Theater Biel-Solothurn
Schauspieler Matthias Schoch wechselt von der Theaterbühne ins Zirkuszelt

Der bekannte Bühnendarsteller Matthias Schoch nimmt eine Auszeit vom Theater in Solothurn und übernimmt im Zirkus Chnopf die künstlerische Leitung.

Helmuth Zipperlen
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Matthias Schoch wäre beu der Neueröffnung des Stadttheaters gerne dabei.

Matthias Schoch wäre beu der Neueröffnung des Stadttheaters gerne dabei.

Hansjörg Sahli

Nun verkörpert Matthias Schoch in der Freilichtaufführung im Kapuzinerkloster Solothurn die Rolle des Mariolino in der Bühnenfassung von «Don Camillo und Peppone». Er ist zudem auch für den Gesang in «Don Camillo und Peppone» verantwortlich. Anschliessend aber wird er die künstlerische Leitung des Zirkus Chnopf übernehmen. Wir haben den Schauspieler am ersten Probentag nach den Sommerferien getroffen.

Matthias Schoch, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie nun zum letzten Mal ein Bühnenstück einstudieren?
Matthias Schoch: Da mache ich mir nicht gross Gedanken, denn es ist sicher nicht das letzte Theaterstück, das ich spiele. Aber eine Pause vom Theater schadet im Moment nicht. Ursprünglich hatte ich an eine musikalische Weiterbildung gedacht.

Welches Fazit ziehen Sie nach Ihrer Tätigkeit am Theater Biel-Solothurn?
Ich war etwas mehr als drei volle Spielzeiten hier engagiert, und ich habe in dieser Zeit wahnsinnig viel gelernt. Es war eine gute und eigentlich fast familiäre Zeit. Mein Engagement hier dauerte ungefähr gleich lang wie meine fachliche Ausbildung. Jetzt halte ich auch meine «praktische Grundausbildung» für abgeschlossen, weshalb es Sinn macht, etwas Anderes auszuprobieren.

Im «Zerbrochener Krug» spielte Matthias Schoch Gerichtsrat Walter
7 Bilder
Szene aus dem Stück «Gegen die Demokratie/Gegen die Liebe», das im Frühling 2014 aufgeführt wurde.
In «Der nackte Wahnsinn» trat der gebürtige Winterthurer als Garry Lejeune auf.
Schoch mit Champagner
Szene aus «Mit wem soll ich jetzt schweigen» In diesem Stück zeichnete er verantwortlich für die musikalische Leitung.
In «Don Carlos» (Saison 2012/13) hatte Schoch eine Titelrolle.
Stück «Mann in der Badewanne», das das Ensemble 2012 aufführte. Hier spielte Schoch Albert Wegelin, der plötzlich aufhörte zu essen.

Im «Zerbrochener Krug» spielte Matthias Schoch Gerichtsrat Walter

zvg

Sie haben ja als Zivildienstler letzten Sommer beim Zirkus Chnopf gearbeitet. Hat es Ihnen damals den Ärmel reingenommen?
Die Faszination für den Zirkus geht weiter zurück. Meine Eltern und die Eltern des jetzigen Gesamtleiters des Zirkus Chnopf sind befreundet, so dass ich bereits als Kind diesen Zirkus besucht habe. Und letzten Sommer habe ich einfach gemerkt, dass die Arbeit im Zirkus für mich passt. Ich möchte nicht einfach nur auf der Bühne stehen, sondern liebe es, für einen Bereich Verantwortung zu übernehmen und arbeite gerne in einem Team. Der Zirkus Chnopf arbeitet mit Jugendlichen, was mir behagt. Diese jungen Leute sind noch nicht durch eine Ausbildung «verbildet». Das macht sie auf der Bühne sehr interessant.

