St. Ursen-Kathedrale
Schon wieder gesperrt: Nur fünf Jahre nach Wiedereröffnung muss der Boden saniert werden

Gut fünf Jahre nach der Wiedereröffnung wird die St. Ursen-Kathedrale in Solothurn erneut partiell gesperrt. Grund: Der schwarze Bodenbelag muss nicht nur im Chor, sondern überall wegen Abnutzung erneuert werden.

Wolfgang Wagmann
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Beim Brandanschlag vom Januar 2011 entstand in der St.-Ursen-Kathedrale grosser Sachschaden. (Archivbild)

Beim Brandanschlag vom Januar 2011 entstand in der St.-Ursen-Kathedrale grosser Sachschaden. (Archivbild)

Keystone/PETER SCHNEIDER

Die Mitteilung im katholischen Kirchenblatt macht auf den ersten Blick stutzig: Der Chorraum der St. Ursen-Kathedrale erfahre eine «Sanierung» und deshalb müssten für fast einen Monat, nämlich vom 15. Januar bis zum 9. Februar, die Messfeiern in der nahen Jesuitenkirche abgehalten werden.

Eine recht spezielle Nachricht ziemlich genau sieben Jahre nach dem Brandanschlag im gleichen Chorraum, der in der Folge auch neu gestaltet worden war. Doch Kirchgemeindepräsident Karl Heeb relativiert: Der Begriff «Sanierung» für die vorgesehenen Massnahmen treffe wohl nicht ganz zu, obwohl er in der Mitteilung im Kirchenblatt verwendet worden ist.

Bitumen erneuern

«Bei der Gesamtsanierung nach dem Brandanschlag wurde der Chorboden wieder auf das ursprüngliche Niveau abgesenkt. Dabei kam der alte Chorboden in gutem Zustand wieder zum Vorschein», erklärt der Kirchgemeindepräsident. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Bodenplatten nicht wie erwartet zugesägte Steinplatten waren, sondern behauene Steine, deren Oberfläche relativ grob strukturiert waren. In der Folge wurden die achteckigen Platten schwarz gestrichen und die kleinen Platten blieben hell.

Als Farbanstrich sei eine «ausgetüftelte» Rezeptur aus verschiedenen Bitumensorten» verwendet worden, so Heeb. «Da die Oberflächen der Steine – wie erwähnt – relativ grob sind, ist die Abnützung der Farbe auf den jeweils höchsten Punkten am intensivsten. Wegen dieser deutlichen Abnutzungsspuren vor allem an den am meisten begangenen Orten drängt sich aus optischen Gründen eine Erneuerung des Bitumenanstriches auf.» Diese Massnahme sei laut Karl Heeb in Etappen im ganzen Kirchenraum vorgesehen.

St.-Ursen-Kathedrale nach dem Brand und bei der Sanierung Mit seinem zerstörerischen Akt am 4.Januar 2011 wollte Andres Z. die «Bevölkerung aufrütteln und Aufsehen erzielen».
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 Wie die massiven Schäden zeigen, hat der Brandstifter auf zynische Weise sein Ziel erreicht.
Eine solche «Kunst», wie er die Brandstiftung bezeichnete, könne man nur einmal im Leben vollbringen. Der verbrannte Altar kurz nach der Tat ist Ausdruck dieser «Kunst».
«Ich wollte einen massiven Schaden anrichten», betonte Andres Z.
 Nicht nur die direkten Brandschäden sorgen dafür, dass die Kathedrale einer aufwändigen Sanierung unterzogen wird.
 Auch Russ macht die Renovation zu einer wahren Sisyphusarbeit.
 Praktisch alle Oberflächen sind mit ölig-schmierigen Russpartikeln bedeckt.
 Die Kosten für die Brandsanierung seien durch Versicherungsleistungen gedeckt, sagt die römisch-katholische Kirchgemeinde Solothurn.
 Den Brandanschlag bezeichnete er als «künstlerische Aktivität, um das Volk auf Missstände aufmerksam zu machen»
 Der psychiatrische Gutachter bescheinigte Andres Z. eine stark verminderte Schuldfähigkeit.
 Der Anschlag sei bewusst wegen der bevorstehenden Weihe des Bischofs des Bistums Basel erfolgt.
 Mit der eindrucksvollen Eingerüstung der Kathedrale...
 ... rückt die Aussicht auf eine Kathedrale näher,...
 ... die wieder im alten Glanz erstrahlt.

