Solothurn
Rocker auf Kuschelkurs: Crown Kocher macht jetzt etwas Balladenrock «zum Schätzele»

Der «Killer»-Altrocker Crown Kocher geht neue, eigene Wege und erkundet neben der bisherigen hardrockigen Domäne neu auch das balladeske Rock-Gefilde mit viel Herzschmerz.

Andreas Kaufmann
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Crown Kocher

Crown Kocher

Pesche Weber, www.p-f-g.ch

Nanu? Crown Kocher auf Kuschelkurs? Dies dürften sich einige Fans der hiesigen Hardrock-Formation «Killer» über dessen Gitarristen in Sträflingskluft fragen, der im Alleingang neue musikalische Seitenwege beschreitet. So hat besagter Altrocker eine neue Rockballaden-Single auf dem digitalen Musikmarkt freigelassen, die einige Härtegrade niedriger liegt, als was sonst aus seiner Klangschmiede kommt.

Unter dem Titel «Let me take you in my Arms» singt der von ihm eingespannte raustimmige Rockbarde Jean-Marc «Schämu» Viller über Liebe und Geborgenheit, Trennung und Versöhnung – «mit Melodie und Schmalz», wie Kocher sagt. Poprock eben, mit hörbaren Anleihen aus den Achtzigern. Nico Staub spielt dazu Keyboard, Duco Aeschbach Schlagzeug – und der geistige Vater Kocher schrummt Gitarre und Bass.

Ideale Vokalbesetzung

Der Song war bereits 1978 unter seiner Bandtätigkeit für «Kaktus» entstanden und aufgenommen worden, schaffte es aber nie auf ein Album der Gruppe – aus Stilgründen. Nachdem Kocher in alten Songbeständen wieder darauf stiess, erhielt er vom «Killer»-Produzenten den Tipp, doch den Song im Solo-Lauf herauszubringen. Und nachdem «Killer»-Sänger Andy Lickford seine Stimme dem «zu soften» Unterfangen nicht leihen mochte, fand Kocher mit Viller die geeignete Vokalbesetzung. «Er hat nach 48 Stunden eine Gesangsversion abgeliefert, die es in sich hatte», erinnert sich Kocher.

Und somit war der Gang ins Zodiac-Studio Solothurn ein schneller. Nun ist «Let me take you in my Arms» nicht das einzige, bislang «verschüpfte» Werk aus Kochers Rockruhe. Weitere könnten im Sinne eines Mini-Albums folgen. Findet dieser neue «Kocher» weiterhin Anklang, wie es bislang den Anschein macht, könnten mindestens vier weitere Song hinzukommen. «Er ist kein Welthit, aber über die vielen ‹Daumen nach oben› bin ich schon stolz.» Und weil sein Produzent die Idee unterstützt, wurde alsbald eigens eine Plattenfirma für dieses Projekt gegründet: «Genco Pura» – in Anlehnung an die fiktive mafiöse Olivenöl-Firma aus «Der Pate».

«Meine Rückseite des Mondes»

Womit nun aber die Einstiegsfrage über Crown Kochers noch nicht beantwortet ist: Nein, der Schuster bleibt bei seinen Leisten, das auf jeden Fall. «Und vergraulen möchte ich die Heavy-Fans auch nicht. Sie sollen jetzt auch nicht meinen, dass der Crown plötzlich einen auf Kommerz macht.» So arbeitet er zusammen mit «Killer» nach wie vor mit Hochdruck an einem neuen – härteren – Album, das Anfang 2019 herauskommen soll. Auch hier fallen laufend potenzielle Songs aus der Aufstellung, dafür kommen neue hinzu.

Wie aber erklärt er den derzeitigen, softrockigen Nebenschauplatz seinen Fans? «Dieser Aspekt an mir ist meine ‹Dark Side of the Moon›, meine ‹Rückseite des Mondes›.» Stückweit sei «Let me take you in my Arms» auch Vergangenheitsbewältigung. «1978 war ich tödlich verliebt, und aus diesem Gefühl entstand der jetzt produzierte Song. Einer, der ans Herz greift.»

Aber auch sonst muss es für Crown Kocher nicht immer die härteste musikalische Gangart sein: «Wenn ich am Schätzele bin, hör ich ja auch nicht ‹Motörhead›. Das kommt dann erst wieder danach...»