Was dem einen abhanden kommt, kommt dem anderen zugute: Während einerseits Sparmassnahmen das baldige Ende des bedienten Westbahnhofs markieren, wird am Hauptbahnhof investiert. Mit der Devise «Mehr Bahnhof» wollen die SBB Mehrwert schaffen, der beim Bahnhof West nach eigenen Angaben mangels Wirtschaftlichkeit ausblieb. Nach einigen baulichen Anpassungen im Jahr 2009 und der Erschliessung durch das Gewerbegebäude «Perron1», folgen nun weitere Angebotserweiterungen abseits des reinen Fahrgeschäfts.

«Das Referenzobjekt Olten, wo ‹Mehr Bahnhof› bereits umgesetzt wurde, wird von den Bahnkunden bereits sehr geschätzt», resümiert SBB-Sprecher Ginsig Roman Marti: «Nun wollen wir auch die Kantonshauptstadt gleichermassen aufwerten», schliesslich solle sich der Kunde entsprechend wohl fühlen. Mit Fingerzeig auf den ebenfalls rückgebauten Zweitbahnhof Hammer bei Olten macht er die Parallelsituation zu Solothurn mit ebenfalls zwei Bahnhöfen deutlich.

Brezeln ab Mitte September

Während zurzeit beim Gleis 1 und in der Personenunterführung hinter Holzverschlägen gehämmert wird, mag sich der eine oder andere Bahngast fragen, was da in der «Kiste rappelt». Hier nämlich haben die Bundesbahnen 700000 Franken in einen Takeaway-Standort investiert. Aus bautechnischen Gründen musste der Bauplatz auch von oben her erschlossen werden. Auf den Thron steigen wird dort der «Brezelkönig» mit seiner 29. Filiale.

Gemäss einer vorsichtigen Schätzung von Lydia Muff, der zuständigen Bereichsleiterin Filialen des Backwarengeschäfts, soll der Standort Mitte September eröffnet werden. Rund fünf bis sechs Angestellte werden dort während sieben Tagen die Woche zwischen 5 und 21 Uhr Backwaren feilbieten. «Natürlich müssen wir zunächst herausfinden, wie sich die Öffnungszeiten im Falle Solothurns bewähren.» Die hiesige Filiale wird sich auf das sonst übliche Konzept und Sortiment von «Brezelkönig» stützen. In Sachen Littering ist man verhältnismässig unbesorgt, da man mit dem wenigen Verpackungsabfall auch an anderen «Brezelkönig»-Standorten keine schlechten Erfahrungen gemacht habe.

Noch mehr Bahnhof in einem Jahr

Wie SBB-Sprecher Roman Marti informierte, folgen dem «Brezelkönig» weitere Ausbaupläne, die sich im Investitionsrahmen eines einstelligen Millionenbetrags bewegen: «Dazu zählt in erster Linie die Modernisierung der Schalteranlagen.» Die bisherige «Schalteratmosphäre» wird hellen, offenen Verkaufstheken weichen – analog zum Umbau im Bahnhof Olten. Im Bereich der Gepäckabfertigung soll eine Drogerie entstehen. Auch die leer stehenden Flächen im Westteil, wo vorher ein Kebap-Imbiss war, sollen umgestaltet werden: «Diese Pläne sind noch nicht ganz spruchreif, wir regeln zurzeit die letzten Details.»

Klar sei, dass das Baugesuch für die umfassenden Pläne gegen Ende August aufgelegt werde. «Wir möchten mit den Bauarbeiten Anfang 2012 beginnen, sodass sie bis im Herbst abgeschlossen sind», kündigt Marti an. Derweil werde es unvermeidlicherweise zu Übergangslösungen kommen: «Bauen am Bahnhof ist immer eine Operation am offenen Herzen.» Bau- und Bahnbetrieb kämen in Solothurn jedoch gut aneinander vorbei, der Zugang zur Bahn werde nicht beeinträchtigt: «Mittels eines Verkaufsprovisoriums in Containern können wir die Zeit ohne grosse Einschränkungen für unsere Kunden überbrücken», so Marti.