«Modern education for modern kids.» Damit wirbt die International School Solothurn AG (ISSO) auf ihrer zweisprachigen Website um Schülerinnen und Schüler. Ein Video gibt Einblick in einen multikulturell und individuell geprägten Schulalltag mit Kinder und Jugendlichen, die aus über 20 Nationen stammen. «Als Botschafter einer weltoffenen, toleranten Generation werden unsere Schüler einen wichtigen Beitrag an die Gestaltung ihrer zukünftigen Gesellschaft leisten.» Im August 2009 war die Privatschule mit Unterstützung der kantonalen Wirtschaftsförderung aus der Taufe gehoben worden, angelehnt an die bereits bestehende private Tagesschule Mittelland an der Zuchwilerstrasse in Solothurn. Die Schule werde mittel- und langfristig wichtige Impuls für den Wirtschaftsstandort Solothurn leisten – so die Hoffnung.

Wirklich zum Fliegen gekommen ist das Projekt aber nie. Und jetzt steckt die Schule, die aktuell nur noch 37 Schülerinnen und Schüler zählt, mitten in einer veritablen Krise, wie diese Zeitung aus gut informierten Quellen weiss. Eine Krise, die den Weiterbestand der Schule akut gefährdet. «Die Schule hat ein massives Ertrags- und Liquiditätsproblem», bestätigt Josef Maushart die Informationen dieser Zeitung. Und: «Sie würde ohne Zutun von aussen in wenigen Monaten schliessen müssen», lässt der Fraisa-Chef und Präsident des Industrieverbands Solothurn und Umgebung (Inveso), keinen Zweifel am Ernst der Lage.

Mehrere Krisensitzungen

Maushart ist seit rund sechs Wochen über den kritischen Zustand der Schule im Bild. Bislang stand er in keinerlei Verbindung zur ISSO. In seiner Funktion als Inveso-Präsident an ihn herangetreten sind mit Marianne und Andreas Boll die beiden Geschäftsführer der Schule. Eine Krisensitzung jagte die andere. Mitte März organisierte Maushart einen runden Tisch mit Vertretern der Industrie, der Wirtschaft, der Wirtschaftsförderung, des Volksschulamtes sowie Mitarbeitenden und Eltern. «Das Ziel dieser Gesprächsrunde bestand darin, herauszufinden, ob ein Interesse an der Zukunft der ISSO besteht.» Ende März stand der Entschluss fest, einen Rettungsplan für die Schule auszuarbeiten. Geknüpft hatte Maushart diesen an die Bedingung, dass sich bis Ende März mindestens 28 Schülerinnen und Schüler bzw. deren Eltern für das neue Schuljahr anmelden. Das Ziel wurde knapp erreicht.

«Die Wirtschaft ist interessiert an einer nachhaltigen Lösung für die Internationale Schule», hält der Fraisa-Chef gegenüber dieser Zeitung fest. Um den Betrieb der Schule sicherzustellen, hat eine Investorengruppe beschlossen, kurzfristig die nötigen Mittel einzuschiessen. Neben Fraisa-Chef Maushart sind daran die beiden Solothurner Unternehmer Ivo Bracher (Bonainvest AG) sowie Adrian Flury (Arthur Flury AG) beteiligt. Sie garantieren subsidiär zu anderen Investoren frisches Aktienkapital von 300'000 Franken. Im Sinne einer Notfallreserve stellt die Fraisa weitere 200'000 Franken zur Verfügung.

Massiver Vertrauensverlust

«Die ISSO ist an sich eine sehr gute und intelligent strukturierte Schule», stellt Maushart fest. Überzeugend sei etwa die Integration des internationalen und des schweizerischen Lehrplans. Während die Schüler bis zum Ende der 5. Klasse überwiegend Englisch reden, wird ab der 6. Klasse Deutsch und auch Französisch stärker gewichtet. In der Oberstufe (Sek E und Sek B) sei der Anschluss an die Berufslehre gewährt. Sichergestellt sei zudem, und zwar zu jeder Zeit, der Übertritt in die öffentliche Schule.

