Unscheinbar – von der Strasse abgewandt liegt der neue Standort von Lüthi & Cie. Tissus Couture. Doch die Lokalität an der Oberen Steingrubenstrasse 4 entpuppt sich schnell als Schatzkammer edler Stoffe von Welt, oder besser: von Webereien aus ganz Europa. Diese Woche hat die Firma hier nach dem Umzug von Rohrbach Fuss gefasst. Abnehmer für die Schätze sind Modeateliers, Schneiderverbände, Privatkunden und Hobbyschneider – aus der ganzen Schweiz, immer mehr aber auch aus ganz Europa. Das Endprodukt: hochwertige Damenmode.

Firmeninhaber ist seit 2015 der 32-jährige Salvatore Marino, der als Quereinsteiger in die Branche gelangte. Durch seine Frau, die ebenfalls im gleichen Haus ein eigenständiges Geschäft für Massschneiderei und Modeberatung betreibt, kam er in Berührung mit der Branche. «Es fasziniert mich, dass ein Schneider den Stoff sieht und die Umsetzung schon vor dem inneren Auge sieht, Schnitt für Schnitt.» Durch sein Studium in Betriebswirtschaft begann er sich neben dem Handwerk aber auch für die Mechanismen der Branche zu interessieren.

An einer Modepräsentation der Firma Lüthi vor sechs Jahren wurde er von Co-Inhaber Peter Lüthi spasseshalber gefragt, ob er die Firma übernehmen wolle. «Ich sagte zu – ebenfalls spasseshalber. Doch zu Hause begann ich über den Vorschlag zu grübeln.» Noch während seines Studiums ging er mehrere Tage pro Woche bei Lüthis «zur Lehr». «Schliesslich ist es mit 27 nicht zu spät, seinen Horizont um Stoff- und Materialkunde zu erweitern.»
Aufwärtstrend für Haute Couture

So übernahm er nach einer Tätigkeit im Einkauf von Bosch Zuchwil und in der Prozessmanagement-Beratung das 80-jährige Familienunternehmen, und fasste damit in einer nicht einfachen Branche Fuss. «Früher gabs in jeder Familie jemand, der sich mit Nadel und Schere auskannte und in jedem Quartier eine Schneiderei.» Die Entwicklung hin zur heutigen «Fast Fashion» ab Stange beobachtet er kritisch. Immerhin: «Der Tiefpunkt der Qualität ist erreicht. Es ist wieder Hochwertigeres gefragt», sagt Marino, der die Zeichen der Zeit erkannt hat: Haut Couture – ein Begriff, dessen Verwendung in Frankreich strenger Regulierung unterworfen ist und auch hier nicht weniger bedeutet als hochwertiges, massgeschneidertes Mode-Handwerk, für die er den Rohstoff liefert. Und diesen Rohstoff bestellt er anhand eigens kreierter Entwürfe oder ausgewählter Muster direkt aus Webereien, die auch grosse Modehäuser beliefern.

Doch was bewog ihn zum Umzug nach Solothurn? «Rohrbach ist sehr ländlich. Da ist Solothurn schon verkehrstechnisch besser erschlossen.» Und der hiesige Charme ist schon jetzt ein Plus für ihn: Gerade auswärtige Kunden nutzen den Besuch bei Marino für einen Bummel durch die Altstadt.