Schweizer Rekord
Romano Mombelli: «Aufgeben ist für mich ein Tabuthema»

Anfang April hat der Solothurner Langstreckenschwimmer Romano Mombelli die Strasse von Gibraltar als jüngster und schnellster Schweizer durchschwommen. Nun spricht er im Interview über seinen Rekord an der Küste von Marokko.

Simon Binz
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In knapp 4 Stunden ist der junge Solothurner von Spanien nach Marokko geschwommen.
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Romano Mombelli durchquerte die Strasse von Gibraltar - die Kosten für das Begleitboot, die Crew und die Ausrüstung konnte er dank dem Crowdfunding decken.
Romano Mombelli ist der jüngste und schnellste Schweizer der die Strasse von Gibralter durchschwommen hat.
Mit der Schweizer Fahne in Spanien
Wellen, Wind und Strömung machten erschwerten Mombellis Vorhaben.
Alle 20 Minuten wurde der junge Solothurner mit Verpflegung versorgt.
14 Kilometer Luftlinie beträgt die Distanz welche Mombelli geschwommen hat. Wegen Wellengang und Strömung musste er jedoch einige Kilometer mehr schwimmen.

In knapp 4 Stunden ist der junge Solothurner von Spanien nach Marokko geschwommen.

Hanspeter Bärtschi

Seit dem 5. April sind Sie offiziell der jüngste und schnellste Schweizer, der je die Strasse von Gibraltar durchschwommen hat; wie fühlt sich das an?

Romano Mombelli: Ich freue mich sehr über den Rekord und das Erreichte. Die Momente vor und während des Projekts waren aber ehrlich gesagt die schönsten.

Wieso?

Nun, nach dem Projekt ist alles vorbei. Die Freude über den Rekord ist wie gesagt gross, aber in mir ist auch so etwas wie ein Feuer erloschen.

Nach der Überquerung hatten Sie nur einige Tage Erholung. Anschliessend ging es ab ins Trainingslager nach Frankreich. Machen Ihre Muskeln da überhaupt noch mit?

Ich habe mich körperlich genügend erholt, habe aber bemerkt, dass ich nach dem Projekt sehr trainingsmüde war. Ich verspürte eine gewisse Leere. Die körperliche Müdigkeit, die ich aus Spanien mitnahm, hat bis Anfang diese Woche angehalten.

Sie sprechen von körperlicher Müdigkeit; Gibraltar war aber sicher auch psychisch eine grosse Belastung ...

Das ist so! Für mich war aber klar, wenn ich mit dem Projekt beginne, dann ziehe ich es auch durch und schwimme dort rüber. Ich bin ein bisschen ein Sturkopf, aufgeben ist für mich ein Tabuthema.

Sie dachten während der ganzen 21 Kilometer keinen Moment ans Aufgeben?

Nach etwa sieben Kilometern dachte ich mir, verdammt jetzt muss ich immer noch zehn schwimmen. Hätte ich damals gewusst, dass es zum Schluss, statt der regulären 16 gar 21 Kilometer sein werden, hätte die Situation vielleicht anders ausgesehen. Vor allem auch, weil etwas später oft der Wellengang wechselte und mir dadurch zusätzlich noch übel wurde.

Und zum Schluss noch die Probleme vor der marokkanischen Küste?

Ja, der härteste Moment des Projekts! Eine extrem starke Strömung zog mich in Richtung Meerenge hinaus. Ich musste rund 5 Kilometer der Küste entlang schwimmen und kam nur sehr schwerfällig voran. Die Begleiter im GPS-Boot suchten mir eine geeignete Stelle, um an Land zu gehen. Mein Job war es einfach ihnen hinterher zu schwimmen und keinen Gedanken daran zu verschwenden, wie lange es noch dauern könnte. Eine Stunde einem Boot zu folgen, mit dem Gefühl du kommst überhaupt nicht vorwärts ist psychisch und physisch eine extreme Belastung. Nach drei Stunden in 13 Grad kaltem Wasser, fängt dann auch noch dein Kopf an zu schmerzen ...

Trotzdem hat es geklappt!

Ja! In einer kleinen Bucht berührte ich die Felswand, habe mich kurz aus dem Wasser erhoben, meine Schwimmbrille ausgezogen und mich umgeschaut. Dieser Moment war relativ emotionslos, nach vier Stunden im Wasser funktionierst du einfach nur noch. Darum bin ich anschliessend auch gleich wieder ins Wasser gestiegen und zum Boot geschwommen.

Und haben dort die ersten Gratulationen entgegengenommen?

(Lacht.) Ja, mein Trainer im Beiboot war natürlich der Erste, der gratulierte. Anschliessend ging es aber, wegen Empfangsprobleme und Erholungsbedarf, rund fünf Stunden, bis ich auf Twitter verkündete «It's done»!

Seit Gibraltar scheinen Sie äusserst angetan von offenen Gewässern?

Ja das stimmt! Ich bin zwar zuvor nie Open-Water-Wettkämpfe geschwommen, habe aber mit dem Projekt meine Passion für diese Sportart entdeckt. Von nun an werde ich mich vor allem darauf konzentrieren.

Was heisst das konkret?

Ich möchte gerne im Mai 2015 an der Schweizer Meisterschaft über 5 Kilometer starten und im Zeitraum Juni 2015 an einem oder zwei 25-km-Langstreckenwettkämpfen teilnehmen. Das passt alles in die Vorbereitung für meine nächsten Ziele.

Die da wären?

Die Oceans Seven! Es geht darum, weltweit insgesamt sieben Meerengen schwimmend zu überqueren. Gibraltar gehört auch dazu. Eine habe ich also schon, im Sommer 2015 soll die Nächste folgen. Dann möchte ich gerne den Molokai Channel bei Hawaii überqueren. Dieser ist rund doppelt so lang wie Gibraltar und dauert garantiert länger als zehn Stunden. Definitiv ist aber noch nichts!

Sie sind erst 21 Jahre alt, haben aber bereits sehr ambitionierte Ziele ...

Nun, ich dachte mir, wenn ich schon einen Teil der sieben schwimme, mache ich lieber gleich alle.

Ist es wirklich so einfach?

Ja! Ich habe einfach gerne ein Ziel vor Augen! Es ist doch am schlimmsten, wenn man keines mehr hat?