Solothurn ist eine überdimensionale Speisekarte. So zumindest fühlte es sich für einen Gast der «Route Gourmande» an, die am vergangenen Wochenende bereits zum zweiten Mal über die Bühne ging. Über insgesamt neun Stationen vom Ramada bis zum Landhaus führte der Parcours - vom Apéro und Amuse-Bouche über den Hauptgang bis hin zum Dessert und Schlusstrunk.

Ziel: eine glatte Null

230 Teilnehmer liessen sich durch Gaumenfreuden und edle Tropfen der Winzerdelegation aus dem waadtländischen Yvorne verköstigen. Gegenüber der Erstauflage im vergangenen Herbst konnte Hans-Ruedi Gerber, der jeweils den Anlass zusammen mit Andy Zaugg («Alter Stephan») organisiert, somit eine erhebliche Steigerung verzeichnen.

2013 waren es lediglich 125 Personen gewesen, die an der «Route Gourmande» mitliefen. «Wir verbuchen heuer zwar ein leichtes Defizit, aber eines, das wir durchaus so einkalkuliert haben», sagt Gerber und prognostiziert für kommende Jahre: «Mit 300 Teilnehmenden werden wir bereits eine glatte Null schreiben.»

Noch grösser werden wolle aber man nicht: «Mehr als zehn Personengruppen lassen sich an einem Tag nicht unterbringen, das wäre zu stressig.» Wobei: Eine Gewinnorientierung stehe beim «Route Gourmande» ohnehin nicht im Vordergrund.

«Vielmehr geht es darum, den Winzern aus Yvorne und den Restaurants eine Möglichkeit zu bieten, sich zu präsentieren.» Zu diesem Zweck wurde als diesjährige Galionsfigur auch Pierrot Ayer eingeladen.

2013 hatte der Fribourger Koch seinen 18. Punkt von Gault Millau erhalten. Zudem konnte heuer der Rittersaal im Von-Roll-Haus als Lokalität herangezogen werden, was Gerber als weitere Veredlung des Anlasses betrachtet. Auch schätzt er es, dass sich die Yvorner für einen Schulterschluss in Solothurn gefunden haben: «Dass die Winzer zusammen auftreten, ist selten. Aber für sie zählt eben der Aspekt, dass sie hier auch Neues sehen und potenzielle neue Kunden finden können.»

Länger Zeit für Genuss und Wissen

Gegenüber 2013 wurden heuer einige Änderungen vorgenommen, die sich laut Gerber bewährt haben. Zunächst wurden die Abstände zwischen den einzelnen Zwischenhalten von 20 auf 30 Minuten erhöht.

«Das war insofern ein grosser Vorteil, als dass den total zehn Gruppen auf diese Weise mehr Zeit blieb, um noch mehr über die Stadt und die Speisen zu erfahren», befand Gerber. Konkret waren es diesmal Stadtführer von Solothurn Tourismus, die die Feinschmecker durch die Altstadt geleiteten.

Indem sie Denk- und Merkwürdiges zur Stadt erfuhren, kamen die Teilnehmer zwischen den Gängen so auch zu Nahrung für den Geist. Zudem stellten die Winzer aus Yvorne ihre Weine vor, währenddem die Küchenchefs ebenfalls Wissenswertes zu ihren Gerichten erläuterten. Mit diesem «Infotainment» durch die Stadtführer wollen die Organisatoren auch nächstes Jahr punkten. «Damit hatten wir einen grossen Erfolg.»

Bewährt hat sich auch die Jahreszeit: Während der Anlass 2013 im September stattfand, wurde er neu aus gleich zwei Gründen auf den Frühling terminiert: Einerseits seien jeweils im Herbst auch sonst sehr viele Veranstaltungen.

«Und zum anderen kann man den Gästen jetzt bereits den Wein präsentieren, der im Vorjahr gelesen wurde», so Gerber. So wird der Anlass auch nächstes Jahr wieder im Frühling stattfinden, und zwar am 31. Mai 2015.