HESO 2013
Sardinenstehen bis zum Abwinken: Das Nachtleben an der HESO brummt

Ob im Red Grizzly Saloon, im Festzelt «Zur Schanze» oder im Nightstyle-Zelt von Harri Kunz: Überall wurde gefeiert, was das Zeug hält. Doch die Stimmung änderte sich mancherorts schnell. Und am Ende wurde es sogar blutig.

Wolfgang Wagmann
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Nachtleben an der HESO

Hansjörg Sahli

Die Schlange ist lang vor dem Schwingerzelt. Doch oh, Wunder, innert kürzester Zeit sind wir drin. Denn einige sehr junge Semester haben sich rechts Richtung Böschung aus der Kolonne verzogen. Das Schild «Eintritt ab 18 - Ausweiskontrolle» hat das Wunder bewirkt. Drinnen Sardinenstehen. Plus Alkohol, plus federnder, abgrundtiefer Holzspänegrund. Schwingerzelt eben, nur ohne Sägemehl. Junges Publikum, Typ U 30, Männlein und Weiblein gemischt, wummernde Bässe, Musik eher rustikal.

Und in Fernsehern oben an der Decke wird geschwungen, was das Zeug hält. Die hübsche Bardame hat keine Zeit zum Smalltalken. Die Jungs und Girls strecken Hunderter, ja Zweihunderternoten fast im Sekundentakt über den Tresen. Beim Bier wird nicht gross gefackelt, die braune Halbliterflasche aus Rheinfelden muss es sein. Dazwischen werden fleissig Schwingerdrinks abgezapft - chemische Mischung unbekannt. Bis dann ein ganz toller Hecht auftaucht. Und gleich acht Fläschchen Jägermeister ordert. Schade, dass aus den Boxen nicht gerade der Hit der «Toten Hosen» erklingt: «Acht kleine Jägermeister fuhren gerne schnell, sieben fuhrn nach Düsseldorf, einer fuhr nach Köln.» Das hätte gepasst.

Ein Hauch Oktoberfest

Beim Red Grizzly Saloon passt nun wirklich nichts mehr rein. Drinnen wogts hin und her zu Boogie Wooge unter dem stoisch dreinschauenden, weil ausgestopften Elchschädel. Das Festzelt «Zur Schanze» scheint auch proppenvoll, doch die transparenten Plastikwände verraten: Da geht noch was. Der Security wirkt nachgerade einladend freundlich. Wieder Sardinenstehen. Eine Blondine kräht ins Mikrofon, doch die Oktoberfest-Kränze an der Decke fallen nicht runter.

Der Kampf ums Bier. Immerhin, es gibt ein würziges Weizen. Zwar im Plastikbecher, aber immerhin. Ein zweiter Blick: Es gäbe auch Sitzplätze, in der Walhalla von Markus Moerler. Und gläserne Masskrüge. Doch ein Hauch von Wiesn also. Aber mit Sitzen, das wird nix. Wieselflinke Kulis asiatischer Herkunft tragen frei werdende Tische und Stühle in Windeseile weg ins Nirwana. Logo, auf einen verschwundenen Sitzplatz kommen locker drei, vier gestandene Mannsbilder. Und drei trinken das Dreifache von einem. So einfach ist das - also wieder Sardinenstehen.

Man kennt sich

Das gilt auch oben im Nightstyle-Zelt von Harri Kunz. Dazu kommt Bierfreunden das kleine grüne Fläschli vom Weltkonzern für einen Sechsliber nicht besonders entgegen. Aber das Publikum ist reifer, Solothurn-funky - ja, man kennt sich. Auch das Personal ist sehr nett, nicht nur der langjährige Austria-Import Werner mit seinem Schmäh. Dann die Musik: Echt Hammer, was die deutsche Party-Combo Gonzo 'n' friends mit ihrem Teufelsgeiger auf die Bühne zaubert. Und mit etwas Gin Tonic zwischendurch lässt sich das grüne Fläschchen auf die Dauer aushalten.

Denn aushalten ist das richtige Stichwort: Wer seine Blase belastet, muss ins Bienenhaus Reithalle-WC. Wo vor den Kabinen mit dem Männlein drauf auch solche aufs Pipi plangen, die gar keine sind. Das Reithalle-WC ist aber auch sonst tückisch: Wer rauskommt, in die frische Nachtluft, entscheidet sich oft ganz spontan für den Heimweg. Wenn dieser in Richtung Norden führt, begegnet man Richtung Soldatendenkmal noch allerhand. Jetzt nach Mitternacht sind alle Leute sehr gut drauf, es wird viel gelacht und alles scheint friedlich gestimmt.

Eine Schlägerei und viel Alkohol

Eine Stunde später kann alles ganz anders sein. Der eine schubst den andern in den Schanzengraben, die Fäuste fliegen, einer mit blutigem Gesicht landet auf dem Polizeiposten, andere kommen dazu. «Wir haben diverse Täter angehalten», so Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei, die von der HESO-Security und der Jugendpolizei des Kantons in Zivil unterstützt wird.

Vom Samstag auf Sonntag gabs ebenfalls Rempeleien gegeben, «doch da waren wir jeweils zur rechten Zeit am rechten Ort und konnten dazwischengehen». Fedelis Hauptproblem: «Es ist extrem, was die Leute an Alkohol anschleppen.» Doch wenigstens in einem Punkt macht ihm der Schanzengraben keine Sorgen: Die in Tests gehörten Dezibel-Werte der Partylöwen seien stets im Bereich des Erlaubten gewesen.