Vier Herren im dunklen Anzug, mit Hut und Sonnenbrille - The Blue Brothers im Doppelpack, umschmeichelt von blauem Bühnenlicht. Ein Bild wie den Studio-Archiven Hollywoods entstiegen. Den Soundtrack lieferten die Akteure gleich selbst: Mit Matthias Aeberhard, Simon Jäger, Damian Meier und Roger Widmer gastierten Ritter des Hohen Cs mit Filmsongs in der Rythalle. Die letzte Vorstellung an den Solothurn Classics war zugleich auch die Dernière für das Programm „Movie Classics", mit dem I Quattro auf Tour waren und nationalen TV-Glamour mitbrachten.

Ein umjubelter Festivalschluss mit vielen Premieren: Erstmals brachte eine Crossover-Produktion Unterhaltungsmusik auf die Opernbühne, erstmals standen gleich vier Tenöre im Rampenlicht, erstmals erklangen mit Mikrofon akustisch verstärkte Stimmen - und nicht zuletzt: I Quattro errang die erste Standing Ovations der diesjährigen Auflage von Solothurn Classics.

Gelungen ist dieser Erfolg vier Tenören, die den Durchbruch nicht als Verdi-Helden, sondern mit I Quattro als Quartett schafften und sich nach dem Karrierestart 2009 nun erstmals am Opernfestival präsentierten. Damit wagte Solothurn Classics eine Art Grenzüberschreitung um ein neues Besuchersegment anzulocken - und die Strategie ist aufgegangen. Strahlendes Sommerwetter hätte einen Auftritt auf der Schanze nahegelegt. Doch ein weiteres Novum, wegen dem frühen Konzertbeginn um 17 Uhr hätten gerade ältere Besucher die pralle Sonne nicht ertragen. Zudem verlangte die umfangreiche Technik nach der Rythalle, auch wenn "I Singing in the rain" nur akustisch stimmte.

«I Quattro» begeistern das Publikum

Die Indoor-Atmosphäre beeinträchtigte die Faszination der Hommage an Filmklassiker keineswegs, liess das Publikum zu Hits wie „That's Amore" aus „The Caddy" begeistert wippen. Wie Perlen reihten sich Highlights wie „La Bamba", „Fragile" und „Fame" aneinander - Songs, die auch ausserhalb des Kinos die Welt eroberten. Gesungen von in den Klangfarben unterschiedlichen Tenorstimmen, die sich wunderbar mischen und ergänzen. Jeder der vier Künstler bringt eigene Stärken ein, die sich zum Gesamtkonzept verbinden und gleich zwei Solothurner auf der Bühne vereint.

Eigener Schlusssong

Damian Meier wohnt in Oberdorf und hat mit der Damian's Music Company und Musical-Produktionen nicht nur als Sänger Lorbeeren geholt, sondern auch als Tänzer und Performer. Der gebürtige Oltner Matthias Aeberhard wohnt im Thurgau und reüssierte als Opernheld im Theater Luzern und bei den Sommerspielen Selzach. Die beiden Zürcher Tenöre Simon Jäger und Roger Widmer sind vom Konzertpodium her bekannt.

Begleitet nicht von einem Kammerorchester sondern vom zehnköpfigen Ensemble Movie Tones mit den legendären Keiser-Zwillingen (Keiser Twins) Walter Keiser am Schlagzeug und Peter Keiser am E-Bass, sowie mit Michi Dolmetsch, Tsering Purtag, Martin Medimorec und den Live Strings Top-Virtuosen mit rockigem und jazzigem Sound. Gemeinsam mit den Singers von I Quattro war zwei Stunden voller Körpereinsatz, zwei Stunden perfektes Spiel und grossartigen Interpretationen angesagt.

Der eigens für I Quattro komponierte Schlusssong „I like Cinema" brachte das Leitmotiv des Abends auf den Punkt. Nach der Standig Ovation instalierten die Bejubelten mit einer Autogrammstunde im Zelt eine weitere Solothurn-Classics-Novität.