«Ich habe immer gesagt, dass ich gerne ein Solothurner Altstadthaus kaufen möchte», sagt Urs Rudolf. Längst besitzt er hier nicht nur eines – sondern etliche. So viele, dass Neider sagen, dem «Solothurner Immobilien-Tycoon» gehöre bald die halbe Altstadt. «Das ist total überrissen!», wehrt Urs Rudolf bei einem Kaffee – schwarz, ohne Zucker – in seinem Büro ab: «Als Nischen-Player kaufen wir gezielt Häuser mit einer gemischten Nutzung von Wohnen/Verkaufsgeschäft. Dies erlaubt einen guten Mix auch bezüglich der Mietzinsen.»

Aber wie viele Häuser gehören seiner Firma, der «Solothurnischen Immobilienverwaltung», denn tatsächlich? Urs Rudolf weicht aus: «Es sind in der Stadt etwa 100 Wohnungen.» Wir lassen nicht locker: Rechnet man durchschnittlich fünf Wohnungen pro Haus, dann gibt das gut und gerne mindestens 20 Altstadthäuser? «Plus, minus kommt das hin», bleibt der Geschäftsmann vage.

Er betont lieber, dass er in seinen Liegenschaften gegen 75 Wohnungen dem Markt erst wieder zugänglich gemacht habe. Zum Beispiel Logis oberhalb von Ladengeschäften, die zuvor ungenutzt waren oder bestenfalls als Lagerräume gedient hatten.

«Bezahlbare, vernünftige Preise»

Beim Um- und Ausbau der Häuser, den er in der Regel mit seinem «Hausarchitekten» plant, überlässt Urs Rudolf nichts dem Zufall. Für ihn gilt: «Eine Wohnung soll immer so ausgebaut werden, dass auch ich selber mich darin wohlfühlen würde.» Er bezahle er auch «nicht jeden Preis» für ein Haus.

Deshalb könne er seine Wohnungen – trotz der stets besten Lagen und attraktiven Ausbaustandards – zu (wie er sagt) «bezahlbaren, vernünftigen Preisen» vermieten. Mietzinsen, die sich allerdings am Markt orientieren und primär den gehobenen Mittelstand ansprechen. Diese Rechnung scheint aufzugehen: «Unser Leerwohnungsbestand liegt bei unter einem Prozent.»

Grosses Portfolio

Den Grundstein zu seinem Imperium legte Urs Rudolf mit dem Kauf «einer alten Hütte an der Goldgasse». Zuvor war er – in den Fussstapfen von Grossvater und Vater – erst in der Uhrenbranche und dann im Bijouterie-Detailhandel tätig gewesen. «So nebenbei» kamen weitere Häuser hinzu, bis er sich vor 20 Jahren gänzlich auf dieses Metier verlegte. Inzwischen gehören auch Liegenschaften etwa in Bern, Biel und Aarberg zum Portfolio. Die stilvollen Büros des Teams – Rudolf beschäftigt drei Immobilien-Bewirtschafterinnen – liegen an schönster Lage, am Solothurner Märetplatz.

Welche Liegenschaft kauft der «Häuser-Sammler» denn als nächste? Er schmunzelt: «Das wird sich zeigen. Es gibt da schon zwei, drei Häuser, die mich interessieren.» Was ist es denn eigentlich, was Rudolf antreibt? «Es ist total faszinierend, ein Haus zu kaufen, es wieder in Schuss bringen zu können. Und es ist ein gutes Gefühl, eine Liegenschaft der Spekulation entzogen zu haben», setzt er noch eins drauf.

Er selber sieht sich jedenfalls keineswegs als Spekulant. «Wir haben kein einziges Haus übernommen und dann teurer weiterverkauft.» Ebenso sei es für ihn auch kein Thema, Luxus-Eigentumswohnungen einzubauen und mit deren Veräusserung dann den grossen Reibach zu machen.

Alter ein Rätsel

Urs Rudolf ist spontan, offen und unverkrampft. Doch bei drei Themen gibt er sich äusserst zugeknöpft: Dies gilt nicht nur für die Frage nach der Anzahl seiner Häuser, sondern ebenso für die Umsatzzahlen, die ein Firmengeheimnis bleiben. Nur so viel mag er verraten: «Wir sind rasant gewachsen und ein guter Steuerzahler in der Stadt.»

Das dritte «Rätsel» schliesslich ist Rudolfs Alter: «Schreiben Sie ‹im besten fortgeschrittenen Arbeitsalter›.» Dies empfiehlt ein sonnengebräunter, modisch gekleideter und dynamisch auftretender Mann. Einer, der sich nach eigenem Bekunden täglich «mit grosser Freude in die Arbeit stürzt», während seine Altersgenossen schon seit fünf Jahren den verdienten Ruhestand geniessen ...

Zum Ausgleich treibt der bekennende Frühaufsteher gerne Sport: Bis anhin nahm er jeweils am New-York-Marathon teil (gegenwärtig zwingen ihn Knieprobleme zum Pausieren). Stattdessen ist Urs Rudolf regelmässig mit dem Bike auf den Jurahöhen unterwegs und zur Not dient ein Rudergerät im Keller seines Wohnhauses – notabene ausserhalb der Altstadt gelegen – für frühmorgendliches Indoor-Training.

Und wie gehts weiter? Tritt der erwachsene Sohn, angehender Arzt, dereinst in Vaters Fussstapfen? «Nein, nein», winkt Rudolf ab. «In der Familie galt immer das Prinzip, dass Kinder nicht zu etwas verknurrt werden sollen. Das kommt nie gut.» Auch seine Ehefrau, die Schriftstellerin Gisela Rudolf, «hat mit Häusern wenig am Hut».

Sicher sei auf jeden Fall: «Unser Immobilien-Portfolio soll zusammenbleiben.» Derzeit würden zwei, drei mögliche Szenarien diskutiert, darunter die Errichtung einer Stiftung, verrät Urs Rudolf noch. Und dann ist es für ihn bereits wieder Zeit für einen nächsten Termin. Gut möglich, dass sich der «Häuser-Jäger» erneut auf die Pirsch begibt.