Wie packt man möglichst viel Kultur in einen Abend? Kaum woanders als im kulturell dicht gedrängten Solothurn ist diese Frage so leicht zu beantworten. Ein Abend, an dem die «Kulturkurve» erst recht durch die Decke bricht, gehört nach Solothurn. Doch mit der Dichte kommt auch der «Dichtestress» – wie jenen der Filmtage-Gänger, die ihren pfannenfertigen Kino-Schlachtplan bereits am ersten Tag parat haben müssen. Solche «Luxusprobleme» kennt man auch während der Kulturnacht, die diesen Samstag zum vierten Mal stattfinden wird. Denn auch da zeigt sich: Kultur à la carte konsumieren will gelernt sein. Lückenlos von A nach B ohne Unterbruch – so lautet der Anspruch. Ober man ihm jeweils gerecht wird?

Um sich ein Bild davon zu machen, wie Kulturnächte anderswo durchgeführt und konsumiert werden, hat das hiesige Organisationskomitee bei der Konkurrenz reingeschaut – der «langen Nacht» in Chur. «Grössenmässig ist der Anlass vergleichbar mit der Kulturnacht in Solothurn», beschreibt Eva Gauch. Neben ihr bilden Christoph Rölli, Peter Keller, Pipo Kofmehl und Jean-Claude Käser das Leitgremium. Grundsätzlich ging es bei diesem Blick über die Region hinaus auch um die Frage, wohin der Anlass sich in Solothurn entwickelt: «Wir haben die Frage des ‹Wie weiter?› auch im Hinblick auf die aktuelle Durchführung der Kulturnacht intensiv besprochen», sagt Eva Gauch.

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Darüber hinaus konnte das OK den Blickwinkel des Besuchers einnehmen. «Eine Kulturnacht ist ja für uns kein Novum. Was aber neu war, dass wir es aus Sicht des Publikums beäugen konnten.» Dabei sei man zu Erkenntnissen gelangt, die es beim Besuch der Kulturnacht zu beachten gilt. Begonnen damit: Bei den vergangenen drei Durchführungen musste man einigen Leuten immer noch erklären, dass sie mit einem Billett überall reinkommen.

Weiter haben die OK-Mitglieder am Selbstversuch festgestellt: Weder in Chur noch in Solothurn ist das Schlangestehen ein Problem. «Solange es eine Erfrischung gibt, ist es angenehm», sagt Gauch. So haben die meisten Kulturveranstalter Infrastrukturen, um in der Wartezeit etwas zu trinken zu bieten. Bereits bei der letzten Durchführung vor zwei Jahren konnte man zudem mit Gastropartnern der Stadt zusammenarbeiten, um kulinarische Angebote aufzugleisen, die für Pausen zwischen zwei Blöcken geeignet sind.

Christoph Rölli empfindet den Programmaufbau ebenfalls als vorteilhaft. «Auch wenn man sich sein fixes Programm vorab zusammenstellt: Oft wird es wegen Wartezeiten hinfällig. Also geht man anderswo hin und entdeckt etwas, das man sonst nicht besucht hätte.» So komme man über die Genregrenzen hinaus dazu, Neuland zu entdecken: Ein Theaterliebhaber horcht bei einer Jazz-Combo rein, und ein Comedyfan kommt in den Genuss von klassischer Musik. «Man zwingt die Leute quasi zum Glück einer neuen Erfahrung, wenn sie nicht dort reinkommen, wo sie ursprünglich wollten», ergänzt Gauch. Das sei letztlich auch ein Grundgedanke hinter der Kulturnacht.

Schnell von A nach B

Dem Wechsel von Lokalität zu Lokalität oder zur Beiz werde durch die Kleinräumigkeit der Stadt ermöglicht. «Deshalb wurde heuer das Programm ausgedehnt und beginnt bereits zum 17 Uhr», kündigt Peter Keller an. «Das schafft dem Besucher Entspannung – und die Zeit zum Überlegen.» Ebenso strebt man noch mehr Wiederholungen an, «um so die Möglichkeit zu bieten, Verpasstes nachzuholen», sagt Gauch. Allerdings sei bei einzelnen Künstlern dafür Überzeugungsarbeit nötig, damit diese ihre Kulturhäppchen mehrfach an einem Abend spielen.

Bei der Frage nach dem geeigneten Transportmittel kennt das OK einen Favoriten: «Das Velo ist sicher das gescheiteste Mittel, um von A nach B zu kommen.» Aber auch zu Fuss lässt sich die Kulturnacht gut meistern: So befänden sich drei Viertel der Spielstätten in Fussdistanzen von 10 bis 15 Minuten. Zu guter Letzt eigne sich der Shuttlebus als Transportmittel.

Wohin führt die Kulturnacht?

Der Blick nach Chur habe nun auch Impulse zur Zukunft der eigenen Kulturnacht geliefert. Nach einer Phase des Wachstums sei man bei der Konsolidierung angelangt. Fakt ist: Dem quantitativen Wachstum sind Grenzen gesetzt, vor allem finanzielle. «Wir können die Publikumszahlen nicht im gleichen Masse steigern, wie die Zahl der Veranstalter oder Veranstaltungen», stellt Rölli fest. Dazu müssten weitere Räume hinzugemietet werden. Auch bei der Durchführung will man am bewährten Fahrplan – alle zwei Jahre einen Abend – festhalten. «Schliesslich soll jeweils etwas Spezielles geboten werden», so Gauch. Am eigentlichen Arbeitsaufwand, den die Kulturnacht jeweils mit sich bringt, liege es aber laut OK nicht. Auch wenn dieser hoch sei, insbesondere bei der Koordination zwischen den einzelnen Veranstaltern – «die Arbeit ist auf alle Fälle effizient», sagt Rölli. Des weiteren sei es mittlerweile auch jedem Veranstalter klar, dass er nicht einfach einen regulären Programmpunkt im Jahreskalender unter dem Label «Kulturnacht» anpreist, sondern an diesem Abend wirklich etwas Besonderes bietet.

Wachsen lassen will das OK die Kulturnacht vor allem, was die öffentliche Wahrnehmung angeht, wie Rölli ausführt: «Wir wollen in den Reigen der grossen Solothurner Kulturanlässe – Filmtage, Literaturtage, Solothurn Classics – hineinkommen.» Ein weiteres Ziel sei es, die Kulturnacht Solothurn auch für Publikum aus der weiteren Region schmackhaft zu machen. «Wir sind uns bewusst, dass der Weg nicht ganz einfach ist», so Rölli. Gauch ergänzt: «Aber dass wir den Anlass etablieren können, ist unsere Vision.»