Hermesbühl. Es macht ihnen sichtlich Spass. Und ihr Lehrer, Miron Rohde, zeigt auf die mit Tulpen bestandene Ecke im Südosten des Kloster-Areals: «Dort haben wir unsern Schulgarten, den wir seit dem letzten Jahr regelmässig besuchen und pflegen. Die Kinder sind jeweils begeistert bei der Sache.»

«Noch viel Potenzial»

Der Einsatz der Kinder bestätigt auch für «Klosterwart» Urs Bucher, dass «wir auf dem richtigen Weg sind». Der Bildungs- und Sortengarten sei nur ein Bestandteil des Gesamtprojekts Kapuzinerkloster, in dem Asylsuchende und Menschen mit Handicaps Beschäftigung finden – beispielsweise bei der Verwertung von noch verwendbaren, aber nicht mehr gebrauchten Lebensmitteln. Auch das Verarbeiten von Gemüsen, Kräutern und Früchten gehöre zu diesem Projektprofil – so bereitet eine Gruppe von Schulkindern in der Klosterküche die Gemüsesuppe für den Suppentag zu, dessen Erlös dann wiederum dem Klostergarten zugute kommt.

«Dieser hat noch viel Potenzial», bestätigt denn auch Jürg Hädrich. So sei der Bildungs- und Sortengarten die Beiträge des Bundesamtes für Landwirtschaft finanziert, doch für das Gesamtprojekt müssten noch Mittel beschafft werden.

Aber er freut sich über die Stossrichtung: «Hier produzieren wir junges Gemüse – Wirz, Kabis, Broccoli oder Blumenkohl. Gemüse, wie es die Mönche auf diesem Boden schon seit Jahrhunderten gezogen haben.» Zu gegebener Zeit soll der Garten auch für die Öffentlichkeit zu besichtigen sein. Doch Urs Bucher umtreibt noch ein anderes Problem: «Wir suchen jetzt Pensionierte oder Hobbygärtner, die bei der Pflege des Gartens in den kommenden Monaten mithelfen würden.»

Natur, Mensch und Gesellschaft

Im Kloster und im Garten anzutreffen ist auch einiges Personal der Pädagogischen Hochschule PH der Fachhochschule Nordwestschweiz. Franziska Bertschy, zuständig für den Bildungsteil des neuen Gartenprojekts, wird dabei unterstützt von ihrer Kollegin Christine Künzli. «Wichtige Fragen zur nachhaltigen Entwicklung und Ernährung» könnten dank dem Klostergarten bei der Ausbildung von Lehrpersonen hier zum Fach «Natur, Mensch und Gesellschaft» thematisiert und beantwortet werden. Der Garten ermögliche als «ideale Kombination» einen Zugang für Studierende und Kinder, und auch Bertschy ortet im Projekt «grosses Potenzial für sehr viele Aktivitäten».

Pflanzen erfunden

Doch nicht nur im Klostergarten, auch innen werden die Schulkinder an diesem Tag beschäftigt. In einem Raum haben sich einige von ihnen um den grossen Tisch versammelt und kommentieren eifrig ihre Zeichnungen von farbenfrohen Fantasie-Planzen. «Wir haben mit den Kindern zusammen Pflanzen erfunden», erzählt Murielle Jenni, Dozentin für Theaterpädagogik. Sie erhält Support von ihrem Kollegen Georges Pfründer, der als Professor für Kulturvermittlung die Delegation der Pädadagogischen Hochschule im Kapuzinerkloster komplettiert. «Die Kinder wurden in drei Gruppen aufgeteilt, und mit der dritten spielen wir dann im grossen Raum ein Theater,» erklärt er die Rolle des Sorten- und Bildungsgartens, der eben nicht nur für profane Kartoffeln aus dem Gartenboden, sondern auch für geistige Nahrung besorgt ist.