Solothurn
Schülerin über das alte Schulsystem: «Mit uns geht eine Ära zu Ende»

Mit dem Schluss des Schuljahres verabschiedet die Solothurner Oberstufe das alte Schulmodell. Schüler und Lehrer machen sich verschiedene Gedanken zum Ende des Sek-und Sek-Modells.

Fatma Kammer-Karademir
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In Harlem-Shake-Manier «störte» die Bezirksschule 3z zum Abschied den Unterricht der Sek-E- und -B-Klassen im Schützenmattschulhaus.

In Harlem-Shake-Manier «störte» die Bezirksschule 3z zum Abschied den Unterricht der Sek-E- und -B-Klassen im Schützenmattschulhaus.

Fatma Kammer-Karademir

Heute Freitag ist der letzte Tag der Bezirks-, Sekundar- und Oberschule sowie der Kleinklassen. 2240 Schülerinnen und Schüler verlassen die Volksschule zum letzten Mal nach dem alten Oberstufensystem. Auch in Solothurn Zeit, das Modell, das wie kein anderes die Schule im Kanton geprägt hat, gebührend zu verabschieden.

Der letzte Jahrgang

«Es ist schon speziell, dass es keine Sekundarschüler wie mich geben wird», meint der baldige Schulabgänger Elia euphorisch. «Ich gehörte zum letzten Jahrgang derjenigen, die noch in der 5. Klasse in das Gymnasium konnten. Meine Urgrossmutter war eine der Ersten.» Weniger beeindruckt klingt es bei Timon: «Was, wir sind die Letzten?»

Die meisten ihrer Schülerinnen und Schüler würden den Wechsel, der nun folgt, nicht so recht realisieren, meint die Sekundarschullehrerin Stefanie Schallberger. «Bei uns Lehrpersonen wird diese Veränderung dagegen sehr intensiv wahrgenommen.» Wie schnell das Kapitel alte Oberstufe auch endet, seine Einführung war langjährig und harzig.

Eine lange Vorgeschichte

Gemäss Auskunft des Volksschulamtes ist das bisherige Modell mit der Bezirks-, Sekundar- und Oberschule sowie der Kleinklasse schrittweise geschaffen und eingeführt worden. Am 17. Juni 1837, hat der Grosse Rat (heute Kantonsrat) der Bildung der Bezirksschule zugestimmt. In der Volksabstimmung vom 26. Oktober 1958 sind dann die gesetzlichen Grundlagen für die Sekundarschule geschaffen worden.

Die Sekundarschule wurde jedoch schon Jahre zuvor in einigen Gemeinden geführt. Im Rechenschaftsbericht des Regierungsrates von 1955 wurden bereits zehn Sekundarschulen erwähnt. Unter anderem in Olten, Solothurn, Grenchen, Langendorf, Biberist und Schönenwerd. Erst zehn Jahre später wurde die Oberschule im Volksschulgesetz am 14. September 1969 als Schulart ausdrücklich genannt.

Die heutigen Kleinklassen dagegen sind seit 1958 gesetzlich verankert, zuerst als «Hilfsschule» und seit 1969 mit der Bezeichnung «Kleinklasse». Diese Schulart wurde anfänglich unter den Begriffen «Spezialklasse, Hilfsschule, Förderschule, kleine Klasse» im Kanton Solothurn ohne genaue Umschreibung eher etwas zufällig angewandt.

Kurzer Abschied

Ein paar Jahrzehnte später nahm das Solothurner Stimmvolk am 26. November 2006 die Sek-I-Reform an. Der damalige Regierungsrat begründete die Reform unter anderem mit der «Kompliziertheit der jetzigen Oberstufe», da «kein anderer Kanton die Aufteilung dieser Stufe in nicht weniger als fünf Schularten kennt.»

Die Reform umfasste fünf Elemente: «Einheitlicher Übertritt nach der 6. Klasse, Neugliederung der Sekundarstufe, einheitliche Vorbereitung auf die Maturitätsschulen, verbesserte Vorbereitung auf die Berufswelt, Bildung von Sekundarschulzentren.» Die Umsetzung der Reform erfolgte rasch. 2011 belagerten die ersten Sek-P-, -E-, -B- und teilweise K-Schülerinnen und -Schüler die Solothurner Bildungslandschaft. Im Schuljahr 2013/2014 werden es die einzigen Oberstufenniveaus im Kanton sein.

Dazu meint die abtretende Sekundarschülerin Noemi aus Solothurn bedeutungsvoll: «Mit uns geht eine Ära zu Ende. Das fühlt sich komisch an.»