Auftakt

Schluss mit unfreundlich und abweisend: Mit «Potzplatz» erobert Leben den Solothurner Postplatz

Das Team des Alten Spital aktiviert seit Samstag den Postplatz mit kreativen und spielerischen Aktionen. Am Wochenende erlebte das Projekt seinen Auftakt.

Kinder rennen riesigen Seifenblasen hinterher, wo bisher Autos geparkt wurden. Die Eltern sitzen auf alten Paletten, die mit Kissen zu Bänken umfunktioniert wurden. Seit Samstag heisst der Postplatz in Solothurn neu «Potzplatz», und wenn auch nur zögerlich, so ist doch neues Leben an einem Ort in der Innenstadt zu beobachten, welcher bisher eher unfreundlich und abweisend gewirkt hatte.

Das Team des Alten Spital macht den Anfang

Das Alte Spital ist seit Samstag im Auftrag des Stadtbauamtes daran, eine Zwischennutzung anzustossen und die Belebung des Postplatzes durch verschiedene Aktivitäten zu fördern. «Wir wollen den Anfang machen, aber mit der Zeit sollen die Leute mit ihren eigenen Ideen dafür sorgen, dass sich hier ein lebendiger Raum mit vielseitiger Nutzung entwickelt», sagt Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals. «Denkbar sind alle möglichen, nicht-kommerziellen Aktivitäten, wie zum Beispiel ein Handwerkermarkt.» Die Schachfiguren, die früher vor der SoBa standen, waren beim Werkhof eingelagert. «Wir sprayten nur das Schachbrett auf den Teer. Das ist der Vorteil eines Provisoriums, da macht es nichts, wenn eine Aktivität ein paar Spuren hinterlässt.»

Verwandlung vom Un-Ort zum Treffpunkt

Mit dem dunkelolivgrünbraunen, ehemaligen Postgebäude am einst historisch relevanten Ort nimmt der Postplatz unter den städtebaulichen Todsünden in Solothurn eine Spitzenposition ein. Und der Fluch zieht sich weiter: Im Mai hat der Gemeinderat die Pläne des Stadtbauamtes für die Umgestaltung hochkant bachab geschickt. Nun sind zwar die Abwasserleitungen saniert, die Parkplätze und der Individualverkehr wurden verbannt und eine neue Verkehrsführung für den Bus rundherum auf den Asphalt gezeichnet, doch der Platz an sich wird bis zur Ausarbeitung eines neuen Konzepts noch lange ein Flickenteppich aus Asphalt und Mergel bleiben. Zwei bis drei Jahre wird die neue Planung dauern und so lange kann der «Potzplatz» für soziokulturelle Zwecke genutzt werden.

Weitere Ideen, wie zum Beispiel ein Pingpong-Tisch, könnten schon bald realisiert werden. «Wir werden bis September punktuelle Aktionen durchführen», nennt Gauch einen Zeithorizont des Engagements durch das Alte Spital. «Dann werden wir sehen, wie die Bevölkerung den Platz angenommen hat. Falls noch zu wenig laufen sollte, werden wir weitere Aktivitäten starten.» Weiter geht es auf dem «Potzplatz» schon am kommenden Mittwoch mit kreativem Basteln für Kinder und Familien. Am Donnerstag stehen künstlerische Interventionen auf dem Programm. Weitere Ideen aus der Bevölkerung sind willkommen.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikel kam es zu einem Fehler. Richtig ist: Am Postplatz ist nie ein Befestigungsturm in die Luft geflogen, denn der Platz entstand erst um 1880 mit dem Bau der damaligen Hauptpost. 1546 flog der Nydeckturm am Riedholzplatz nach einem Blitzschlag ins dortige Pulvermagazin in die Luft. In der Folge wurde der massige, runde Riedholzturm gebaut, zeitgleich auch der Burristum am Amtshausplatz und der Haffnersturm an der Ecke des späteren Postplatzes vom gleichen Typ Muttiturm wie der Riedholzturm. 

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