Fasnachtsumzug

Samariter am Umzug: Früher mit Pflästerli, heute mit Beatmungsgerät

Konfetti richten keinen Schaden an – und für gravierende Fälle ist der Samariterposten da. Archiv

Konfetti richten keinen Schaden an – und für gravierende Fälle ist der Samariterposten da. Archiv

Während der grossen Fasnachtsumzüge diskret im Hintergrund jederzeit einsatzbereit, sind sie unentbehrlich –- die Mitglieder des Samaritervereins Solothurn.

Heute in ihren gelben Leuchtjacken sofort erkennbar, sind die grossen Narrenparaden für diese stillen Helfer dann gut verlaufen, wenn sie aus ihren drei Standarten im Amthaus 2 am Amthausplatz, im Chuchilade an der Hauptgasse 62 und im Vorraum der Aula der Gewerblich-industriellen Berufsschule in der Vorstadt nicht ausrücken müssen oder dort wenig bis nicht aufgesucht werden. Bis 1964 begleiteten die inzwischen verstorbenen Urs Gassler und Werner Bläsi die Umzüge zu Fuss. In ihren braunen Umhängetaschen hatten sie für eine allfällige erste Notversorgung Schere, Pinzette, Pflästerli und Verbandsstoff bei sich.

Gekennzeichnet waren die beiden ernst dreinblickenden Herren mit der obligaten weissen Armbinde und dem roten Kreuz drauf. «Wir können nur annehmen, dass unsere Mitglieder seit der Wiederaufnahme der Umzüge nach Kriegsende im Jahr 1946 immer dabei waren, denn alle unsere Akten wurden 1955 beim Landhaus-Brand vernichtet», weiss Arlette Lisibach-Meier, auch dieses Jahr für den Postendienst verantwortlich, zu erzählen.

Mit der Technik schrittgehalten

1965 wurde von den Fusspatrouillen auf feste Posten mit zwei Samaritern umgestellt. Auf der alten Route mit dem Kontermarsch in der Vorstadt befanden sich diese im Haus Hirschen in der Hauptgasse 5, im Tea-Room Baumberger (heute Suteria) an der Hauptgasse 65 und im Modehaus Kneubühler an der Hauptbahnhofstrasse 8. «Man kam zur Überzeugung, feste Posten können besser eingerichtet werden mit Bahren und dem neuen Verbandsmaterial», sagt Lisibach.

Heute gehört weitere Ausrüstung wie Blutdruckgerät, Beatmungsgerät, verschiedene Tropfen für alle Zwischenfälle und immer weiter entwickeltes Verbandsmaterial zum Grundbedarf. «Bei grösseren Zwischenfällen sind wir mit der Stadtpolizei und der Umzugsleitung per Natel verbunden, die nötigenfalls die Verbindung zum Bürgerspital herstellen», erläutert die Postenchefin.

Arlette Lisibach, seit 1970 im Verein, seit 1972 im Vorstand und von 2001 bis 2012 Präsidentin, kennt keine grossen Einsätze in dieser Zeitspanne. «Zum Glück haben wir jeweils relativ wenig zu tun, meistens Bagatellfälle, die Behandlung von Kreislaufkollapsen und Schnittwunden, aber um diese Tageszeiten noch keine Alkoholleichen.» Einzig 2010 brauchte es den Krankenwagen: «Am Fasnachtsdienstag verunfallte eine Frau beim Gurzelngass-Brunnen vor dem Manor. Während des Umzugs hat das Warenhaus jeweils geschlossen, aber weil Personal anwesend war, konnte die verunfallte Person durch den Laden in die St. Urbangasse und von dort ins Bürgerspital gebracht werden. Was genau passiert ist, erfahren wir jeweils nicht».

Fasnachtsvirus eingeimpft

Diese drei Posten werden gerne von jungen Müttern aufgesucht. «Sie kommen zum Stillen, Wickeln und Schöppeln zu uns», spricht Lisibach einen Aspekt ihrer Dienste an. Ein persönlicher Wermuts-Tropfen verbleibt, weil sie die Umzüge nicht live sehen kann. «Ich bin jeweils in der Berufsschule und sehe über die Köpfe höchstens den oberen Teil der Umzugswagen», bedauert sie.

Dabei wurde ihr als kleines Mädchen durch den damaligen Vorstadtzunft-Ober und späteren Mamfi-Gründer Manfred «Manfi» Kohler das Fasnachtsvirus höchstpersönlich eingeimpft: «Ich wuchs in der Vorstadt auf und durfte ihn als Rokoko-Dame an die Fasnacht begleiten.»

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