Tell

Schillernde Figuren retten für Wilhelm Tell die Show

Da bleibt wohl kein Apfel oben, wenn Jens Wacholz, Rada Radojcic und Hanspeter Bader mit Tells Geschoss manipulieren. zvg

Da bleibt wohl kein Apfel oben, wenn Jens Wacholz, Rada Radojcic und Hanspeter Bader mit Tells Geschoss manipulieren. zvg

Hanspeter Bader und Jens Wacholz proben wieder zusammen. Für «Tell schnell», haben sie Recherchen zum Nationalhelden angestellt. Das Resultat ist im Uferbau Solothurn zu sehen.

Schillers Wilhelm Tell in 12 Minuten und 91 Sekunden? Gaga. Aber genau das haben Willi Wilhelm (Hanspeter Bader), Wilhelm Walter (Jens Wacholz) und Gertrud Marignano, geborene Sempach (Rada Radojcic) vor. Die drei Angestellten einer PR- und Werbeagentur versuchen damit, einen an einen österreichischen Mitbewerber gegangenen Auftrag der Eidgenössischen Gesellschaft für Kommunikation und Meinungsforschung (EGfKuMfg.admin.ch) doch noch zu retten.

«Tell schnell» heisst das daraus resultierende Theaterstück, «und es ist natürlich länger als die knapp 13 Minuten – auf eineinhalb Stunden kommen wir schon», verrät der eine Hauptdarsteller Hanspeter Bader. O-Ton von Schiller, der übrigens nie in der Schweiz war, kommt vor, doch das Hauptanliegen des deutsch-schweizerischen Trios – Wacholz und Radojcic arbeiten derzeit in Dortmund – ist, den «Tell» für alle verständlich darzustellen: «für Schüler, Grossmütter und jeden Asylbewerber.» Das sei keine einfache Aufgabe, aber erlaubt seien zum Erreichen des Zwecks «alle zur Verfügung stehenden Mittel moderner Kommunikation.»

Auf dem Vierwaldstättersee

Und so haben sich die drei schillernden Figuren aufgemacht, um ihr Vorhaben umzusetzen. «Wir sind sogar mit dem Schiff auf dem Vierwaldstättersee herumgefahren und haben die Leute an den Originalschauplätzen befragt, was sie von der Tell-Geschichte noch wissen», meint Hanspeter Bader mit einem abgründigen Schmunzeln. Mit diesen filmischen, auditiven, musikalischen und szenischen Elementen wird ein Gesamtpaket geschnürt, das ab dem 22. November im Uferbau-Kulturraum wieder für eines sorgen soll: beste Unterhaltung.

Im Gegensatz zu den letzten Auftritten von Bader und Wacholz mit «Messias», «Indien» oder zuletzt «fast Faust», als die beiden ein vorhandenes Stück und damit Drehbuch auf ihre Ansprüche «umgemodelt» hatten, knüpfen sie nun bei «Tell schnell» wieder an die Tradition der Brüller wie «Soko-Solo 11» «Sosolu GmsbH» oder «Sollywood» an – «wir wollten wieder einmal etwas von Grund auf selber machen.» Und Hanspeter Bader weiter: «Wir hatten tierisch Spass dabei.»

Wer dahinter steckt

Dass es zu einer Modeschau auf dem Rütli oder dem Apfelschuss aus verschiedensten Perspektiven kommen wird, verdankt das Trio dem Konstrukt TUB oder «Theater im Uferbau», dem auch noch Pedro Haldemann, zuständig für Textmitarbeit, Regie und Film seit 2003 angehört. Jens Wacholz, der in Aachen und Dortmund lebt, aber für die Probenarbeit wieder häufig in Solothurn anzutreffen ist, wird mit Rada Radojcic, einer gebürtigen Dortmunderin mit serbischen Wurzeln zusammen auftreten. Sie hat sich vor allem mit Revuen und musikalischen Theaterprojekten einen Namen gemacht.

Bader auch wieder im Stadttheater

Der Ur-Solothurner Regisseur und Schauspieler Hanspeter Bader, der ebenfalls lange in Deutschland gewirkt hat, wird jedoch nächsten Frühling wieder einmal im Stadttheater zu sehen sein und er freut sich über die Anfrage von Schauspielchefin Katharina Rupp. Der Solothurner Kulturpreisträger spielt in Gorkis «Barbaren», einem selten aufgeführten Stück, mit. Doch vorher wird er mit dem Dortmunder Duo der Frage nachgehen, ob Schillers Axt tatsächlich im Uferbau den Zimmermann ersetzt.

Aufführungen im Uferbau am 22., 23., 24., und 30. November, am 1., 6., 7. und 8. Dezember jeweils ab 20 Uhr. Abendkasse ab 19 Uhr oder Platzreservation unter Tel. 032 621 20 03

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