Kunstmuseum

Robert, Miriam und Manuel Müller ganz privat

Der Künstlerfamilie Müller ist eine sehr ergreifende und intime Ausstellung im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn gewidmet. Heute Samstag findet die Vernissage statt.

Robert Müller (1920–2003), der Bildhauer und Zeichner, ist ein Monument. Er gilt zusammen mit Luginbühl und Tinguely als einer der Erschaffer der modernen Eisenplastik. In Solothurn wurden seine Arbeiten schon mehrmals im Kunstmuseum gewürdigt. Für einigen Gesprächsstoff sorgte vor wenigen Jahren auch die Restaurierung seiner baufällig gewordenen Plastik «Objet Soleure», die dann aber restauriert wurde und jetzt wieder an ihren ehemaligen Standort auf der Terrasse der Pädagogischen Hochschule FHNW in Solothurn zu sehen ist.

Nun gibt es im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn einen ganz anderen Robert Müller zu sehen. Und nicht nur ihn, sondern auch das schmale, aber eindrückliche Werk seiner Frau Miriam und einen Querschnitt der Arbeiten seines Sohnes Manuel. Manuels Werk ist vorwiegend in Frankreich und in der Romandie bekannt.

Bisher noch nirgends zu sehen waren die Zeichnungen, Malerei und der Schmuck der ausgebildeten Goldschmiedin Miriam Müller. «Es sind alles Arbeiten, die bisher vorwiegend in den privaten Räumen unserer Künstlerfamilie zu sehen waren», sagt Manuel Müller, der die Ausstellung möglich machte. Und schon im Durchgangsbereich des Graphischen Kabinetts wird dieser Ausstellungscharakter deutlich. Ein kurzer Text an der Wand, daneben ein Familienfoto erklären die Verbindungen zwischen den drei Künstlern.

Robert Müller

Jeder der drei hat seinen eigenen Raum. Durchblicke lassen Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen. Von Robert Müller sind sehr frühe Skulpturen und Zeichnungen, aber auch seine allerletzten zu sehen. Intime Einblicke geben vor allem die erotisch aufgeladenen Zeichnungen und Skulpturen. Dann sind auch Ansichten oder Porträts aus Kreta zu finden, wo das Ehepaar ein Haus besass und viel Zeit verbrachte. Ebenso gibt es Szenen aus dem Leben im Wohnhaus in Villiers-le-Bel, einem Ort in der Nähe von Paris, wo sich der Lebensmittelpunkt der Familie befand.

Miriam Müller

Eine Entdeckung sind die Arbeiten von Miriam Müller (1926–2007). Die gebürtige New Yorkerin floh als Zwanzigjährige richtiggehend aus ihrem jüdischen Umfeld von Amerika nach Paris, wo sie Robert Müller kennen lernte. Die zur Malerin und zur Goldschmiedin ausgebildete talentierte Frau gab in der Folge aber ihre künstlerischen Tätigkeiten auf und malte nur noch aus ganz persönlichem, innerem Bedürfnis.

Erstmals werden nun also in Solothurn ihre manchmal an Frida Kahlo mahnenden Zeichnungen gezeigt. Sie setzt sich darin mit ihrem Leben als liebende Ehefrau und Mutter – oft psychisch leidend – auseinander. Zu sehen sind auch einige wunderschöne, sinnliche Goldschmuckarbeiten und dazu ein Skizzenbuch, das elektronisch erfasst wurde und von den Besuchern so «durchgeblättert» werden kann.

Manuel Müller

Robert und Miriams Sohn Manuel Müller (*1955) wurde vorwiegend als Holzplastiker bekannt. Mit der Wahl dieses Werkstoffes setzte er sich ganz bewusst von seinem Vater ab. Von ihm sind verschiedene, farbige Holzskulpturen, aber auch Drucke zu sehen. Es sind oft ornament-artige, archaische Motive. Seine Kunst mahnt an Arts Primitifs oder auch an mittelalterliche Plastiken, welche er selbst bewundert.

Seine auf den ersten Blick eher grob scheinenden Arbeiten sind zugleich fein und minuziös aufgebaute Bilder und Skulpturen, denen oft etwas Geheimnisvolles, Verstecktes innewohnt. Zu erkennen ist, wie der Sohn die Motive seines Vaters und seiner Mutter vermischt und neu gewichtet. Er scheint seiner Mutter sehr nahe zu sein, die auch als Motiv in seinem Werk immer wieder auftritt.

Vernissage: heute Samstag, 17 Uhr. Ausstellung bis 18. Juni. Öffentliche Führung mit Manuel Müller am 2. April und 14. Mai, jeweils 11 Uhr.

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