So überzeugt der Inveso-Präsident grundsätzlich von der Qualität der Schule ist, so kritisch beurteilt er die gegenwärtige Führungssituation und die wirtschaftliche Lage. In einem Brief an die Eltern zweite Hälfte März schildert er schonungslos den aktuellen Zustand der ISSO. Entsprechend drastisch fallen auch die angekündigten Massnahmen aus. Versendet wurde das Schreiben mit dem Logo der Schule und unterzeichnet hat den Brief neben Josef Maushart auch das Geschäftsführer-Ehepaar Andreas und Marianne Boll, die in der geplanten, künftigen Struktur weder als Geschäftsführer noch als Verwaltungsräte vorgesehen sind, «aber», so Maushart, «mit ganzer Kraft an der neuen Lösung mitarbeiten».

«Der Vertrauensverlust gegenüber der heutigen Führung ist gravierend», lautet die Diagnose von Josef Maushart. Er spricht von einer «Abwärtsspirale» aus Schülerverlust, Strukturabbau und finanziellem Verlust. Existenzbedrohend seien die Probleme geworden, als in diesem Winter 15 Schüler aus unterschiedlichen Gründen die Schule verlassen haben. Der Schüler-Exodus hat dazu geführt, dass das Eigenkapital von ursprünglich 300'000 Franken drastisch zusammengeschmolzen ist. Je nach Schulstufe und Zusatzleistungen zahlen die Eltern pro Schüler ein Schulgeld von 15'000 bis 23'000 Franken pro Jahr. Einer der Gründe für den Niedergang sei, dass sich Marianne und Andreas Boll vor gut zwei Jahren in den USA ein zweites berufliches Standbein aufgebaut haben – und dadurch nur noch temporär die Geschicke der ISSO vor Ort leiten. Für das Tagesgeschäft ist ein Pädagogisches Leitungsteam zuständig. «Es wurde versäumt, die Nachfolge klar zu regeln», kritisiert Maushart.

Das Profil der Schule schärfen

Wesentlich zur jetzigen Problemlage beigetragen habe auch, dass es nie so recht gelungen sei, das Profil der ISSO zu schärfen. Das Zielpublikum bei der Gründung der Schule waren vornehmlich Kinder ausländischer Arbeitnehmende, die sich nur für kürzere Zeit im Kanton und der Schweiz aufhalten – und dann weiterziehen. «Von Beginn an aber haben vor allem Schweizer Eltern oder hier niedergelassene Eltern die Schule genutzt, die eine individuelle Ganztagesbetreuung für ihre Kinder wünschen.» Darunter zahlreiche Eltern mit unterschiedlichen Muttersprachen. Dieses Elternsegment sei der relevante Zielmarkt und müsse künftig mit einem fokussierten Marketing angesprochen werden. «Die Wirtschaft hat ein grosses Interesse daran, ihren Mitarbeitenden den Zugang zu einer modernen Tagesschule für Kinder von 4 bis 15 Jahren zu ermöglichen.» Egal, ob sie deutscher oder anderer Muttersprache sind. Maushart rechnet mit einem Potenzial von 60 bis 100 Schülern.

Neben dem Aufbau eines Marketings wird sich die Investorengruppe um Josef Maushart in den nächsten Tagen und Wochen schwergewichtig mit der Bereinigung der finanziellen Situation und dem Aufbau neuer Strukturen beschäftigen. Dazu gehört ein Kapitalschnitt, mit dem der Wert der bisherigen Aktien massiv herabgesetzt werden soll. Die Geber von Darlehen, darunter auch der Kanton, sollen dazu aufgefordert werden, ebenfalls auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Nur so könne die ISSO in der bestehenden Rechtsform fortgeführt werden.

«Wir haben positive Signale vonseiten etlicher Kapitalgeber, dass sie dazu bereit sind.» Daran anschliessen wird sich die Rekapitalisierung durch die genannten drei Solothurner Unternehmer. «Wenn immer möglich wollen wir diese aber auf mindestens zehn Firmen verteilen, um der neuen ISSO eine breite Verankerung in der Wirtschaft zu geben.» Gesucht werden muss zudem eine neue Geschäftsleitung sowie ein neuer Verwaltungsrat, in dem die Wirtschaft stark vertreten sein soll. Für das Präsidium steht für die nächsten Jahre Josef Maushart selber zur Verfügung.