Religionstag

Schüler der Kantonsschule Solothurn begeben sich auf eine Glaubensreise

Praveenth Sanmugaraja erklärt im Grenchner Tempel den Hinduismus.

Praveenth Sanmugaraja erklärt im Grenchner Tempel den Hinduismus.

Die Kantonsschüler der Kanti Solothurn begaben sich auf die Spuren des Glaubens. Sie riskierten einen Blick über ihren eigenen religiösen Tellerrand hinaus, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Weltreligionen zu entdecken.

Müssen jüdische Männer immer ihre Kippa tragen? Welches Fleisch dürfen Muslime verzehren? An welchen Tagen beten Hindus eigentlich, und weshalb ist der alte buddhistische Glaube derart im Trend? Die fünf Weltreligionen bergen viele Fragen. Die meisten Antworten finden sich in der Schweiz wohl in erster Linie beim Christentum. Doch wie steht es um die anderen Glaubensrichtungen?

Am Samstagnachmittag machen sich fast 60 Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Solothurn auf, mehr über die Weltreligionen zu erfahren – wobei diese für einige von ihnen so fremd gar nicht sind, weil die Klassen der Religionslehrer Stephan Kaisser, Reto Stampfli und Rolf Klopfenstein in Bezug auf Religionen stark durchmischt.

Zum zweiten Mal organisiert Kaisser diesen Religionstag, die Teilnahme ist freiwillig, das Interesse dennoch gross. «Natürlich ist es schön, wenn sich junge Menschen für den Religionsunterricht interessieren», sagt er und gibt augenzwinkernd zu, dass er aber von seiner Klasse diesen Zuspruch erwartet habe.

Wie seine Arbeitskollegen ist Kaisser auch christlicher Theologe, davor amtete er in der Pfarrei Lommiswil. Ihn faszinieren die verschiedenen Weltreligionen. Diese Faszination will er auch seiner Klasse vermitteln.

Der Religionstag, analog zur Wirtschaftswoche, wie es Kaisser bezeichnet, biete daher beste Gelegenheit, Wissen direkt aus der Praxis zu erfahren. «Im Unterricht bleibt leider nur wenig Zeit für Begegnungen zwischen den Religionen.»

Sinkendes Interesse bei Hindus

Am Bahnhof Solothurn teilen sich die Klassen in zwei Gruppen auf. Ein kleiner Teil folgt Stampfli zu Fuss zur Moschee, wo bereits eine Führung und ein Imbiss warten, der Rest besteigt mit Kaisser den Regionalzug nach Grenchen.

Ziel: Der hinduistische Durga-Tempel, versteckt in einer alten Fabrikhalle. Praveenth Sanmugaraja wartet schon am reich geschmückten Eingang. Der junge Mann ist praktizierender Hindu, hat selber eine Vergangenheit an der Kanti und studiert derzeit Elektrotechnik an der ETH in Zürich. Im Innern der Halle ist es ruhig, die Hindus beten in der Regel freitags und dienstags.

Praveenth erklärt das Mehrgöttersystem, erzählt von Ganesha, vom Göttervater Shiva, zeigt die einzelnen Schreine, die überall aufgestellt sind. Bereits als Kind habe er begonnen, sich mit diesen Gottheiten zu identifizieren.

Die Eltern lasen ihm aus Büchern vor, der Hinduismus werde aber eigentlich mündlich überliefert. Deshalb gebe es von
den Geschichten viele Versionen.

Etwas, was Praveenth auch in seiner Glaubensgemeinschaft beobachtet, ist die sinkende Beteiligung der Jungen: «Das Interesse nimmt sogar sehr stark ab.»

Was junge Juden glauben

Über Biel geht die Reise weiter nach Bern. Der Zeitplan ist straff, am Bahnhof wartet bereits die kleine Gruppe aus Solothurn. Abermals werden die Klassen durchmischt. Die Mehrheit begibt sich zum Buddhistischen Zentrum beim Rosengarten, neun Schülerinnen zur Synagoge der jüdischen Gemeinde Bern.

Diese zählt nur 350 Mitglieder, dennoch werden hier die religiösen Werte gross gehalten – besonders an Sabbat. Vor dem Besuch der Synagoge zeigt die Studentin Noemi Knoch in der Pfarrei der Dreifaltigkeitskirche einen Film darüber, was «Likrat», die Begegnung mit dem Judentum, ausmacht.

Junge erzählen darin über das Beten, Essen, Sex vor der Ehe, wie es ist, als Jude abgestempelt zu werden und, dass die Religion nicht das ganze Leben bestimmen sollte.

Die muslimischen, hinduistischen und christlichen Schüler und Schülerinnen finden dabei viele Parallelen zum Islam oder Christentum. Und sie merken, dass, egal, welcher Religion sie angehören, junge Menschen in der Schweiz den Umgang mit Geboten und Pflichten weit lockerer nehmen, als dies vielleicht ihre Eltern tun. Das Wichtigste, und das scheint alle Weltreligionen gemein zu sein, sind Tradition und Rituale. Diese halten die Gemeinschaft zusammen.

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