Solothurn
Schule und Corona aus der Sicht einer Mutter: «Keine Lust, wieder Tierchen aus Klopapierrollen zu basteln»

Nadine Linder ist Mutter von Kinder, die in Solothurn zur Schule gehen. Sie erzählt, wie Corona sie verunsichert.

Nadine Linder
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Eltern machen sich Gedanken rund um Corona und ihre Kinder, die weiter zur Schule gehen.

Eltern machen sich Gedanken rund um Corona und ihre Kinder, die weiter zur Schule gehen.

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

«Mami, warum dürfen wir immer weniger, aber zur Schule muss ich noch immer?» Mit dieser Frage konfrontierte mich meine 8-jährige Tochter vor ein paar Tagen während der Tagesschau. Und genau die gleiche Frage stelle ich mir auch immer öfter. Mit den wachsenden Coronazahlen werden nicht nur mein Respekt vor einer möglichen Ansteckung grösser, sondern auch meine Fragezeichen. Als Mutter zweier Mädchen hauptsächlich was die Schule betrifft. Um es vorweg zu nehmen: Auf ein weiteres Mal Fernunterricht habe ich keine Lust.

Meine Mädchen sind in der 3. und 5. Klasse in Solothurn und den Lockdown im Frühling haben wir zwar gemeistert. Aber einfach war dies auch bei uns nicht. Ich habe keine Lust, wieder lustige Tierchen aus leeren Klopapierrollen zu basteln und noch weniger auf den täglichen Kampf, dass meine Mädchen auch brav ihre Aufgaben erledigen. Gleichzeitig macht mir Corona Angst.

Diese Verunsicherung spüre ich auch bei anderen Eltern mit Schulkindern. Wir sollen uns privat mit so wenig Menschen wie möglich treffen, gleichzeitig macht dies für mich nur bedingt Sinn, solange meine Kinder tagtäglich zur Schule gehen. Ich halte mir vor Augen, dass meine Kinder mögliche Ansteckungen aus mindestens 40 Haushalten nach Hause bringen könnten. Hinter jedem Schulfreund stecken neben Vater und Mutter noch weitere Bezugspersonen wie Grosseltern, Tanten und Onkel. Ich erlebe auch, dass Eltern aus Angst vor einer möglichen Ansteckung ihren Kindern in der Freizeit untersagen, sich mit ihren Schulfreunden zu treffen. Obwohl die Kinder im Unterricht nebeneinander sitzen und in der Pause ihre Köpfe zusammen stecken.

Natürlich akzeptiere ich diesen Entscheid. Gleichzeitig ist er für mich absurd. Genauso absurd finde ich es, dass Kinder in der Schule in den Turnunterricht dürfen, gleichzeitig werden in immer mehr Kantonen selbst Schlittschuhbahnen geschlossen. Ich hinterfrage auch, ob Chorsingen in der Schule mit nötigem Abstand im Moment noch angebracht ist.

Auf die Frage meiner Tochter, warum sie überhaupt noch zur Schule gehen muss, habe ich übrigens geantwortet: «Sei froh, dass Du noch zur Schule darfst!» Daraufhin meinte sie grinsend: «Mami, ich glaube in Wahrheit bist darüber DU froh!»

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