«Ein Riesenfest» wars vor 22 Jahren, «wenn auch ein aufwendiges», als das Brühl-Schulhaus eingeweiht wurde, sind sich die Lehrerinnen Brigitte Breitschmid, Christine Lüthi und Anna Buser einig. Sie kennen das Weststadt-Schulhaus seit der ersten Stunde. Ein Riesenfest wars auch, als gestern 2x11 Jahre Brühl gefeiert wurden. «Das Schulhaus ist noch farbiger, noch heterogener geworden seither», weiss Lüthi, wohlwissend, dass die Herausforderungen im kulturell durchmischten Weststadt-Quartier bis heute nicht weniger geworden sind.

Gleichzeitig denkt man gerne an die Meilensteine, die man unter diesen besonderen Bedingungen passierte: an die Partnerschaft zu einer kongolesischen Schule in Kamutanga, die man seither mit karitativen Aktionen unterstützt; oder an den Pestalozzipreis, den das «Brühl» 2008 für seine Partizipationsbemühungen für Schüler erhalten hat. Es sind dies auch die Qualitäten, die Stadtpräsident Kurt Fluri in seiner Festrede in der grossen Turnhalle hervorhob: «Die Lehrerschaft benötigte in diesem speziellen Umfeld mehr Handlungsfreiheiten. Und so fand das Modell der teilautonomen Schule hier kantonsweit seinen Ursprung.» Und nicht nur das. Fluri unterstrich auch die Rolle der Schule als «Quartierentwickler und Integrationsfaktor». Dem Lob schloss sich Schuldirektorin Irène Schori an, die der Lehrerschaft für ihren Willen, Idealismus und ihre Freude dankte.

Schulbankerinnerungen

Lorbeeren, die noch heute nachwirken. So haben Lehrer- und Schülerschaft gemeinsam auf die Feierlichkeiten hingearbeitet und -gefiebert: Rund 250 Schüler aus 29 Nationen präsentierten gestern ein ebenso multinationales Apéro wie vielfältiges musikalisches Unterhaltungsprogramm und begrüssten in 29 Sprachen Eltern, Gäste, ehemalige Lehrer und ehemalige Schüler. Gerade letztere brachten bei den zahlreichen Begegnungen am «Brühl»-Geburtstag auch mal eine Lehrerin oder einen Lehrer ins Grübeln, auf das dann meistens ein entsprechendes «Aha» folgte: «So klein warst Du, als Du bei mir in der Klasse warst», hörte man hie und da. Einer, der das «Brühl» auch noch aus der Schülerperspektive erlebt hatte, ist der 26-jährige Philippe Boillat, der seit damals gestern zum ersten Mal wieder reinschaute. Ab der vierten Klasse drückte er hier die Schulbank und erinnert sich grinsend daran: «Heute weiss ich, warum man damals behauptete: ‹Geniesse die Zeit in der Schule!›»

Am gestrigen Fest bewiesen die «Brühlianer» allemal, dass ihnen ihr Schulhaus – trotz «Ufzgis» und Tests – mit seinem Zauberwäldchen und seinem Bienenhotel ans Herz gewachsen ist. Und noch wichtiger: Dass auch der Hans in der konfliktgeschüttelten grossen Welt draussen vom Hänschen aus dem kleinen interkulturellen Schulhaus in der Weststadt was lernen könnte...