Dok-Film

Schlange bis zur Strasse: An die Premiere von «Fair Traders» kam viel Solothurner Publikum

Sie sind stolz auf den Dok-Film «Fair Traders» und freuen sich an der Filmpremiere: (v.l.) Olivier JeanRichard (Ton), Nino Jacusso (Regie), Patrick Hohwald, Claudia Zimmermann (Protagonisten), Daniel Leippert (Kamera) und Franziska Reck (Produzentin).

«Fair Traders», Nino Jacussos neuer Dokumentar-Film, hatte an der Solothurner Premiere im Kino Canva ein Heimspiel.

Es ist heute eher selten, dass man Zuschauerschlangen bis zur Strasse hinaus vor dem Kino Canva in Zuchwil wegen einer Filmpremiere antrifft. Doch das Wunder geschah am vergangenen Donnerstagabend, als Nino Jacussos neuer Dok-Film «Fair Traders» seine Schweizer Premiere – in Solothurn – feierte. Es sei ihm ein Anliegen, die Premiere hier stattfinden zu lassen, erklärte ein ziemlich nervöser Jacusso vor dem Filmstart.

Denn der Film sei auch dank grosszügiger Solothurner Beteiligung realisiert worden – vor und hinter der Kamera. Eine der Porträtierten ist die Küttigkofer Bäuerin Claudia Zimmermann, Jacusso selbst lebt in diesem Bucheggberger Dorf, seine Filmcrew besteht aus einigen Solothurnern und durch den Lotteriefonds des Kantons wurde der Film auch unterstützt. So kam viel Premieren-Publikum, das sich kennt. «Es ist auch eine Solothurner Geschichte», bemerkte deshalb die Produzentin Franziska Reck.

Sinnvoll leben und arbeiten

«Fair Traders» porträtiert drei unterschiedliche Menschen, die sich entschieden haben, ihren Lebensunterhalt mit einer sinngebenden Beschäftigung zu verdienen. Nun glaubt wohl jeder, dass seine Arbeit sinngebend sei, doch wie sagt einer der Baumwollhändler aus Tansania im Film so schön: «Ich kenne keinen Afrikaner, der ein Burnout hat.»

«Der Film soll Mut machen»: Nino Jacusso erklärt, worum es in seinem Film «Fair Traders» geht

«Der Film soll Mut machen»: Nino Jacusso erklärt, worum es in seinem Film «Fair Traders» geht

Der Solothurner Regisseur stellt in seinem Dokumentarfilm einen Baumwollproduzenten, eine Textilunternehmerin und eine Biobäuerin vor.

Dem Burnout entflohen ist Sina Trinkwalder, früher Besitzerin einer erfolgreichen Marketing-Agentur in Augsburg. Von einem Tag auf den andern schmiss sie alles hin, und gründete das Unternehmen Manomama, eine Firma, die Zero-Waste-Textilien, herstellt. Und dies mit Arbeitnehmern, die in der heutigen Arbeitswelt keine Chance mehr bekommen. «Die Leute sollen mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen. Damit in der Lage sein, eine Familie zu gründen und nicht von Harz IV abhängig zu sein», sagt sie im Film. Ihnen soll bewusst werden, dass sie mit ihrer Arbeit wichtig und Teil der Gesellschaft sind.

Produzenten werden Freunde

Dann ist da der Textilunternehmer Patrick Hohmann, der mit seinem Unternehmen Remei schon seit vielen Jahren mit Bio-Baumwolle zu Fair Trade-Bedingungen handelt. Und dies lange bevor dieser Begriff gesellschaftsfähig geworden ist. Er lebt und arbeitet nach der Devise: «Menschen arbeiten für Menschen». Der Baumwollproduzent schafft ein Produkt, das wertvoll ist, weil es aus der Natur kommt und der Konsument kauft das Produkt, das auch für ihn einen Wert hat, weil es ihn nicht krank macht zum Beispiel», sagt er im Film. Hohmann arbeitet in Indien und in Tansania ganz eng mit einheimischen Produzenten, die in all den Jahren zu engen Freunden wurden.

Und dann ist da wie erwähnt, Biobäuerin Claudia Zimmermann aus Küttigkofen, gelernte Kindergärtnerin, die zusammen mit ihrem Mann Matthias (Mättu) einen schönen Hof bewirtschaftet und darin einen Dorfladen eingerichtet hat, in dem es nur Bioprodukte zu kaufen gibt. Inzwischen ist der Laden aus dem Dorf nicht mehr wegzudenken. «Wir wollen in einem geschlossenen Kreislauf leben und produzieren», sagt sie, und: «Auch wenn wir damit nicht reich an finanziellen Mitteln werden, sind wir doch reich an Lebensqualität.»

Zwei Ausschnitte aus dem Film Fair Traders mit Claudia Zimmermann

Zwei Ausschnitte aus dem Film Fair Traders mit Claudia Zimmermann

Nicht nur heile Welt

Es sind also drei Persönlichkeiten aus drei Generationen, die in drei unterschiedlichen Lebenssituationen stehen, die Jacusso zeigt. Doch wer nun glaubt, es gehe hier lediglich darum, eine heile Welt zu zeigen, wird eines Besseren belehrt. Der Regisseur verpasst es nicht, auch die schwierigen Seiten dieser Lebensentwürfe aufzuzeigen. Er dokumentiert, wo seine Protagonisten scheitern und zweifeln und doch unbeirrt ihren Weg weitergehen. «Dieser Film soll Mut machen, und zeigen, dass ein Umdenken möglich ist», sagt der Regisseur. Und es gelingt ihm auf eine leichte und nicht anklagende Art.

Stark sind die Filmschnitte. Verblüffend, wie sich die Orte, die Landschaften ob im Bucheggberg oder in Tansania überschneiden. Man erkennt, dass die Produkte, die unsere Bedürfnisse befriedigen, aus der Erde kommen, dass Leute, die dort leben, sie herstellen und bewirtschaften. Gemeinsam ist allen die Erkenntnis, dass ein intensives Leben mit den Mitmenschen notwendig ist, um gute Waren herstellen und verkaufen zu können.

Zu guter Letzt ist der Film auch die Liebeserklärung Nino Jacussos sowie seines Kameramanns Daniel Leippert an das Dorf Küttigkofen. Selten konnte man so poetische Film-Aufnahmen der Häuser und Menschen, die dort anzutreffen sind, sehen.

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