Solothurn

«Roter Ochsen» mischt neu in der Solothurner Hotelerieszene mit

Pünktlich zum Beginn der Solothurner Filmtage öffnet in der Stadt ein kleiner Hotelbetrieb mit elf Zimmern. Wo einst das Restaurant Berntor war, ist jetzt das Hotel Roter Ochsen zu finden.

Ein Rundgang durchs 400-jährige Haus an der Berntorstrasse fühlt sich auch heute noch an wie ein Spaziergang durch die Jahrhunderte. Knarrender Parkett, gemusterte Steinböden aus unterschiedlichen Jahrzehnten, alte Wirtshausschilder, die von früheren Beizenepochen der Gastlichkeit wie jener der «Hopfenkranz»- oder der «»Berntor»-Ära erzählen. Und daneben modernes Möbeldesign in Rot – als Kontrast zum Altstadt-Ambiente.

Was vor einem Jahr mit Abbrucharbeiten im ehemaligen Restaurant Berntor begann, öffnet als «Roter Ochsen» zeitgleich mit dem Filmtage-Auftakt vom Donnerstag seine Pforten für Hotelgäste. Vorab findet heute Mittwoch von 14 bis 18 Uhr für Neugierige zudem ein Tag der offenen Tür statt.

Mehr als nur für 08/15-Ansprüche

Elf verwinkelte Zimmer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, stehen auf vier Etagen des sechsstöckigen Hauses für Gäste parat, «die mehr wollen als nur 08/15», wie Rolf Trechsel erklärt. Der Berner Marketingfachmann entwickelte zusammen mit Heimweh-Solothurner und Gastronom Christian Stampfli die Idee eines originellen Hotelkonzepts, preiswert, gepflegt, mit Standardkomfort, «aber ohne Schnickschnack.» Trechsels Vergleich: «Wenn Napoleon in der ‹Krone› residiert hätte, so wären seine Stallknechte im ‹Ochsen› abgestiegen.»

Rolf Trechsel und Christian Stampfli vom Hotel Roter Ochsen in Solothurn

Rolf Trechsel und Christian Stampfli vom Hotel Roter Ochsen

Natürlich bilden heute nicht Stallknechte die bevorzugte Zielgruppe. Das angepeilte Publikum ist breiter: vom Geschäftsreisenden, über Familien bis zum sportlichen Pärchen – kurz: für Ansprüche im mittleren Preissegment. Für die kommenden Tage werden sich wohl vor allem Filmfans dort einquartieren. Eines hofft Trechsel aber längerfristig: «Dass die Art des Hotels bei den Leuten ankommt. Dazu bestehen schon jetzt gute Signale.»

Im «Roten Ochsen» gilt für die Gäste Selbstbedienung. «Wir haben keinen eigentlichen Restaurantbetrieb», erklärt Trechsel. Stattdessen stehen Getränkeautomat und Kaffeemaschine bereit. Und fürs angebotene Frühstück ist eher Buffet als direkte Bedienung vorgesehen. Darüber hinaus aber legen die beiden frischbackenen Hotelbetreiber das Augenmerk aufs Gesellige: «Wir möchten auf die Leute eingehen und ein persönliches Flair pflegen.» Dass es sich die beiden in der Dachwohnung häuslich eingerichtet haben, dürfte zum familiären Charakter beitragen. Ausserdem bringen Trechsel und Stampfli bereits Erfahrungen mit einem Bed- and-Breakfast-Angebot in Zürich in ihr Solothurner Hotel mit hinein.

Wichtiger Erfahrungsrucksack

Christian Stampfli selbst ist in einem Landgasthof im Wasseramt gross geworden und hat in der Gastronomie Fuss gefasst. Rolf Trechsel hat Geschichte studiert und war im Bereich Journalismus, Marketing und PR tätig. Entsprechend teilen sich die beiden auch die Aufgaben, die in einem Hotel anfallen: Für den gastwirtschaftlichen Teil ist Stampfli besorgt, Kommunikation/PR und die Rezeption ist unter Trechsels Fittichen.

Im Vorfeld die Ärmel hochgekrempelt hat zudem – neben weiteren Helfern – Architekt Bruno Walter. Zusammen mit dem «Ochsen»-Duo hat er das Konzept für den sanften Umbau erarbeitet, die Baugesuchsformalitäten mitbetreut und das Bauprojekt dann begleitet. Obwohl der Ausdruck «sanft» über einen grossen Aufwand hinwegtäuschen mag. «Es galt, möglichst viel zu erhalten.» Auch Absprachen mit dem kantonalen Denkmalsschutz waren nötig. Als wesentliche Änderungen nennt er den Ausbau des Dachgeschosses und – was die etwas düstere Beizenstimmung von vorher auflockert – ein Durchblick von der Berntorstrasse aufs Hinterhofgärtchen.

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