Beim Eintritt ins Künstlerhaus begegnet einem ein älterer Mann mit Rauschebart auf vier Fotografien von Manuel Stettler. Das Ergebnis einer zweitägigen Arbeit des Fotografen mit seinem «Modell». Der Mann ist ein ehemaliger Arbeiter in der inzwischen geschlossenen Kartonfabrik von Deisswil. Er hat mit dem Künstler nochmals die Räume seines ehemaligen Arbeitsortes begangen.

Dabei sind diese ausdrucksstarken und schön komponierten Bilder entstanden. Sie drücken die Gemütslage des arbeitslos gewordenen Mannes aus und sollen stellvertretend für alle Entlassenen sein. Stettler ist seit anfangs Juni als Fotograf selbstständig und freut sich, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Neben kommerziellen Projekten möchte er sich künstlerisch betätigen und eigene Projekte realisieren. Bei einer Besichtigung in Deisswil ist er mit dem abgebildeten Mann ins Gespräch gekommen.

So entstand denn dieser ansprechende, kleine Fotozyklus. Für Manuel Stettler sind Menschen wichtig, weil er versucht, mit seinen Fotografien deren Geschichten zu erzählen. Die Treppe hoch ist ein Raum mit zwei Bildern. Da sie in Weiss gehalten sind und auf den ersten Blick an Werke von Jean Mauboulès erinnern, ist genaues Hinsehen gefragt. Es sind Werke von Yves Scherer (Preisträger) und Zarah Landes auf Tyvek. Das ist ein papierartiges Material, welches nicht fasert. Scherer steht am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn und sucht sich seinen Weg in der Kunstlandschaft. Er lebt in Berlin und findet, dass eine Grossstadt mehr Inspiration bietet und er sich mit viel mehr Leuten austauschen kann.

Früher hat er Skulpturen aus Holz und Beton geschaffen. Er ist erst am Vorabend der Vernissage angereist, hatte das Konzept im Kopf und hat die beiden Bilder unmittelbar vor der Vernissage auf eine lackierte Holzplatte aufgezogen und fertiggestellt.

«Hier sind meine Freunde»

Ein Stockwerk höher kommt der von Piera Sutter und Alina Schmuziger gestaltete Raum. Es war für die beiden Künstlerinnen nicht einfach, diesen zu bespielen, denn er dokumentiert ein Projekt von Kunst im öffentlichen Raum. Dabei ist zu erfahren, dass das Projekt eigentlich bereits auf der Mauer gegenüber dem Künstlerhaus beginnt. Dort wird das Publikum eingeladen, sich ganz individuell am Stadtplan zu schaffen zu machen. Ausgehend vom Marktplatz in Grenchen sollen Leute einen Plan zu einem bestimmten Ort zeichnen. Anschliessend wird auf einer CD festgehalten, warum für die Person dieser Ort wichtig ist oder war. Wenn Besuchende der Ausstellung sich genug Zeit nehmen, können sie Pläne und CDs betrachten oder hören. Die aufgehängten Fotografien dokumentieren zum Teil das Projekt und sind zum anderen Teil von den Leuten auf dem Weg zum ausgewählten Ort aufgenommen worden.

Gegenüber befindet sich die Installation von Sabine Tiller. «Oder wir hatten gar keine Garderobe» heisst das Motto, das Grundmotiv ist das Erinnern. Der Tisch, auf dem postkartengrosse Fotos ausgebreitet sind, erinnert an ein Labor. Die Fotos sind undeutlich, weil Erinnern meist auch keine klaren Bilder ergibt. Zur Installation gehört ein Buch, das Dialoge zwischen Mutter und Tochter enthält. Diese sind aus der Erinnerung entstanden und somit unter Umständen auch nicht der Realität entsprechend.

Wozu die Förderpreise?

Übereinstimmend sind sich die fünf mit dem Förderpreis des Kantons Solothurn ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler einig, dass sie diesen finanziellen Zustupf gut gebrauchen können. Neue Projekte entwickeln braucht Zeit (und Geld). Teilweise sind diese derzeit noch im Embryo-Stadium. Manuel Stettler wird an einem Projekt über Land und Leute im Kanton Solothurn arbeiten und Yves Scherer wird in London ein Studium absolvieren.

Die Ausstellung dauert bis zum 16. September. Öffnungszeiten: Do/Fr 16 bis 19 Uhr, Sa/So 14 bis 17 Uhr.