Noch scheint es, als müssten die diagonalen Stahlstützen an der Nordfassade des Kunstmuseums ein bauliches Desaster abwenden. Die Gefahr, die man sich noch vor einigen Monaten an dieser Grossbaustelle ausmalte, ist aber gebannt.

Rückblick: Im Sommer hatte sich bei Unterfangungsarbeiten für den neuen unterirdischen Kulturgüterschutzraum das Kunsthaus selbst abgesenkt. Risse in mehreren Kunsträumen und im nördlichen Treppenhaus erforderten einen teilweisen Baustopp. Mikropfähle und Betonkonsolen wurden installiert, um die Bausubstanz zu stabilisieren. Ebenso sollten besagte Stahlstützen die Nordfassade vor dem Kippen absichern. Entsprechende Messinstrumente überwachten weitere Bewegungen genauestens.

Im Sommer fertiggestellt

Wie Lukas Reichmuth, Chef beim städtischen Hochbau, versichert, habe es seither keine Setzungen gegeben, die den zulässigen Grenzwerten auch nur nahe kommen. Ebenso haben die Kraftmessdosen an den Stützen kaum Kräfte gemessen, die auf eine drohende Kippbewegung hindeuten. Voraussichtlich im März dürften die Stützen wieder entfernt werden. Die Risse haben sich zwar laut Reichmuth leicht vergrössert, ebenso seien neue entstanden, dies aber stets innerhalb vertretbarer Parameter.

Der auf 6,2 Mio. Franken projektierte Kulturgüterschutzraum des Kunstmuseums wird durch die Bauprobleme erst im Sommer fertiggestellt werden. Ursprünglich hatte man mit dem Abschluss per Dezember 2015 gerechnet. Die Mehrkosten für die Flankierenden Massnahmen betragen nach derzeitigem Stand rund 330 000 Franken. Noch nicht zu beziffern ist die Fassadenrenovation selbst, die durch die Senkungen nötig geworden ist. Beim Schutzraum selbst sind drei von vier Bauetappen bereits abgeschlossen, ab 18. Januar wird laut Reichmuth mit dem Bau der Decke begonnen, sodass Ende Januar die Aussenhülle fertiggestellt ist.

Die Schuldfrage rund um den Schaden bleibt bis dato offen. Wie Stadtschreiber Hansjörg Boll informiert, erging nach dem Entdecken der ersten Risse eine Mängelrüge an den Generalplaner. «Wir haben dann von einer externen Bauingenieurfirma ein Gutachten erstellen lassen: Die Rüge bleibt aufgrund des Berichts bestehen.» Ob man sich in der Frage eines möglichen Planungsfehlers mit dem Generalplaner einigen kann oder ob es zu einem juristischen Nachspiel kommt, stehe noch aus.

Hauptproblem: kein Lift

Wie steht es aber sonst um den laufenden Betrieb des Kunstmuseums – gerade angesichts der Verzögerung? Für Konservator Christoph Voegele ist und bleibt der bald erhoffte Lifteinbau das vordringliche Anliegen. Dieser ist auf März oder April angesetzt. Gerade der Transport der Exponate sei ohne Aufzug erschwert. Allerdings sind die derzeitigen Ausstellungen gerade aus diesem Grund auf nicht allzu schwere Kunstobjekte ausgelegt.

Eine weitere Einschränkung findet sich bei den Sanitäranlagen: So bestehen derzeit lediglich mobile WCs im Aussenbereich. Zudem mache sich auch die Sorge des Publikums um den Bauzustand bemerkbar: «Viele sind besorgt über die Risse im Haus», sagt Voegele. Aber sowohl das Team als auch Plakate halten die Besucher auf dem Laufenden: «Wir können kommunizieren, dass die Sicherheit von Publikum und Kunst jederzeit gegeben ist.» Ebenso, dass das nun durch Risse versehrte Kunstmuseum auch optisch wieder auf Vordermann gebracht wird.

Für Voegele weiter sehr wichtig: «Die Besucher halten uns die Treue.» So hielt man die Schliessungszeit vor einem Jahr äusserst kurz: Über die gesamthaft zwei Schliessungsmonate, während denen die Bauarbeiten am intensivsten waren, hielt sich somit auch der Einbruch der Besucherzahlen in Grenzen. «Hochgerechnet auf zwölf Monate liegen wir im Durchschnitt. Und das Publikum kam nach der Schliessung wieder.»

Nicht zuletzt freut sich der Konservator auch darüber, dass man mit dem Neubau des Kulturgüterschutzraums auch andere längst fällige Pendenzen im Kunsthaus bereinigen konnte: Dazu zählen Behinderten-WCs und nötige Fluchtwege.