Reaktionen
«Schon länger klar, dass das Projekt Wasserstadt kaum eine Chance haben wird»

Das grosse, für die Wasserstadt benötigte Landstück im Westen der Stadt Solothurn lässt sich gemäss einem Rechtsgutachten nicht einzonen. Wie fallen die Reaktionen aus?

Franz Schaible
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Die Promenade in der Wasserstadt sollte 1 Kilometer lang sein.

Die Promenade in der Wasserstadt sollte 1 Kilometer lang sein.

Zur Verfügung gestellt
Lothar Kind, Geschäftsleiter der Attisholz Infra AG

Lothar Kind, Geschäftsleiter der Attisholz Infra AG

Hansjörg Sahli

«Das Scheitern des Projektes Wasserstadt ist sehr schade», sagt Lothar Kind. Eigentlich eine erstaunliche Aussage, ist Kind doch als Geschäftsführer der Attisholz Infra AG verantwortlich für die Neunutzung des Areals der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard nördlich der Aare in Riedholz. Also ein Mitbewerber um Investoren in hochwertigen Wohnraum. Kind sieht das aber nicht so. Er habe das Projekt an der Aare in Solothurn nie als direkte Konkurrenz empfunden.

Es sei eines von mehreren Entwicklungsgebieten im Grossraum Solothurn, die sich aber konzeptionell und auch von der Zeitachse her klar unterscheiden. Grundsätzlich sei zwar logisch, dass weniger Angebote die Nachfrage bündle. «Aber das Angebot ist derart unterschiedlich, dass wir kurzfristig keinen Effekt bei der Suche nach Investoren erwarten.» Das Wohnen auf dem ehemaligen Industrieareal sei nicht vergleichbar mit dem hochwertigen Wohnen direkt am Wasser.

In Riedholz soll im Endausbau Wohnraum für 300 bis 800 Personen sowie 600 bis 1000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Kind hofft, dass nach Abschluss der Zonen- und Nutzungsplanung bereits 2017 erste Baueingaben gemacht werden könnten. «Wir sind in Kontakt mit potenziellen Investoren, aber alles ist ergebnisoffen.»

Weder positiv noch negativen Einfluss

Ein weiteres Grossprojekt ist in Zuchwil am Laufen. Dort will die Immobiliengesellschaft SPS auf dem Riverside-Areal ein neues Quartier mit Wohnen und Arbeiten realisieren. «Die beiden Projekte, Wasserstadt und Riverside, haben sich nicht konkurrenziert, weil sie, auf einer Zeitspur betrachtet, weit auseinander liegen», erklärt SPS-Anlagechef Thomas Grossenbacher.

Deshalb werde das Aus für die Wasserstadt die Vermarktung von Riverside weder positiv noch negativ beeinflussen. Auch der mit den Behörden vereinbarte Zeitplan werde unverändert weiter verfolgt. In diesem Sommer werde die Zuchwiler Gemeindeversammlung über die Umzonung Riverside entscheiden. Grossenbacher: «Nach einem positiven Entscheid kann zirka zwei bis drei Jahre später erster Wohnraum bezogen werden.»

In die Höhe bauen

Jahrelang hat sich der Verein «Chance Wasserstadt» und sein prominent besetzter Vorstand für das «visionäre Projekt» starkgemacht. Die Überraschung – und die Enttäuschung – über den Befund des Gutachters hält sich dennoch in Grenzen.

Jedenfalls bei Vorstandsmitglied Brigit Wyss, Kantonsrätin und Co-Präsidentin der Grünen. «Seit dem Inkrafttreten des neuen Raumplanungsgesetzes und der Einzonung des Gebiets Weitblick war mir schon länger klar, dass das Projekt kaum eine Chance haben wird». «Visionär» war das Projekt für Brigit Wyss vor allem auch durch die Verknüpfung mit der dringend nötigen Totalsanierung des Stadtmists. «Unser Fokus muss jetzt darauf liegen, den Stadtmist auch ohne das Projekt Wasserstadt zu sanieren.»

Probebohrungen auf ehemaligem Solothurner Stadtmist (Archiv)

Probebohrungen auf ehemaligem Solothurner Stadtmist (Archiv)

Hansjörg Sahli

Das Ergebnis des Gutachtens fällt ganz im Sinne des Vereins «Solothurn Masterplan» aus. Nach dem Ja des Schweizer Stimmvolks zum neuen Raumplanungsgesetz gelte es, den urbanen Raum «verdichtet» zu überbauen, sagt Vereinsmitgründer und Architekt Urs Allemann. Und das heisst: in die Höhe – und eben nicht in die Weite zu bauen.

Ein Dorn im Auge ist dem Verein nebst der Wasserstadt dann auch vor allem das Projekt «Weitblick», das nach der Einzonung im Jahr 2013 jetzt auch tatsächlich realisiert werden kann. Allemann: «Es gibt auf Stadtgebiet noch zahlreiche Flächen, die im Sinne der verdichteten Bauweise gestaltet werden können.»