Ein bisschen sind sie hier schon zu Hause. Im «Märlischloss» Aarhof an der Aare. Die fünf Kinder der Familie von Roll tollen im Garten herum. Anna, Nicolas, Mathéo, Emilie und Robert haben einen Balken über einen Stein gelegt und schaukeln, was das Zeug hält. Vater Andreas und Mutter Simone von Roll empfangen im spätgotischen Patriziersitz interessierte Gäste, die sich umschauen.

Der Arzt hat grosse Pläne für die Zukunft des 15 Jahre leer gestandenen Hauses. «Gegen das Umbaugesuch sind keine Einsprachen eingegangen», weiss von Roll. Ein wichtiger Schritt. So dürfte die Baubewilligung «nur noch eine Formsache» sein. Und damit auch der Kauf, der bereits aufgegleist ist. «Nächsten Herbst möchten wir hier einziehen», hofft Andreas von Roll, der seine Praxis künftig im Aarhof sieht.

Andreas von Roll über den Aarhof als Ärztehaus

Hausärzte willkommen

Platz hat es mehr als genug auf mehreren Geschossen, die neu mit einem Lift erschlossen werden sollen. «Eine Hausarzt-Gruppenpraxis wäre mir sehr willkommen», meint der Orthopädie-Facharzt, «aber es könnte auch Gynäkologie sein.» Möglichkeiten gibts viele, genauso wie Interessenten. Und von Roll sieht auch eine Win-win-Situation: «Man könnte die Infrastruktur wie den Empfang oder den Warteraum gemeinsam nutzen.»

Für seine Orthopädie-Praxis sieht er im Aarhof auch nur Vorteile: «Hier würden nur Therapien durchgeführt, operieren werde ich weiterhin in der Klinik Obach.» Die ganz in der Nähe ist, und Andreas von Roll auch innert kürzester Zeit die täglichen Visiten bei seinen Patienten erlaubt. «Ein weiterer Vorteil sind die neu 18 Parkplätze auf dem Vorplatz.»

Aber auch sonst sei der Aarhof eine «Superlage», nicht nur wegen der prächtigen Aussicht hoch oben aus dem Schlossturm auf die Aare. «Wir sind stadtnah, und auch der öV-Anschluss ist nur einige Schritte weit entfernt.» Vor allem aber ist der Arzt gespannt auf das Ambiente im «Türmlihaus», dessen Räume von Cheminées nur so strotzen. «Ich arbeite viel, und da ist für mich die Stimmung wichtig. Ich freue mich schon jetzt, wenn in meiner Praxis ein Kaminfeuer brennt.»

Und schliesslich dürften auch seine Patienten beim Besuch der Praxis «durchaus ein angenehmes Erlebnis haben». Nur weil sie im Aarhof behandelt würden, verrechne er nicht mehr als ein Arzt, der seine Praxis in irgendeinem engen Block betreibe. «Auf die Gesundheitskosten hat der Aarhof also keine Auswirkungen.»

Fast wie ein eigener Wald

Wohnen wird die siebenköpfige Familie von Roll weiterhin im Stadthaus am Kronenplatz. Doch könnte sich der künftige Eigentümer durchaus Gartenfeste oder sonstige Begegnungsanlässe im Aarhof vorstellen. «Vielleicht feiern wir dort auch Silvester.» Angetan hat es Andreas von Roll vor allem der riesige Park hinter dem und rund um das Hauptgebäude. «Ich wollte schon immer einen eigenen Wald kaufen. Jetzt habe ich eigentlich einen», zeigt er auf das Wäldchen draussen.

Rund 8000 Quadratmeter ist das Grundstück gross, der Umschwung auch mit den Parkplätzen vorne gegen den Römerweg immer noch riesig. Dennoch denkt von Roll nicht daran, die gescheiterten Pläne der vorherigen Besitzer wieder aufzunehmen und die damalige Projektstudie von einer Randbebauung des Parks weiterzuverfolgen. «Früher stand hinter dem Aarhof eine Scheune, die das langjährige Besitzerehepaar Pfähler abreissen liess. Damals wurde der Aarhof als Schutzzone mit einem Bauverbot deklariert.»

Zu Haus und Park wird geschaut

Dennoch könne man sich bei der Denkmalpflege wie bei den städtischen Baubehörden vorstellen, dass hinter dem Haupthaus «noch etwas Kleines, eine untergeordnete Baute» Platz hätte, glaubt von Roll im Hinblick auf die laufende Ortsplanungsrevision. Die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege ist für den Arzt nach der Restaurierung des Von-Roll-Stadthauses und des prächtigen Rittersaals nichts Neues. «Ein allfälliger Neubau dürfte einfach das Haupthaus nicht konkurrieren.»

Hinter dem eigentlichen Aarhof, der 1610 vom Ratsherrn Werner Müntschi erbaut worden ist, liegt an der Nordmauer das Gartenhaus, während eine Doppelgarage mit einer Wohnung im Obergeschoss neueren Datums und am Haupthaus angebaut ist. Dort wohnt laut von Roll aktuell «jemand, der zum Haus und zum Park schaut. Und die Absicht ist auch, dass dies nach dem Umbau weiterhin der Fall ist.»