Kunstmuseum Solothurn
Sanduhren, Video- und Fotoarbeiten: Kann man die Zeit sichtbar machen?

Das Kunstmuseum Solothurn eröffnet am Samstag zwei neue Ausstellungen. Im Parterre des Museums wird es die nächsten zwei Monate um die Zeit gehen. Das Grafische Kabinett zeigt die Fotoarbeiten der Österreicherin Iris Hutegger, sowie textile Kunstwerke von Alice Bailly.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Ausstellung Zeit verstreichen im Kunstmuseum Solothurn
7 Bilder
René Zäch, Uhr Relief, 2013, Holz, Karton, Acryllack, Wechselrahmen, 31 x 41 x 6 cm
Anna-Sabina Zürrer, Auslese Bauwerke II, 2016, Performance mit Projektion von Diapositiven
Luca Frei, The Sun Twenty Four Hours, 2011
Ursula Müller, aus der Serie Still ist es, 2009-2013, Fine Art Print, 50 x 40 cm
Claudia Kübler, Zeit verstreichen, 2013, Videoloop
Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, seit 1974, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm

Ausstellung Zeit verstreichen im Kunstmuseum Solothurn

Roman Signer

In den sieben Parterre-Sälen des Kunstmuseums heisst es ab heute «Zeit verstreichen – Zeit und Dauer in der Gegenwartskunst». Es sind Arbeiten von 13 nationalen und internationalen Kunstschaffenden zu einer kurzweiligen Ausstellung zu sehen, für die man sich als Besucher auch Zeit nehmen sollte.

Patricia Bider, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunstmuseums und verantwortlich für diese Schau sagt: «Das Thema Zeit ist derzeit in aller Munde. Wir alle sind in irgendeiner Weise davon beeinflusst. Natürlich auch die Künstler. Es gibt einige, die dazu interessante Aussagen machen.»

Da ist René Zäch, dessen «Uhren» in allen Räumen der Ausstellung zu entdecken sind. Doch, zeigen Sie uns eine Zeit an? Was soll ein Sekundenzeiger in einer Uhr ohne Minuten- und Stundenanzeige? Zächs hintergründiger Humor dringt in seinen verschiedenen kleinen Objekten deutlich hervor.

Von Zäch zu Dreher

Sechzig Sanduhren, die alle je eine Stunde zum Abrieseln benötigen sind im ersten Saal zu sehen. Sie stehen auf einem Gestell und stammen von Luca Frei. Jeder Zuschauer kann sie drehen.

Die Zeit ist also nichts Absolutes, sondern immer wieder eine neue Grösse. Genau wie die Arbeiten von Zäch sind in allen Sälen auch Videos oder Objekte von Roman Signer zu finden.

Auch er einer, der mit seinen Interventionen die Abfolge von Ereignissen innerhalb einer Zeitspanne immer wieder untersucht. Wie die Zeit auch unsere Wahrnehmung beeinflusst zeigen die malerischen Arbeiten von Peter Dreher mit Porträts von Robert Walser, aber auch seine täglich entstehenden Wassergläser.

Dreher will, dass eine scheinbare Ereignislosigkeit, wie dieses immer gleichen Wasserglas, vom Betrachter ausgehalten wird und er erkennt, dass doch jedes einzelne Glas ein Ereignis ist. Fotografin Ursula Müller zeigt mit ihrer Fotoarbeit «Still ist es» die Vergänglichkeit von Dingen.

Es sind Gegenstände einer verstorbenen Frau, welche die Fotografin vom Unscheinbaren zum Spektakulären macht. Eindrücklich ist auch eine Videoarbeit von Claudia Kübler, die der Ausstellung ihren Titel gibt. «Zeit verstreichen» nimmt Kübler wörtlich, indem sie Uhrzeiger zu Pinseln macht, die schwarz über ein Zifferblatt streifen.

Die Ausstellung endet mit einer weiteren Videoarbeit, jener des Belgiers David Claerbout. Er schafft es, verschiedene Zeitebenen in einem Videofilm zu vereinen und das Seltsame ist: Erinnern wir uns nicht genau in dieser Art und Weise an Begegnungen in unserem Leben?

Textiles von Frauen

Im Grafischen Kabinett sind dann weitere Entdeckungen zu machen: Den Fotoarbeiten der jungen österreichischen Künstlerin Iris Hutegger (*1964) werden die textilen Kunstwerke von Alice Bailly (1872–1938) gegenüber gestellt.

So unterschiedlich die Lebenszeit der beiden Künstlerinnen ist, so gemeinsam ist die Kraft ihres künstlerischen Ausdrucks.

Vernissagen: heute Samstag, 20. August 17 Uhr. Beide Ausstellungen dauern bis 30. Oktober.