Stadttheater Solothurn

Schauspieler Raoul Serda steht in Solothurn seit 40 Jahren auf der Bühne

Raoul Serda blickt auf 40 Jahre Bühnenpräsenz zurück.

Raoul Serda blickt auf 40 Jahre Bühnenpräsenz zurück.

Der Schauspieler Raoul Serda steht seit 40 Jahren auf den Bühnen der Theater von Solothurn und Biel. Derzeit probt er unter der Regie von Dominik von Gunten den Dr. Baugh in Tennessee Williams «Die Katze auf dem heissen Blechdach».

Raoul Serda, Sie haben ja vor Ihrem Engagement am Städtebundtheater bereits an verschiedenen Orten Theater gespielt. Wie hat dies alles begonnen?

Raoul Serda: Eigentlich fast ein wenig prophetisch. Ich hatte meinen ersten Auftritt in Bern im Festspiel zur 600-jährigen Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft. Und mein Auftrittssatz lautete: «Frankreich marschiert, und es weht die Trikolore in Freiburg und Solothurn.» Es vergingen dann jedoch neunzehn Jahre, bis ich tatsächlich in Solothurn eine Bleibe fand.

Wie ist es denn zu diesem Engagement in Solothurn gekommen?

Ich war am Landestheater Niedersachsen engagiert. Einem Theater mit sehr vielen Spielstätten. Weil ich das ständige Unterwegssein satthatte, suchte ich ein anderes Engagement. Ich hatte Kontakte zu Mannheim und zu Alex Freihart. In Mannheim hatte ich vom damaligen Intendanten nicht den besten Eindruck, weshalb ich gleich weiter nach Zürich fuhr und dort Alex Freihart vorsprach. Das führte dann zum Engagement am Städtebundtheater. Ich habe im ersten Jahr in zehn Produktionen mitgespielt, davon fünf grosse, drei mittlere und zwei kleine Rollen.

Mit welchem Stück gaben Sie den Einstand?

«Die Schelmenstreiche des Scapin» von Molière.

An welche Rollen erinnern Sie sich besonders gern?

Während 30 Jahren war ich fest im Ensemble, und die letzten zehn Jahre habe ich jeweils mindestens eine Rolle gespielt. Da gab es viele schöne Aufgaben. Spontan kommen mir der Hauptmann in «Woyzeck», der Vater in «Maria Magdalena», der Major Petkoff in «Helden», der Thoas in «Iphigenie» und der Pozzo in «Warten auf Godot» in den Sinn. Eine für mein Alter wunderbare Rolle war letzte Saison der Fiers in Tschechows «Kirschgarten» in der Regie von Katharina Rupp.

Sie haben sich nach 1972 nicht mehr bemüht, vom Städtebundtheater wegzukommen?

Mit zwei schulpflichtigen Kindern war ich froh, eine gewisse Zeit an einem Ort zu bleiben. Ich habe mir in diesen Jahren auch einen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut. Zudem war die Arbeit am Theater interessant und befriedigend. Es gab einmal ein interessantes Angebot für eine Rolle in einem Hollywoodfilm. Aber ich hätte dafür mein Engagement aufgeben müssen, und das wollte ich nicht. Ausserdem bin ich seit 22 Jahren mit meiner Lebenspartnerin Brigitte hier glücklich.

In der Stadt trifft man Sie meistens mit einem Hund an.

Jetzt ist es ein Königspudel. Ich habe schon immer Hunde gehabt, einen Dobermann, einen Kuvasz, einen Golden Retriever und andere.

Wie lernen Sie Ihre Rollen?

Seit ich Theater spiele, immer auf Spaziergängen mit dem Hund. Hier gehe ich meistens der Aare entlang, habe immer einige Seiten Text mit und lerne unterwegs. Früher habe ich gejoggt.

Sie waren neben dem Theater auch immer sportlich tätig.

Während elf Jahren habe ich in meiner Freizeit die Junioren des FC Solothurn trainiert. Ich habe dafür die notwendigen Diplome des Fussballverbandes erworben. Das war ein guter Ausgleich zum Theater. Dort allerdings hatte man nicht immer Verständnis dafür, obwohl ich wegen dieser Tätigkeit weder für eine Probe noch für eine Vorstellung eine «Extrawurscht» haben wollte.

Die klassischen jugendlichen Helden und Liebhaber haben Sie ja früher gespielt. Gibt es da noch Erinnerungen?

Den Romeo und den Ferdinand aus «Kabale und Liebe» habe ich öfters gespielt und habe dabei prominente Partner gehabt. Während der Salzburger Festspiele habe ich einen Kurs bei Will Quadflieg belegt. Er hat dort den Ferdinand gespielt. Anschliessend bekam ich in Gera diese Rolle. Bei der Probe habe ich dann in der Milford-Szene so gesprochen: «Ich liebe – Mylady – liebe – ein – – bürgerliches Mädchen.» Der Regisseur fragte, was das soll. Der Satz sei in einem Zug zu sprechen. Da entgegnete ich, der Quadflieg habe es auch so gesagt. Der Regisseur meinte lakonisch, dass ich halt nicht der Quadflieg sei.

Gibt es auch in Solothurn eine ähnliche Begebenheit?

In «Galileo Galilei» gibt es so viele Rollen, dass die meisten Männer mehrere spielen mussten. Ich hatte sieben verschiedene Figuren darzustellen. Da man von der Bühne in die Garderobe die Treppe rauf eilen musste, war der notwendige Kostümwechsel mühselig. Also eilte ich hoch, wechselte das Kostüm und sprach mit einem Kollegen einige Worte und habe nach diesem Gespräch gleich zum nächsten Kostüm gewechselt. Da fand halt dann eine Szene ohne mein Auftreten statt. Alex Freihart, welcher auch Regie geführt hat, hat es relativ gelassen zur Kenntnis genommen.

Was wünschen Sie sich zu Ihrem Jubiläum?

Dass die Solothurnerinnen und Solothurner der Vorlage für den Umbau des Stadttheaters zustimmen.

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