Migros-Plane Solothurn
Schmalspur-Migros lässt dem Bipperlisi genug Platz

Schon länger gären Pläne von Migros, an der Solothurner Baselstrasse einen neuen Einkaufscenter zu realisieren. Doch kam der Grossverteiler damit dem Bipperlisi in die Quere. Nun trägt man den Anliegen der Bahn mit einem reduzierten Projekt Rechnung.

Wolfgang Wagmann
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Wolfgang Wagmann

Schon im vergangenen Sommer hatte die Genossenschaft Migros Aare ein Umbaugesuch für das weitgehend verlassene Amag-Areal an der Baselstrasse eingereicht. Das Ziel: die Eröffnung eines so genanten Kleincenters im Jahr 2019. Doch in der Folge kam es zu einer Einsprache, welche das Vorhaben verzögern sollte. Die «Bipperlisi»-Betreiberin Aare Seeland Mobil AG mit Sitz in Langenthal sah das Vorhaben als problematisch an und verhinderte vorerst den Umbau. Dies veranlasste auch das kantonale Amt für Verkehr und Tiefbau AVT zu einer Stellungnahme – und Migros musste über die Bücher.

Die Folge: Das Projekt wurde redimensioniert, die Verkaufsflächen und damit die Parkplatzzahl wie das Verkehrsaufkommen reduziert. Zu den jetzt noch 41 geplanten oberirdischen Kunden-Parkplätzen wurde nebst einem neuen Lärmgutachten auch ein Verkehrskonzept mitsamt Simulationen nachgeliefert. Diese gehen übrigens von zwei Anlieferungen täglich und einer Nachtanlieferung für Migros aus. Das Fazit des Verkehrsgutachtens: Die Erschliessung des Amag-Areals sei damit «absolut unkritisch. Behinderungen des Bahnbetriebs sind nicht zu erwarten und die Verkehrsqualität für den motorisierten Individualverkehr ist zufriedenstellend.» Und weiter: «Aus verkehrstechnischer Sicht bestehen keine Bedenken zu einer Umsetzung der geplanten Erschliessung des Amag-Areals.»

Auch doppelgleisig funktionierts

Das sieht auch Kantonsingenieur Peter Heiniger auf dem Amt für Verkehr und Tiefbau so. «Damit ist die Erschliessung sowohl für die Aare Seeland Mobil wie für uns problemlos», sieht er die nach Gesprächen mit der Bauherrschaft erarbeiteten Variante als Lösung. «Wir haben alle Szenarien angeschaut», erklärt der Kantonsingenieur – und meint damit die Zukunftspläne für das «Bipperlisi», dessen Betrieb auf der Baselstrasse dereinst gar doppelgleisig zu führen. «Ja wir halten an dem Vorhaben fest», betätigt Heiniger – seiner Ansicht nach würde das Doppespurgleis bei der Zu- und Wegfahrt des Amag-Areals sogar eher weniger Probleme bereiten als der Ist-Zustand.

Noch offen lässt das Verkehrsgutachten übrigens eine weitere Massnahme zur Sicherstellung der Areal-Erschliessung: Allenfalls müsste die Wegfahrt auch über eine Lichtsignalanlage geregelt und gesichert werden.

Wenn alles gut geht...»

Die Nachbesserung der Migros-Pläne bestätigt Andrea Bauer, Mediensprecherin von Migros Aare: «Die Pläne für einen Migros an der Baselstrasse bestehen nach wie vor. Anfang Januar 2019 wurde ein neues Baugesuch eingegeben, das den Gegebenheiten rund um die Bipperlisi-Tramspur Rechnung trägt und auch die Anlieferung für unsere Filiale sicherstellt.» Ebenfalls erwähnt Bauer, dass inhaltliche technische Ergänzungen zum neuen Baugesuch noch Anfang März nachgereicht worden seien und man die Verkaufsfläche «etwas reduziert» habe. Zum möglichen Eröffnungstermin des Klein-Centers äussert sich die Mediensprecherin verhalten optimistisch: «Wenn alles nach Plan läuft geht die Migros Aare von einer Eröffnung im Herbst 2019 aus.»

 Aufs Kofmehl-Areal hat Coop verzichtet, nun sucht man neue Interessenten.
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 Zur geplanten Überbauung an der Allmendstrasse regt sich ebenfalls Widerstand.
 Im "Bermudadreieck" der nördlichen Westumfahrung befinden sich drei Brachen, die man längstens neu nutzen möchte.
 Das Gebäude auf dem Öufi-Areal soll umgebaut werden - doch schon gabs wieder eine Einsprache von Hans A. Bühlmann.

Aufs Kofmehl-Areal hat Coop verzichtet, nun sucht man neue Interessenten.

Wagmann Wolfgang

Im "Bermuda-Dreieck" regt sich weiter Opposition

Einmieten möchte sich Migros Aare auch auf dem «Öufi-Areal» beim Jumbo-Kreisel. Die Eigentümerin, die Sasolim AG, verzichtet auf den geplanten Umbau der östlichen Gebäude und will sie lediglich umbauen. Doch auch darauf setzte es nun eine Einsprache ab. Bemängelt werden das Verkehrsaufkommen, die Grünflächenziffer, Luftreinhaltung und der Lärmschutz. Migros bedauert die Einsprache, möchten man das Projekt doch «so schnell wie möglich realisieren».

Die zweite von drei Brachen im Solothurner «Bermudadreieck» zwischen SBB-Bahnlinie und der Grenchenstrasse ist das Areal des ehemaligen Forstwerkhofs der Bürgergemeinde an der Allmendstrasse. Hier will die Baufirma Sterki AG ihren Sitz in der gemischten Überbauung realisieren. Sie sorgte schon für politisches Raunen im Gemeinderat, weil sie vor der Ortsplanungsrevision zur Auflage freigegeben wurde. Auf diesen Punkt zielt eine zweite Einsprache, die auch gegen diese Baupublikation eingegangen ist. Beide Einsprachen gehen erneut auf das Konto von Anwohner Hans A. Bühlmann, der generell auch kritisiert, dass die Stadt unvollständige Baugesuche zur Publikation zulasse – so vermisst er im Fall Allmendstrasse den Mitwirkungsbericht.

Nicht mehr mit Einsprachen herumschlagen muss sich die Marti AG als Eigentümerin des Kofmehl-Areals. Doch hat Coop vor gut einem Jahr den Verzicht auf seine dortigen Center-Pläne bekannt gegeben – nach einem über zehnjährigen Rechtsstreit mit besagtem Anwohner. Nun werde versucht, das als Gestaltungsplan bewilligte Projekt mit Mietern zu belegen, bestätigt Baujurist Theo Strausak auf Anfrage. Das Baubewilligungsverfahren müsste dann allerdings noch durchlaufen werden. (ww)