St.-Ursen-Kathedrale nach dem Brand und bei der Sanierung Mit seinem zerstörerischen Akt am 4.Januar 2011 wollte Andres Z. die «Bevölkerung aufrütteln und Aufsehen erzielen».

Hanspeter Bärtschi

Abgesperrte Bereiche

Zum baldigen Ausweichen in die Jesuitenkirche meint der Kirchgemeindepräsident: «Da ohne Chorraum die Liturgie nicht gefeiert werden kann, finden die Gottesdienste in der Jesuitenkirche statt.» Die Kathedrale bleibe aber grundsätzlich geöffnet. Bei den folgenden Etappen der Bitumen-Erneuerung würden aber die betroffenen Bereiche abgesperrt werden, sodass die Gottesdienste dennoch in der Kathedrale abgehalten werden können. Zur Kostenfolge der gesamten «Auffrisch-Übung» war von der Kirchgemeinde nichts zu erfahren, führt sie die Arbeiten doch unter dem Posten «Unterhalt» der Kathedrale durch. Informiert sei er mündlich vom Vorhaben worden, erklärt dazu Denkmalpfleger Stefan Blank. Da es sich um Unterhaltsarbeiten handle, könne die Kirchgemeinde nicht mit einem Beitrag rechnen, «und ein Beitragsgesuch wurde auch nicht gestellt».

Chorraum erst fünfjährig

Auch die jetzige Geschichte hängt eng mit dem fatalen 4. Januar 2011 zusammen. Damals legte Andres Z. durch das Ausschütten eines Benzinkanisters im Chorraum Feuer. Noch am Vormittag sah die Bilanz nach dem rasch gelöschten Feuer auf den ersten Blick keineswegs verheerend aus: Einige Möblierungs-Elemente waren angekohlt, ein Teppich verbrannt. Doch bei einer genaueren Überprüfung der Schäden wurde erst das ganze Ausmass der Tat sichtbar, und die kurz danach anberaumte Bischofsweihe musste nach Olten verlegte werden. Denn die Rauch- und Russschäden erstreckten sich über die ganze Kathedrale, und insbesondere die Orgeln durften gar nicht mehr bespielt werden, sondern mussten aufwendig zerlegt, gereinigt und wieder zusammengesetzt werden.

Die Kirchgemeinde entschloss sich deshalb zu einer Vorwärtsstrategie und liess gleich den ganzen Innenraum der Kathedrale nicht nur säubern, sondern auch restaurieren. Der Preis dafür war hoch: Bis zur Wiedereröffnung am 30. September 2012 blieb das Gotteshaus fast zwei Jahre lang geschlossen. Rund 3,5 Millionen Franken der Gesamtkosten deckten Versicherungsleistungen ab, dazu mussten 4,5 Millionen Franken für die übrige Sanierung aufgewendet werden. Dazu entschloss man sich, die ohnehin aufwendige Bauphase auch zur Neugestaltung des Chorraumes zu nutzen, die nochmals 650'000 Franken erforderte.

Dank Spenden und Beiträgen kam die Kirchgemeinde jedoch bei der Sanierung mit einem Eigenfinanzierungsanteil von 1,5 Millionen Franken davon. Die Neugestaltung des Chorraumes war damals intern auf heftige Opposition gestossen, doch segnete zuletzt die Kirchgemeindeversammlung das Vorhaben ab, was auch den Weg zur Neugestaltung des Bodens im Chorraum ebnete.

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