Solothurn
«Schönste Barockstadt der Schweiz» - Graffiti werten Blaue-Post-Unterführung auf

Der Graffitikünstler Serhat Dincer verleiht der Blaue-Post-Unterführung durch zwei Blickfänge Farbe. Die Wandkunst soll die Unterführung aufwerten und sie ein wenig freundlicher wirken lassen.

Andreas Kaufmann
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Damit die «schönste Barockstadt der Schweiz» noch mehr an Farbe gewinnt ...

Damit die «schönste Barockstadt der Schweiz» noch mehr an Farbe gewinnt ...

Andreas Kaufmann

Passanten halten inne und schauen Serhat Dincer zu, wie er mit Spraydosen kunstvolle Schriftzüge und Landschaften an die Wände der Blaue-Post-Unterführung zaubert. «Das sieht gut aus ...», finden sie und zeigen stolz auf die Worte: «Solothurn, schönste Barockstadt der Schweiz». Sie gehen weiter, drehen sich aber noch einmal kurz um und haken nach: «... dürfen Sie das?» Das hat der 29-Jährige mit Künstlernamen Desan21 jetzt einige Male gehört und mit «Ja» beantworten können, erzählt er schmunzelnd.

Dass Dincer hier mit Genehmigung der Stadt zwei Bilder gemalt hat, ist einem Workshop des Aktionsmonats Mai zu verdanken, den das Alte Spital unter dem Namen «Platz da!» durchgeführt hat. Ausserdem führt der Burgdorfer jedes Jahr im Rahmen der Jugendarbeit des Alten Spitals Workshops durch.

«Eine gute Sache», wie er findet, die nicht per se zum «wilden Sprayen» animiere. «Wenn das nämlich einer tun will, dann wird er es sowieso tun. Und die Leute, die zu mir in den Workshop kommen, haben meistens keine solche Einstellung.» Er könne den Jugendlichen lediglich zu erklären versuchen, was Privatbesitz ist und was an Sanktionen zu erwarten ist, wenn man sich über geltende Regeln hinwegsetzt.

Der Weg ist das Ziel

Er selbst sei als Jugendlicher über die Hip-Hop-Kultur während der Jahrhundertwende auf seine Passion gestossen. Von Beruf ist Dincer aber Bauzeichner, «was nichts mit meiner Graffiti-Leidenschaft gemein hat. Es ist eine durchwegs technische Tätigkeit.»

Das Verschönern kahler Wände hingegen ist für ihn Selbstzweck. «Für mich ist es unwichtig, ob ich mein vollendetes Werk anderen als Handyfoto zeigen kann», erklärt er, der sich auch nicht als Künstler im engeren Sinn versteht. «Es ist die Tätigkeit selbst, die mir gefällt – der Prozess eben.» Es ist aber nicht nur der Vorgang des einen Bildes, sondern die kreative Entwicklung über Jahre, in der man seine eigene Handschrift findet.

Im Falle von Desan21 sogar wortwörtlich: «Vor fünf Jahren habe ich mich autodidaktisch mit Kalligrafie auseinandergesetzt.» Am Schnittpunkt der Schriftkunst und der typischen plastisch gestalteten Graffiti-Buchstaben hat er sich so seinen eigenen Stil geschaffen. Ein Merkmal seiner Generation, wie er andeutet: «Dank Internet erlernen heutige Jugendliche die Graffititechnik viel schneller als wir. Da sie sich in der digitalen Welt viel eher an anderen orientieren, haben sie es schwerer, einen eigenen Graffitistil zu entwickeln.»

Diese Südseebucht verschönert seit letzter Woche die Blaue-Post-Unterführung.

Diese Südseebucht verschönert seit letzter Woche die Blaue-Post-Unterführung.

jvi

Von der Wand gegenüber prangt eine Südseebucht, die Dincer zuvor gemalt hat. Den Passanten packt in der kargen Unterführung plötzlich das Fernweh. Eines, das auch Dincer ermutigt, während seiner Ferien zu malen, oftmals im Ausland. Zum Beispiel in Istanbul, «meiner Heimat, die mich inspiriert».

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