Theater Mausefalle
Schüler stellten gleich die ganze Produktion von «Die Welle» auf die Beine

In vier öffentlichen und einigen geschlossenen Vorstellungen haben Schüler der Sekundarschulklassen E und B des Schulhauses Schützenmatte das parabelhafte Theaterstück «Die Welle» gespielt.

Helmuth Zipperlen
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Der Lions Club ermöglichte dem Schulhaus Schützenmatt für das Schuljahr 2015/2016 einen eigenen Theaterkurs. zvg

Der Lions Club ermöglichte dem Schulhaus Schützenmatt für das Schuljahr 2015/2016 einen eigenen Theaterkurs. zvg

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Am Anfang waren der Lions Club Solothurn, der dem Schulhaus Schützenmatte einen Theater-Freikurs ermöglichte und Remo Streit vom Theater Mausefalle, welcher dessen Leitung übernahm. Remo Streit hat sich denn auch für das Drama «Die Welle» entschieden, da er in diesem bereits einmal einen Schüler gespielt hat und es bereits einmal inszenierte. Ausser der Figur des Lehrers Ben Ross und dessen Frau sind die übrigen Protagonisten Schülerinnen und Schüler.

«Die Welle» beruht auf einem Experiment des Amerikaners Ron Jones. Als ein Schüler im Geschichtsunterricht die Frage aufwarf: «Wenn die Mehrzahl der Deutschen keine Nazis waren, warum hat denn keiner versucht, den Holocaust zu verhindern?», entschloss er sich, der Klasse zu zeigen, wie leicht Menschen zu manipulieren sind. Das Experiment gelang besser als erwartet, sodass er erst zehn Jahre später ein Buch darüber veröffentlichte, welches die Basis für das Theaterstück von Reinhold Tritt bildete. Das Drama wurde 1987 im Jungen Theater in der Altstadt Düsseldorf uraufgeführt, wurde mit Jürgen Vogel als Lehrer verfilmt und wird seither an vielen Schulen einstudiert.

Theaterluft schnuppern

Nach der zweitletzten Aufführung kam diese Zeitung kurz mit Noel Fischer (spielte Brad Marlowe) und Franca Foppa (spielte Jenny Ammon) ins Gespräch. Noel stand erstmals auf einer Theaterbühne, wollte dies aber schon immer gerne tun. Zuerst hätte er eigentlich lieber eine andere Rolle gespielt, musste aber im Verlauf der Proben einsehen, dass seine jetzige Rolle zu ihm, einem sportlichen Typ, passt.

Er möchte gern weiter Theater spielen, weiss aber nicht, ob er es mit der Lehre, die er in Kürze beginnen wird und seinen sportlichen Ambitionen im Tennis in Einklang bringen kann. Franca hingegen hat bereits in einem Musical mitgewirkt und wird versuchen, der Bühne treu zu bleiben. Beide möchten die Erfahrungen durch den Probenprozess nicht missen und erklärten übereinstimmend, dass die Erwartungen, die sie bei der Anmeldung für diesen Kurs hatten, in Erfüllung gingen.

Die Jugendlichen mussten nicht nur spielen, sondern die ganze Produktion (Bühnenbild, Kostüme, Werbung usw.) auf die Beine stellen. Lathusan Gnanasekaran (spielte Alex Cooper) hat beispielsweise den Flyer selber entwickelt. «Die rote Farbe ist das Symbol für Gewalt, die leeren Gesichter für das Verleugnen des Individuums und die gleiche Kleidung für die Gleichschaltung.»

Gutes Schultheater

Die Aufführung hinterlässt insgesamt einen ausgezeichneten Eindruck und war Schultheater auf hohem Niveau. Ausser den bereits Genannten spielten Yasmin Zwygart (Laurie Sanders), Noa Roth (David Collins), Jennifer Hohl (Janet Baker), Melis Simsir (Amanda Miller), Roxanne Schmid (Andy Block), Simona Cong (Amy Smith), Yann Ammann (Robert Billings), Zoé Darbellay (Andrea White), Remo Streit (Ben Ross), Maleewan Drieghe (Christie Ross).

Für die akustischen Einspielungen und für die Lichtregie auf den vier Schauplätzen war Silvana Grellmann besorgt. Die theaterspielenden Schülerinnen und Schüler hoffen, dass dieser Theater-Freikurs in der Schützenmatte weitergeführt wird. Dass sie sich auch emotional in ihre Rollen eingelebt haben, beweist der Umstand, dass sie sich als Kursabschluss den Besuch des Konzentrationslagers in Dachau wünschen.