Solothurn
Richterin referiert zum Thema Gewalt bei der Christkatholischen Kirchgemeinde

An den «Sternschnuppen» in der Franziskanerkirche referierte Marianne Jeger.

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Alt Oberrichterin Marianne Jeger referierte aus strafrechtlicher Sicht zum Thema Gewalt und Aggression.

Alt Oberrichterin Marianne Jeger referierte aus strafrechtlicher Sicht zum Thema Gewalt und Aggression.

Michel Lüthi

Im Advent lädt die christkatholische Kirchgemeinde traditionsgemäss zum Innehalten in der Franziskanerkirche ein. «Sternschnuppen» nennt sich das Format, das an drei Freitagen im Advent Denkimpulse und Musik als Medizin gegen «adventliche Rastlosigkeit» bietet. Der diesjährige Fokus: «Wir sind alle gegen Gewalt – aber nützt das etwas?» Um ihre Gedanken zu teilen, waren bereits Schauspieler Jens Wachholz und Studentin Christine Fluri eingeladen. Zum gestrigen Abschluss des Dreiteilers referierte alt Oberrichterin Marianne Jeger, und dies unter Bratschenklängen von Monika Clemann.

Obwohl bei der Devise zum Thema Gewalt eher Resignation mitschwinge, habe sie es stets als «Chance und Aufgabe» gesehen, als Richterin gegen Gewalt vorzugehen. So ging Jeger dem Wesen der Aggression auf den Grund: «Während gerade bei Kindern und Jugendlichen Aggression zum normalen Verhalten zählt, lernen sie bald, Konflikte gewaltfrei auszutragen. Dabei haben die Eltern einen grossen Einfluss.» Massgeblich trage gerade bei Jugendlichen auch der Alkoholkonsum zur Gewaltbereitschaft bei.

Als Richterin habe sie nur selten brutale Verbrecher vor sich gehabt. «Man erhält Einblicke in viele menschliche Schicksale. Meistens sind es Kleinkriminelle, Süchtige oder schlicht überforderte Menschen.» Das dürfe allerdings auf der anderen Seite nicht dazu führen, schwere Straftaten zu bagatellisieren. Wichtig sei zudem, dass die Strafjustiz im Sinne der Gewaltentrennung frei von politischen Strömungen agieren könne.

Ihr Augenmerk widmete Jeger besonders einem Spannungsfeld, mit dem die Strafjustiz konfrontiert sei. Insbesondere dann, wenn aufgrund der Rückfallgefahr stationäre Massnahmen nötig werden. «Auf der einen Seite ist der Schutz der Opfer und der Gesellschaft vor rückfälligen Tätern. Auf der anderen Seite ist der Aspekt der Resozialisierung des Täters. Wohin das Pendel ausschwingt, ist gesellschaftlichen Tendenzen unterworfen», so ihre warnende Botschaft. (ak)