Der Solothurner Sommerfest-Kalender ist riesig, doch 2015 dürfte ein neues Format den Beginn einer Tradition markieren: Das 1. Street Food Festival lockte die Massen zu Tausenden an. «Sicher werden wir es wieder machen», erklärte OK-Chef Chrigu Stuber schon Am Sonntag Nachmittag in einer ersten Bilanz. «Wir wollen aber nicht unbedingt grösser werden, sicher nicht die Dimensionen von Zürich erreichen.»

 Das achtköpfige Organisationskomitee war am Samstagabend wie auch die 35 Aussteller an die Grenzen gestossen – «es dürften wohl gleichzeitig 3500 bis 4000 Leute hier gewesen sein.» Hier, das heisst unter der Westumfahrungsbrücke zwischen der Aare und der Hans-Huber-Strasse. Zum Glück war gerade noch Saisonstart in der Kulturfabrik Kofmehl nebenan und so konnte das OK – nicht nur, aber auch aus Kofmehl-Leuten bestehend  – auf 35 freiwillige Helferinnen und Helfer zurückgreifen. «Aber der Standort war ideal, resümierte Stuber, «schon nur wegen des Schattens.» Denn das Wetter war mit ein Erfolgsfaktor, «auch wenn einige Food-Anbieter meinten, bei dieser Hitze werde wohl nicht so viel gegessen.»

Einmal quer durch die Menschenmenge am Street Food Festival Solothurn

Einmal quer durch die Menschenmenge am Street Food Festival Solothurn

Auf dem letzten Zacken

Sie sollten sich gründlich täuschen, und zwar alle. Gegen 20 Uhr ging an den ersten Ständen das Material zur Neige. Gaby Hladikova, Geschäftsführerin des Restaurants Baseltor: «Wir haben hier unser Bami Goreng angeboten und gedacht, na ja, das kennen die Leute ja schon. Doch dann waren wir völlig ›ausgeschossen› und mussten raschestmöglich für Nachschub sorgen.»

Nicht besser war es Linda Gutknecht von «Linda’s Art» ergangen: Ihre 700 mitgebrachten Cup Cakes waren am Samstagabend allesamt weg. «Ich hatte Erfahrungszahlen von anderen Festen wie dem Sommernachtsfest in Bern. Aber hier war alles anders. Ich musste eine Nachtschicht einlegen, damit ich am Sonntag den Stand überhaupt wieder öffnen konnte.» Ihr Hauptproblem: Sie musste sogar noch Material wie Spritzsäcke organisieren, damit sie ihre beliebten Süssigkeiten überhaupt erst herstellen konnte. «Im Winter werde ich aber wieder einen Laden in Solothurn haben», gab sie für alle Fans ihrer Cup Cakes mit.

Szenen vom Street Food Festival in Solothurn - viele Menschen, viele verschiedene Gerichte

Szenen vom Street Food Festival in Solothurn - viele Menschen, viele verschiedene Gerichte

So bildeten sich zur «Schweizer Hauptessenszeit» um 19 Uhr Warteschlangen vor allen Ständen, «die Tibeter setzten allein am Samstag 2000 Momos (Teigtaschen) ab», wusste Chrigu Stuber zu berichten. «Einige mussten ziemlich improvisieren» – ein vietnamesischer Anbieter sei nachts sogar in den Thurgau gefahren, um Nachschub für den Sonntag zu organisieren.

Für fast alle Geschmäcker etwas

«Asiaten hätten wir jede Menge hier haben können», meinte Chrigu Stuber zum Angebot, das quasi eine «globale Visitenkarte» in Sachen Food abgab. «Wir haben die Aussteller vom Angebot her ausgewählt, um einen möglichst breiten Mix zu erhalten.» Sicher auch eine optische Attraktion war der Stand von «Flamm Lachs» an dem ganze Lachssaiten auf Bretter genagelt hinter dem offenen Holzfeuer auf ihre Abnehmer warteten. Argentinische Grill-Ambiance vermittelten die «Asados Argentinos» in weiss-blauen Fussball-Trikots, jamaikanische Patties wetteiferten mit jordanischen oder brasilianischen Spezialitäten um die Publikumsgunst. Neben dem «Salzhaus», wo souvide-gegarte Rinderbrust auf dem Big Green Egg vollendet wurde, wartete als weiterer regionaler Anbieter das Pintli mit englischen Finessen wie warmen Fleisch-Chüechli (Pies) auf. Eine starke Italo-Fraktion setzte auf Pizza, Gnocchi und Riesenravioli, «Dutchi» auf Original holländische Pommes. Auch Süsses war zu haben – nur ein Finger-Food-Klassiker, den gabs nicht. Gaby Hladikova: «Es gab tatsächlich Leute, die sich nervten, weil es keine Bratwurst gäbe.» Dafür Mini-Burger: Beim «Tätschmeister» wurde die Herkunft des Fleisches vom Piemonteser Rindern garniert mit einer Scheibe Sbrinz noch liebevoll erklärt – am frühen Samstagabend. Doch dann holte auch diese liebenswerten Jungs der grosse Abendstress ein. Der Grossteil des Publikuns – am Sonntag auch viele Familien – nahms aber heiter und gelassen, und fügte sich ins Haupt-Angebot am Samstag: «Schlange».

Jedenfalls macht sich das OK schon seine Gedanken. Chrigu Stuber: «Eine Option wäre, schon am Freitag anzufangen. Dann verteilt sich das Ganze besser.»