Stadtbummel Solothurn
Runter wollen alle

Mark A. Herzig
Mark A. Herzig
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Es gibt ganz feine Differenzen zwischen Downhillern und Bikern. (Symbolbild)

Es gibt ganz feine Differenzen zwischen Downhillern und Bikern. (Symbolbild)

Keystone

Es war, wie sich zeigen sollte, der zweitletzte Hochsommertag dieses Jahres. Ein Bild zum Träumen, zum sentimental, romantisch Werden, schon fast kitschig schön. Die spiegelnde Aare vor dem Bürgerhaus, von der Abendsonne in goldenes Licht getaucht. Im Wasser sitzend und stehend ein paar Leute, die herabgeschwommen waren. Und um sie herum eine Schar Enten, aufgeregt-neugierig die Menschen umkreisend. Denen hätten sie gar aus der Hand gefressen, hätten diese etwas dabei gehabt. Wie auf dem Trockenen die Tauben. Friedliche Koexistenz? Nur mit den Krähen geht das (noch) nicht, oder eher selten.

Friedliches Miteinander gibt es also auf besagter Wasserstrasse. Ein Boot kommt daher und schickt sich an, zwei Stand-up-Paddlerinnen zu überholen, und reduziert nach und nach die Geschwindigkeit, um die Sportlerinnen nicht mit der Bugwelle ins Wasser zu schmeissen. Es soll auch andere Verkehrsteilnehmende geben, wie auf dem Trockenen.

Ab uf e Bärg und vo dört obe-n-abe. Das ist DIE Losung für (sportliche) Zweirad- bzw. Velofahrer. Halt! Das ist falsch ausgedrückt, Fake-News sozusagen, oder zumindest nicht exakt genug. Denn das sind Biker. Oder doch Downhiller? Da gilt es fein zu differenzieren, denn schon ihre Sportgeräte unterscheiden sich, die Bewegungsart auch. Das hat der Stadtbummler auch erst bei einem Besuch im Bürgerrat lernen müssen: Die Biker würden auf den Berg hochstrampeln, hiess es, während Downhiller vermutlich die Gondelbahn vorzögen. Nur eines ist beiden Kategorien gemeinsam – runter wollen sie alle wieder, und das möglichst schnell. Eine Gemeinsamkeit würde man sich zusätzlich wünschen: Rücksicht auf Wandernde, die Landschaft und Natur, Pflanzen und Tiere betrachten.

Deshalb möchte man am Berg die entsprechende Strecke einrichten. Das muss sein, um zum einen Fahrer und Wanderer voreinander, aber auch die normalen Wanderwege zu schützen. Denn diese werden doch arg strapaziert. Das wurde deutlich dargestellt in einem Beitrag in Schweiz aktuell über den Üetliberg. Die gleichen Probleme dort? Das hilft uns am Weissenstein nicht, tröstet aber immerhin etwas.

Zu viel Konjunktiv (Möglichkeitsform) in diesem Text? Richtig, denn wir haben es mit Menschen zu tun und mit deren Eigenheit, dass jeder tut, was ihm am besten passt – das nennt man dann Individualisierung oder Selbstverwirklichung. Mit Gesetzen und Verordnungen ist da wenig auszurichten. Wir hoffen lieber auf Einsicht und Anstand, denn die gibt es immer noch, siehe vorne. Die schönen Tage sind nicht vorbei – ein goldener Herbst soll uns bevorstehen.