Finanzen
Schuldner lassen einen riesigen Schuldenberg zurück

Die Gläubiger sind die Dummen, denn sie müssen einen immensen Schuldenberg tragen. Allein im Kanton Solothurn belaufen sich die Verluste aus Betreibungs- und Konkursverfahren jährlich auf deutlich über 200 Millionen Franken.

Franz Schaible
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Das Portemonnaie ist leer, Rechnungen bleiben unbezahlt – die Folge sind Betreibungen und Konkurse, die ein grosses Schuldenloch hinterlassen.AZ/ARchiv

Das Portemonnaie ist leer, Rechnungen bleiben unbezahlt – die Folge sind Betreibungen und Konkurse, die ein grosses Schuldenloch hinterlassen.AZ/ARchiv

Das Leben über die eigenen finanziellen Verhältnisse ist – auch in der «reichen» Schweiz – Alltag. Die Zahl jener Menschen, die ihre persönlichen Ausgaben und Einnahmen aus Gleichgültigkeit oder aus anderen Gründen nicht im Gleichgewicht halten, ist hoch. Dies belegen die Zahlen der Solothurner Amtschreibereien.

Allein in unserem Kanton wurden im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit Betreibungsverfahren 107'573 Zahlungsbefehle ausgestellt. Das waren 26 Prozent mehr als im Jahr 2000. Dabei kam es zu 61'179 Pfändungen (plus 38 Prozent) und 27'835 Zwangsverwertungen (plus 27 Prozent).

Gläubiger mit Verlustscheinen entschädigt

Diese Verfahren hinterlassen tiefe Spuren bei den Gläubigern, sprich Geprellten. Aus den Betreibungsverfahren resultierten im vergangenen Jahr 48'369 ausgestellte Schuldscheine mit einem Schuldentotal von 132 Millionen Franken. Hinzu kommt der Schuldenberg aus den Konkursen von Privatpersonen und juristischen Personen. Aus 456 erledigten Konkursverfahren blieben 3290 Schuldscheine zurück.

Die Gläubiger wurden für ihre Forderungen mit Verlustscheinen in der Höhe von 106 Millionen Franken «entschädigt». «Der effektive Verlust ist allerdings um einiges höher, weil rund 40 Prozent der Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt werden müssen», erläutert Christian Hirschi, Leiter Amtschreibereien und Departementscontroller im kantonalen Finanzdepartement. In diesen Fällen seien nicht einmal genügend Aktiven vorhanden, um die Kosten des Konkursamtes decken zu können.

Insgesamt resultiert also ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden. Belaufen sich doch die Verluste aus Betreibungs- und Konkursverfahren jährlich auf jeweils über 200 Millionen Franken, im vergangenen Jahr waren es genau 238 Millionen Franken. Im Durchschnitt ist also jeder Solothurner und jede Solothurnerin mit 900 Franken «geschädigt». Und das gilt nur für den Kanton Solothurn. Gesamtschweizerisch resultierten 2013 allein aus den Konkursverfahren finanzielle Verluste in der Höhe von 1,9 Milliarden Franken, wie das Bundesamt für Statistik dieser Tage bekannt gab.

«Zahlungsmoral der Schuldner hat abgenommen»

Gründe für die Zunahme von Betreibungen, ablesbar an der Entwicklung der Zahlungsbefehle, sind schwierig zu eruieren. «Die Zahlungsmoral der Schuldner hat unter anderem infolge veränderter Wertvorstellungen abgenommen», beobachtet Christian Hirschi. Der Wandel im Umgang mit Konsumgütern führe zu «einer gleichgültigen Haltung gegenüber dem Schuldenmachen».

Zudem bestünden heute sehr viele Möglichkeiten, Waren und Dienstleistungen mittels Leasing-, Kredit- oder Abzahlungsverträgen zu konsumieren, die sich später als Schuldenfalle herausstellten. Dies bestätigt Andrea Fuchs, Präventionsfachfrau bei der Schuldenberatung Aargau-Solothurn. Die Anzahl Abzahlungs- und Leasingsverträge sowie die Werbung für Kredite hätten stark zugenommen. «Inzwischen kann der Konsument nicht nur Autos, sondern auch viele andere Artikel wie teure Jeans auf Abzahlung kaufen.»

Nicht nur der zu hohe Konsum führe zum Betreibungs- oder Konkursverfahren, beobachtet Hirschi. «Ein wichtiger Grund ist auch die Veränderung der persönlichen Verhältnisse wie Trennung, Scheidung oder Arbeitslosigkeit.» Fuchs von der Schuldenberatung betont, dass «eine Verschuldung oft aus einem Zusammenspiel von Fehleinschätzung der finanziellen Möglichkeiten und Risiken, veränderten Lebenssituationen und gesellschaftlichem Konsumdruck entstehen kann».