Solothurn
Robert Fürst leitete fast 30 Jahre den Busbetrieb in der Region Solothurn -Jetzt ist Schluss

Nach fast 30 Jahren geht Robert Fürst, Betriebsleiter des Busbetriebs Region Solothurn BSU in Pension. Der Ex-Isebähnler wechselte 1983 das Gewerbe und stieg um auf «Gummiredli».

Wolfgang Wagmann
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Robert Fürst hat fast 30 Jahre lang den Busbetrieb Region Solothurn BSU als Betriebsleiter begleitet. ww

Robert Fürst hat fast 30 Jahre lang den Busbetrieb Region Solothurn BSU als Betriebsleiter begleitet. ww

«Ich war ein bisschen gespalten in Sachen Bus», erinnert sich Robert Fürst noch gut an den August 1983, als er in Solothurn sein Büro als BSU-Betriebsleiter am Hauptbahnhof bezog.

Nach 15 Jahren bei den SBB inklusive der «Isebähnler»-Lehre und einem knappen Jahr bei der damaligen Solothurn-Zollikofen-Bern-Bahn SZB war er für die neue Funktion angefragt worden.

«Zuerst habe ich drei Wochen geschnuppert, ob ich mit den ‹Gummiredli› etwas am Hut hätte.» Robert Fürst hatte und blieb. Denn es war gerade einiges im Gange: «Damals erfolgte die Ablösung des Fahrzeugparks von Hess-Bussen zu jenen der Firma FBW mit Hess-Aufbau.»

Der BSU in den 30 Jahren

Der Busbetrieb Solothurn BSU hat sich in den fast 30 Jahren, in denen Robert Fürst als Betriebsleiter wirkte, massiv verändert. Angefangen bei den beförderten Personen, die von 2,9 auf 6,6 Mio. angewachsen sind, also um mehr als das Doppelte. «Damals befuhren wir mit 30 Bussen ein Streckennetz von 60 Kilometern, heute sind es 150 Kilometer, also auch mehr als doppelt so viele», blickt Robert Fürst zurück. Die Fahrzeugflotte habe sich nicht derart vergrössert - sie zählte 2011 nämlich bloss 39 Einheiten - hingegen sei der Personalbestand von 56 auf 105 Leute inklusive des Garagenpersonals in Zuchwil angewachsen. 1983 waren auch erst sechs Buslinien in Betrieb, heute sind es deren zehn. Der Schub beim BSU ist vor allem auf die Strategieumsetzung von «Mehr Bus» 2008 zurückzuführen. Dadurch wurden 2,2 Mio. Passagiere mehr generiert.
Eher kurios ist dagegen eine Reduktion des BSU-Bestandes: Bei Fürsts Amtsantritt zählte der Verwaltungsrat sage und schreibe 26 Köpfe. Durch eine Statutenrevision wurde der «Wasserkopf» auf noch 9 Personen verringert. (ww)

Weitere spannende Aufgaben folgten. So die Umstellung der beiden Bahnlinien Solothurn–Herzogenbuchsee und Solothurn–Büren auf den Busbetrieb Mitte der neunziger Jahre. Spannend auch, weil neue Partner auftauchten: «Auf der Bürenlinie fuhren wir zuerst für die SBB.»

In Solothurn tauchten asm-Busse aus dem Oberaargau auf, aus dem Leberberg Grenchner BGU-Busse. 1989 bereicherten erste Gelenkbusse die BSU-Flotte, «und ab 2004 hatten wir nur noch Niederflurbusse im Einsatz.

«Dafür sind wir nicht zuständig»

Der BSU wuchs nicht nur quantitativ (vgl. Kasten), sondern auch qualitativ. Taktverbesserungen und zusätzliche Linien standen im Konflikt mit dem wachsenden Individualverkehr. «Als Kleinstadt sind wir aber ganz gut bedient mit Busspuren und gesteuerten Lichtsignalanlagen. Langenthal zum Beispiel hat gar nichts Derartiges.

Da hat bei uns der Kanton auch mit dem Einrichten von Pförtneranlagen schon sehr gut zum öV geschaut.»

Die bei Autofahrenden gar nicht beliebten Bus-Haltestellen mitten auf der Strasse oder gar bei Kreiseln lagen jedoch nicht in Fürsts Kompetenz: «Dafür sind wir nicht zuständig. Das haben Verkehrsplaner ausgeheckt.»

Verständnis für Wartende hinter dem Bus hat er insofern, weil dieser oft länger hält als erwünscht: «Wir müssen noch im Bus Billette verkaufen, weil uns das Geld für Ticket-Automaten an jeder Haltestelle fehlt.»

«Wir haben noch Ketten»

Aufregende Momente gabs für Robert Fürst jeweils auch bei Wintereinbrüchen – die grösste Gefahr für den geregelten Kursbetrieb. «Dann steigen viele, die sonst nicht öV-Nutzer sind, auf den Bus um. Und wollen natürlich trotz Schnee erst recht pünktlich transportiert werden.»

Im Gegensatz zu Bern oder Zürich, wo es im Winter ab und zu Betriebseinstellungen gibt, musste Fürst in Solothurn erst ein Mal dieses drastische Mittel ergreifen – «damals kam es zu Eisregen». Ansonsten gilt für den BSU ein Patentrezept: «Wir haben noch Ketten», schmunzelt Robert Fürst.

Ein anderes Problem: Die Schwarzfahrer und Randale. «Die Chauffeure werden geschult, und in jedem Bus ist eine Videokamera vorhanden.»

Zugespitzt hätten sich die Risiken mit den Moonliner-Fahrten, bei denen Robert Fürst in Richtung Bucheggberg manchmal selbst am Steuer ist. «Doch die jungen Leute sind grösstenteils sehr anständig.»

Die Schwarzfahrer- oder vielmehr «Unregelmässigkeitsquote» sei bei 3,9 Prozent relativ konstant. «Am schlimmsten ist es im städtischen Bereich auf Kurzstrecken; in ländlichen Gebieten kommt das Schwarzfahren weniger häufig vor.» Dabei seien die Kontrollen, ausgelagert an den RBS, ausgeweitet worden: 2011 wurden auf 5600 Buskursen 81 000 Fahrgäste kontrolliert.

Was die Zukunft bringt

«Das Liniennetz vergrössert sich wohl kaum mehr. Was wir gerne hätten, wäre ein dichterer Takt», schaut Robert Fürst in die BSU-Zukunft. Doch der Kanton müsse sparen, es komme auch darauf an, wer das Bau-Departement führe.

«Walter Straumann war sehr öV-affin.» Derzeit beschäftige den BSU auch ein EDV-Projekt, das Echtzeit-Informationen liefert – man sehe auf einem Online-Fahrplan, wann der Bus komme. Auch sei man daran, Busse mit Bildschirmen auszurüsten, «darauf sind die Anschlussverhältnisse an den Bahnöfen ablesbar».

Gestern hat Robert Fürst sein Büro verlassen; am Steuer von Bussen wird er aber weiterhin anzutreffen sein. In Moonlinern etwa oder «zu 30 Prozent auf Fahrten fürs Kinderheim Bachtelen in Grenchen».

Fünf Jahre will der nun 64-Jährige noch Chauffeur sein, «dann gebe ich meinen Bus-Ausweis definitiv ab.» Was aber Robert Fürst nie ganz loslassen wird, ist seine Liebe zur Musik. Der frühere Dirigent mit vielen Stationen möchte jedoch wieder aktiver selbst Musik machen. «Ich helfe mit der Trompete dort aus, wo ich früher dirigiert habe.»