Ein bisschen schade sei es schon. «Die vorhergegangene Gesamtrestaurierung der St.-Ursen-Kathedrale hat alles überstrahlt. Dabei war die Jesuitenkirche für sich ein Grossprojekt.»

Knapp vier Mio. Franken sind in die Restaurierung des 340-jährigen Barockjuwels investiert worden. Kirchgemeindepräsident Karl Heeb freut sich sichtlich über das Erreichte.

Aussen ist die Kirche nun hindernisfrei erreichbar, darüber prangt die renovierte Fassade. Innen hat sich das restliche Kircheninnere, gereinigt vom Altersruss, zu der bereits restaurierten Otter-Orgel und den ebenfalls renovierten Seitenaltären gesellt.

Sehr aufwendig waren die Instandsetzung der von Farbabplatzungen heimgesuchten Deckenbilder und die umfangreichen Arbeiten an der maroden Bekrönung des Hochaltars.

Dieser ist wieder mit den jahrzehntelang eingelagerten, silbernen Altarengeln geschmückt. «Sie wurden irgendwann weggenommen. Doch die Denkmalpflege hat nichts gegen ihre Wiederverwendung», so Heeb.

Zusätzlich Glanz verleiht dem Altar der sogenannte Festtagssatz der Reliquien-Altarplatten, bestehend aus ebenfalls versilberten Heiligenfiguren. Sinnend blickt Karl Heeb durch das riesige Kirchenschiff: «Das sollte jetzt wieder 50, 60 Jahre lang halten.»

Bis zu 450 Sitzplätze

Doch nicht nur Stuck, Fresken und Goldzierrat wurden aufgefrischt und restauriert, sondern auch die Infrastruktur des wegen ihrer Akustik gerne als Konzertsaal genutzten Kirchenraums wurde im wahrsten Sinne des Wortes «aufgemöbelt».

Die berühmt-berüchtigten Kirchenbänke, zwar schon vorher mit Rückenpolstern bestückt, erhielten um einige Zentimeter tiefere Sitzflächen. Bei beiden hinteren Bankgruppen wurde eine Reihe geopfert, um zusätzlichen Beinraum zu erhalten.

«Wir haben damit immer noch 240 Plätze», erklärt Heeb, «aber im Mittelgang dürfen aus Gründen der Sicherheit keine Stühle mehr platziert werden.» Beidseits ist das noch möglich, ebenso bei den «billigen Plätzen» auf beiden Seitenemporen.

Dass aber an Konzerten immer noch bis zu 450 Plätze möglich sind, verdankt man einer klugen Investition: Auf der Mittelempore wurden geräumige Holzbänke mit 50 Top-Plätzen geschaffen, der Blick ins Kirchenschiff, den Chor und auf den Hochaltar ist herrlich.

«Die Plätze sind aber nicht immer zugänglich, braucht es doch bei einer Öffnung zusätzliches Sicherheitspersonal», meint Heeb.

Neue Fluchtwege gibts durch eine aussen angebaute Nottreppe bei der Sakristei sowie eine Wendeltreppe, die ein Verlassen der Kirche über die Seitenempore ins Steinmuseum hinab ermöglicht.

Ein Riesengewinn ist die neue Beleuchtung grösstenteils mit LED-Lampen. Karl Heeb: «Wir können damit einzelne Kirchenteile speziell ausleuchten oder dort das Licht reduzieren. Insgesamt verfügen wir über 13 Beleuchtungsszenarien», verweist er auf das bläuliche Licht über den Säulen-Kapitellen – die Konzertbeleuchtung.

Und neue Pläne

Noch ist das Projekt Jesuitenkirche nicht abgeschlossen – nächstes Jahr werden die Fassaden der Seitenflügel (Infothek/Steinmuseum) gereinigt und restauriert

Ebenfalls dann wird die Planung für die Gesamtrestaurierung der 1952 gebauten Weststadtkirche St. Marien in Angriff genommen und allenfalls 2017 realisiert. Noch kommt Karl Heeb also nicht zur Ruhe.