Oktoberfest Solothurn
Rotweiss wird drei Tage lang Blauweiss

Von 27. bis 29. Oktober verwandelt sich die Reithalle erstmals in ein «Little Wiesn». Obwohl das Umfeld für eine Veranstaltung dieser Art bereits gesättigt ist, glaubt niemand, dass die Investition ins Blau-Weisse ein Schuss ins Blaue werden könnte.

Andreas Kaufmann
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Herrschen günstige Winde für die Solothurner «Wiesn»-Version, wenn rundherum schon «Oktoberfestivitis» grassiert? Andreas Kaufmann

Herrschen günstige Winde für die Solothurner «Wiesn»-Version, wenn rundherum schon «Oktoberfestivitis» grassiert? Andreas Kaufmann

Solothurner Zeitung

Normalerweise endet mit der HESO der stetige Wechsel der Brückenbeflaggung in Solothurn. Doch dieses Mal flattert ein neues Signet im Herbstwind: «Oktoberfest Solothurn» liest der Passant, als handle es sich – wie bei den Filmtagen, den Literaturtagen oder eben der Herbstmesse – um einen Traditionsanlass, um eine feste Grösse im Solothurner Jahreskalender.

Wird zum Debüt nicht schon zu dick aufgetragen? Und werden nicht zu hohe Erwartungen geschürt, noch bevor «o’zapft is»? Mitnichten, sagen Markus Moerler und Olcay Sahin, die Betreiber des «Eleven» und jetzt auch Initianten der Solothurner Wiesn-Adaption: «Wir haben das Ganze nicht unter dem Motto ‹Schauen wir mal› aufgezogen, sondern glauben fest daran, dass unser Oktoberfest eine feste Grösse in Solothurn werden kann», so Moerler.

Es «Oktober-festet» inflationär

Dass aber das Umfeld für eine Veranstaltung dieser Art bereits gesättigt ist, weiss auch er: «In den letzten Jahren entwickelte sich hierzulande und auch in der Region eine wahre Inflation von Oktoberfesten. Praktisch jedes Dorf hat eins.» Und dabei seien die Umsetzungen oft wenig liebe- oder stilvoll: «Es bleibt jeweils oft bei simpler Festzeltromantik.»

Dass die Investition ins Blau-Weisse in Solothurn ein Schuss ins Blaue werden könnte, glaubt Moerler allerdings nicht. Dafür haben Sahin und er das Original und einige seiner Nachahmer – mehr aus dem Fokus der Veranstalter, denn als eigentliche Besucher – abgeklappert und sich danach die Frage gestellt: «Wo positionieren wir uns?» Ihr Fazit: Beim Oktoberfest Solothurn soll die Authentizität an oberster Stelle stehen. «Wir setzen dazu ganz auf bayrische Gemütlichkeit und lehnen uns stark ans Original an», verrät Markus Moerler schon jetzt.

Dies beginnt mit dem Festbier, das aus der Münchner Traditionsbrauerei «Schneider Weisse» stammt, wobei auch andere alkoholhaltige bis -freie Hopfensäfte zu haben sind. Das Personal diesseits des Tresens wird sich ebenfalls durch authentische Felderfahrung im Mass-Stemmen kennzeichnen. «Unser Servicepersonal hätte nach kurzer Zeit schon eine Sehnenscheidenentzündung. Für das stundenlange Herumreichen der Literkrüge braucht es schon Original-‹Resis›, die Training haben.» Zur bayrischen Gemütlichkeit kommt die Geselligkeit hinzu: So werden die Tische an Gruppen zu je acht Personen vergeben. Optisch sollen ansprechende Dekorelemente, akustisch drei Stimmungsbands und kulinarisch bayrische Spezialitäten fürs authentische Ambiente sorgen.

Aufhören, wenns am schönsten ist

«Aus is!» heissts in München bereits vor Mitternacht. Das soll auch in Solothurn nicht anders sein. Um 23 Uhr werden die Zapfhähne abgestellt: «Die Stimmung ist am Münchner Oktoberfest meistens um 20 Uhr auf dem höchsten Punkt und hält an», so Moerlers Erfahrung. «Deshalb gilt auch bei uns die Devise: Aufhören, wenns am schönsten ist.» So sorgen «dramaturgisch» die drei Bands ebenfalls für den entsprechenden Festverlauf.

Dass es auch schön, vor allem aber sicher bleibt, dafür soll die Security-Firma sorgen, die schon im Umfeld des «Eleven» im Einsatz steht: «Wir schrecken auch nicht davor zurück, jemanden zurückzuweisen, der uns unmotiviert für den Anlass erscheint, seis von der Haltung, seis von der Kleidung her.» Zudem steuert eine Altersbeschränkung von 18 Jahren die gewünschte Zielgruppe ein wenig. Ansonsten werden die Sicherheitskräfte dezent im Hintergrund bleiben. «Wir rechnen auch nicht mit Pöbeleien, solche Probleme beginnen erfahrungsgemäss erst zu einer späteren Uhrzeit.»

Inwiefern das Format in Solothurn grundsätzlich Erfolg haben wird, können auch Sahin und Moerler nicht steuern: «Es ist natürlich immer auch ein Risiko, aber wir sind Geschäftsleute», so Moerler. Auf alle Fälle hoffen die beiden, dass das Veranstaltungsvakuum zwischen der Herbstmesse und «So-cool» durch das Oktoberfest Solothurn würdig ausgefüllt wird. An den Fahnenmasten der Solothurner Brücken hats um diese Zeit im Jahr allemal Platz.

Oktoberfest 27.–29. Oktober, 17–23 Uhr. Infos: www.oktoberfest-solothurn.ch

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