Solothurn

Schnäppchen gibts an der Fasnachtsbörse bis zum Schluss

Nur ein Wermutstropfen ist nach der Fasnachtsbörse in Solothurn zu verkraften: Erst in 17 Tagen kann man in die erstandenen Klamotten schlüpfen.

Die Warteschlange vor dem Pfarrsaal der Marienkirche wird immer länger. Die Privilegierten, denen zuerst Einlass gewährt wird, sind jene Frauen und Männer, die eigene Kostüme zum Verkauf anbieten. Auf sie ist das «Risnagu»-Börsenteam angewiesen, denn sie sorgen dafür, dass die Kleiderständer prall gefüllt sind. Davon, dass die anderen benachteiligt sind, wollen die Frauen allerdings nichts wissen. Auch am Schluss gebe es noch Schnäppchen, wissen sie aus Erfahrung.

Endlich ist der Bann gebrochen. Der Saal verwandelt sich innerhalb von wenigen Minuten in ein Bienenhaus. Wo finde ich das, was ich mir wünsche, ist jetzt die grosse Frage. Wer in den Raum blickt, dem kommen Erinnerungen hoch: an Guggemusig-Auftritte, Kinderumzüge, Maskenbälle und das bunte Treiben auf der Gasse.

«Konnte kaum noch schlafen»

Regula Luterbacher aus Lohn-Ammannsegg hat durch eine Freundin erfahren, dass es eine Fasnachtskleider-Börse gibt. «Ich habe mich so darauf gefreut, dass ich kaum schlafen konnte», erzählt sie und stülpt ihrer kleinen Tochter ein rosarotes Prinzessinnenkleid über den Kopf. Das luftige Kleidchen sitzt perfekt, und die quirlige Mutter denkt an das Diadem, das sie an ihrer Hochzeit trug und «wohl niemals mehr im Leben brauchen wird». Das würde doch wunderbar auf den Kopf der kleinen Prinzessin passen. Doch zum Prinzessinnenkleid gehört bereits ein hübsches Hütchen mit einem Schleier, das im Konfettiregen übers Gesicht gezogen werden könnte, wie die Beraterin aus dem Börsenteam richtig bemerkt. Sie trägt wie alle ihre Teamkolleginnen und Teamkollegen ein Chesslerhemd, damit alle wissen, wo sie Hilfe holen können.

Zu gross ist nicht falsch

«Es gibt so schöne Geschichten», sagt Teamfrau Yvonne Lüthy, und sie hat Recht. Hilfe sucht auch ein junger Mann, der auf der Suche nach einem Kleid für seine Frau ist. Das Indianerkostüm, das er in den Händen hält sieht vielversprechend aus, aber ob es nicht doch etwas zu gross ist? Nicole Jenny, erfahrene Beraterin, schaut das Kostüm von oben bis unten prüfend an, schlüpft kurzerhand in die weiten Hosen und stellt dann fest: «Man muss bedenken, dass darunter noch etwas Warmes angezogen werden muss.»

Bereits zwei Jahre ist es her, seit das Börsenteam vom Kindergarten Wassergasse in die Weststadt gezügelt ist. «Der Umzug hat sich gelohnt», freut sich Pia Fröhlicher. «Wir haben hier mehr Platz, und die Kleider können besser präsentiert werden.» Zudem seien genügend Parkplätze vorhanden. Freuen kann sie sich auch darüber, dass in diesem Jahr besonders viele Kinderkostüme abgegeben wurden. Nicht selten herrschte in diesem Sektor der «Notstand». Dafür gibts heuer keine der beliebten Guggemusig-Kostüme. «Sie haben uns gesagt, dass sie eine Pause einlegen möchten», berichtet Pia Fröhlicher.

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