Am 22. März soll es soweit sein: Nach knapp 116 Jahren wird erstmals wieder einer Person mit einer Erinnerungstafel in der Verenaschlucht gedacht: Paul L. Feser, Historiker und Kämpfer für den Erhalt des alten Solothurn wird diese Ehre zuteil.

Mit der durch Bildhauer Til Frentzel geschaffenen Tafel, die dann in der Schluchtmitte auf der Westseite des Verenabachs angebracht wird, «wollen wir an die Hartnäckigkeit erinnern, mit der Feser für seine Anliegen gekämpft hat», meint Anwalt Max Flückiger, der die Stiftung für die Wiederherstellung solothurnischer Denkmäler präsidiert. Diese wurde vom 2014 verstorbenen Feser 1994 gegründet und hält an einem grossen Ziel fest: dem Wiederaufbau des 1877 abgerissenen Inneren Berntors.

Eine gewisse Hartnäckigkeit brauchte Flückiger auch, um die Denkmalpflege und die Bürgergemeinde Solothurn vom «Revival» der früher inflationär angebrachten Erinnerungsschriften zu überzeugen. «Aber die Tafel ist bewilligt, und wir wollen damit Paul L. Feser auch Gerechtigkeit widerfahren lassen.»

Denn oft war der Bewahrer von alten Gebäude-Ensembles wie an der Hermesbühlstrasse oder des Hotels Bären mit seinen Ideen angeeckt, auch wenn er sich gerade durch sein Engagement für die Verenaschlucht oder auch als akribischer Dokumentarist des alten Solothurn – erinnert sei an sein Brunnenbuch – einen Namen gemacht hatte.

Es geht auch um Geld

Mehr Überzeugungsarbeit brauchte Flückiger bei der Denkmalpflege als bei der Bürgergemeinde Solothurn. Denn immerhin steht die Verenaschlucht unter Natur- und Denkmalschutz. Dagegen tat man sich bei der Eigentümerin der Schlucht leichter. «Das Anbringen der Tafel wurde von der Einsiedelei-Kommission ohne Opposition gutgeheissen», so Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger. Und verweist auf die grossen Verdienste von Paul L. Feser um die Einsiedelei – dieser hatte übrigens die erwähnte Fachkommission gegründet.

Doch standen für die Bürgergemeinde noch andere, handfeste Interessen auf dem Spiel: Feser hatte der Schlucht-Eigentümerin ein Legat vermacht – unter der Auflage, dass die Bürgergemeinde im Bargetzi-Steinbruchareal ein Einsiedelei-Museum einrichte. «Das ist aber unmöglich. Alle dortigen Liegenschaften werden genutzt und sind vermietet», betont wiederum Wyniger.

Also setzte man sich mit Fesers Nachlassverwalter Max Flückiger zusammen, um zu klären, unter welchen Bedingungen das Legat trotzdem an die Bürgergemeinde gehen könnte. Der Preis: die Gedenktafel für Feser in der Schlucht. «Nein, damit wollen wir kein Präjudiz schaffen», erklärt der Bürgergemeindepräsident. Um dann doch einzuräumen: «Aber wenn jemand mit einer Million kommt...»

Die Höhe des Legats ist nicht bekannt, wohl aber der Zweck: Es werde ausschliesslich für den Unterhalt und Erhalt der Einsiedelei eingesetzt.

Solothurns «Walk of fame»

Die Verenaschlucht wurde vor allem im 19. Jahrhundert als ideale Plattform zur Verewigung grosser Namen angesehen. Den Anfang zum Solothurn «Walk of Fame» machte der «Erfinder» und und Erbauer der Verenaschlucht, der französische Baron de Breteuil selbst. Er ist auch der Einzige, der sich schon zu Lebzeiten ein Memorial mit lateinischen Lettern in der Schlucht setzte. Das war 1791.

Noch vor dem Baron war der Revoluzzer und Verleger Franz Josef Gassmann 1802 gestorben. Nach dem Umsturz von 1830, als das Ancien Regime weggefegt wurde, erhielt er auf einer steinernen Bank sein Pseudonym «Hudibras» eingemeisselt. Nur ein Jahr nach seinem Ableben widerfuhr 1871 Oberförster Georg Scherer die gleiche Ehre an der Schluchtwand, und 1883 gabs Inschriften für den «gemeinnützigen Banquier» Franz Brunner sowie den Industriellen Johann Kottmann.

Besonders prominent fiel das steinerne Gedenken für zwei Wissenschaftler aus: 1820 liess die Literarische Gesellschaft einen Granitfindling für den 1818 jung verstorbenen Historiker Robert Glutz-Blotzheim herankarren, und 1866 folgte der mächtige erratische Block mitten im Bachbett, der sogenannte «Teufelsstein», gewidmet dem Geologen und Stadtoriginal Amanz Gressly.

Am 30. September 1902 folgte der bis dato letzte Akt: die prominent platzierte Inschrift für den Heimatdichter Alfred Hartmann, sowie der «Doppelfächer» für die Naturforscher Franz Joseph Hugi und Franz Vinzenz Lang weiter unten an der Schluchtwand.

Die Frauen hatten es in dieser Männerdomäne schwer. Nur eine schaffte es in den Status der ewigen Erinnerung: die heilige Verena. Immerhin steht für sie gleich eine ganze Kapelle.