Wie sind Sie zur Stelle des künstlerischen Leiters gekommen?
Der bisherige künstlerische Leiter ist Artist, und er möchte künftig wieder seine Solo-Karriere weiter verfolgen. Konrad Utzinger, der Gesamtleiter, und ich haben bereits als Knaben miteinander gespielt. Letzten Sommer beim Gastspiel in St-Ursanne hat er mich beim Abwasch gefragt, ob ich Interesse an dieser Stelle hätte. So ein kleiner Zirkus braucht Multitalente und Artistik ist ein Bereich, welcher mich interessiert.

Matthias Schoch

Feste Grösse in Solothurn

Matthias Schoch wurde 1986 in Winterthur geboren, wo er auch aufwuchs und die Schulen besuchte. Als Gymnasiast wurde er 2006 mit der Titelrolle in Christoph Schaubs Filmkomödie «Jeune Homme» besetzt. Er entschloss sich, Schauspieler zu werden und schloss 2010 an der Zürcher Hochschule der Künste mit dem Bachelor of Arts in Theater ab. 2008 wurde ihm der Studienpreis von Migros Kulturprozent zugesprochen. 2009 hatte er seinen ersten Stückvertrag am Theater Biel-Solothurn als Cecily Cardew in Oscar Wilde’s «Bunbury». Seit der Spielzeit 2011/2012 zählte er zum festen Ensemble des Theaters Biel-Solothurn. Im Sommer 2013 leistete er seinen Zivildienst im Kinderzirkus «Chnopf». Letzte Saison spielte er den Gerichtsrat Walter in «Der zerbrochene Krug», den Edmund Tyrone in «Eines langen Tages Reise in die Nacht» und diverse Rollen in «Gegen die Demokratie & Gegen die Liebe». (hz)

Was sind denn die Aufgaben des künstlerischen Leiters?
Er ist für die Show verantwortlich und für die entsprechenden Mitarbeitenden. So wird Max Merker, dem Solothurner Theaterpublikum als Schauspieler bekannt, Regie führen und Maude Vuillemier, die am Theater Biel-Solothurn in der Schneiderei gearbeitet hat, wird für die Kostüme zuständig sein. Es gibt also viele Fäden, die mit Solothurn verbunden sind, welche ich weiterspinnen kann. Laura Vogel ist als Ko-Regisseurin und Choreografin tätig. Ich selber übernehme noch die musikalische Leitung. Vom 5. bis 13. September feiert der Zirkus Chnopf in seinem Winterquartier in Zürich-Altstetten sein 25-Jahr-Jubiläum. Glücklicherweise hatte ich dafür keine Vorarbeit zu leisten. Ich werde moderieren und in meinen Bands, «Honigmilch» und «Dear Helmut», musizieren.

Werden Sie deshalb aus Solothurn wegziehen?
Sowohl das Theater Biel-Solothurn als auch die Stadt Solothurn zu verlassen, hätte ich nicht übers Herz gebracht. Ich bleibe in Solothurn wohnen. Die Proben für den Zirkus finden wohl in Zürich statt, dann pendle ich eben. Sobald der Zirkus auf Tournee ist, bin ich im Wohnwagen zu Hause.

Wie geht es mit Ihnen als Schauspieler weiter?
Während sechs Monaten bin ich voll beim Zirkus tätig, während der anderen sechs Monate braucht der Zirkus etwa ein Viertel meiner Zeit. Somit bin ich für die eine oder andere Theaterproduktion frei.

In Biel-Solothurn?
Es gibt Gerüchte, wonach ich wieder mal hier spielen werde (lacht). Es wurmt mich schon ein bisschen, dass ich bei der Eröffnung des restaurierten Stadttheaters nicht mitspiele.

Premiere von «Don Camillo und Peppone» im Kapuzinerkloster Solothurn ist am Sonntag, 10. August, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: 12.8. bis 16.8., 18.8. bis 20.8., 22., 23., und 27.8., je 20.00 Uhr.

Matthias Schoch im Stück «Mann in der Badewanne» :